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XI. HAMBURGER IMMOBILIENKONFERENZ

DIE ZUKUNFT FEST IM BLICK

Passender konnte die Location nicht sein: mit Blick über die Speicherstadt, den Hafen und die Hamburger Innenstadt erlebten die Besucher die nun schon 11. Immobilienkonferenz, die unser Bankhaus gemeinsam mit Möhrle Happ Luther, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte, jedes Jahr veranstaltet. Diesmal konnten wir die neuen Räumlichkeiten unseres Kooperationspartners „einweihen“ und den spektakulären Blick aus dem 12. Stock genießen.

IMMOBILIENAKTIENGESELLSCHAFTEN WEITER AUF DEM VORMARSCH

Die Themen des Tages waren vielfältig und so begann, mit dem Kontorhausviertel im Hintergrund,  Martin Thiel, Finanzvorstand der TAG Wohnimmobilien AG, seinen Vortrag über die Zukunft der Wohnimmobilien AGs. Die Zukunftsaussichten bezeichnete Herr Thiel als rosig, die Niedrigzinspolitik der EU ermöglichten günstige Finanzierungen und einen stabilen Aktienkurs, auch durch Investments von risikoaversen Anlegern die zunehmend Alternativen zu Bundeswertpapieren und ähnlichen Investments suchten.

Das aktuelle Ungleichgewicht durch Angebot und Nachfrage auf dem Immobilienmarkt, große Zuwanderung nach Deutschland und die sinkende Bedeutung von außerbörslichem Eigenkapital seien ebenfalls Indikatoren für eine profitable und sichere Zukunft der betreffenden Unternehmen. Ziele der TAG AG seien nicht nur Leerstandsabbau, sondern im besonderem auch Quartiersentwicklung durch das Entwerfen und Umsetzen von neuen Konzepten. Stadtteile attraktiver zu gestalten, Mieter zu akquirieren und diese dann mit kundenspezifischen Produkten ausstatten zu können, die den Mietern und dem Unternehmen zu Gute kommen, sei aktives Ziel der TAG AG. Risiken wie Zinserhöhungen, ein Überangebot an Wohnungen und staatliche Regulierung bewertete Herr Thiel als gering und prognostizierte eine sehr positive Zukunft für Wohnimmobilien AGs.

SIND TEMPORÄRE BAUTEN EINE ALTERNATIVE ZU TRADITIONELLEN IMMOBILIEN?

Ob temporäre Bauten eine Alternative zu traditionellen Bauten sein könnten, erläuterte im Anschluss Berndt Zoepffel, Geschäftsführender Gesellschafter der Losberger GmbH. Seit 1919 entwickelte das Unternehmen flexible Lösungen für temporäre Bauten. Mittlerweile ist das Angebot so facettenreich, dass die Losberger GmbH vom EU-Diplomaten-Camp in Mogadishu, über Hubschrauberhallen für das Militär bis hin zu Studentenwohnheimen alles möglich machen kann.

Ein dreigeschossiges Büro-Modul. (Foto: Losberger GmbH)

Abgesehen vom Mangel an architektonischer Vielfalt sieht Zoepffel fast nur Vorteile in temporären Bauten. Die Flexibilität in allen Bereichen, so beispielsweise in der Lebensdauer der Gebäude (ob Monate oder Jahrzehnte), der Stockwerke (bis drei sind möglich), Glas-, Holz- oder Stahlwände sowie obligatorische Winterfestigkeit sei nur einige Vorteile von Losberger Bauten. Zusätzlich bildeten die Sicherheit der Kostenplanung, der schnelle Aufbau, der um 10 bis 20 Prozent günstigere Preis im Vergleich zu klassischen Bauten und die Nachhaltigkeit durch die Möglichkeit des rückstandsfreien Abbaus einen zusätzlichen Mehrwert für den Käufer oder Mieter.

KAUFPREISAUFTEILUNG AUS RECHTLICHER UND STEUERLICHER SICHT

Praktische Tipps für die Geldanlage in Immobilien gaben Dr. Anne Schöning und Jens Scharfenberg, beide Partner bei Möhrle Happ und Luther. Aus  steuerlicher Sicht teilt sich der Kaufpreis einer Immobilie in verschiedene wirtschaftliche Einheiten auf: Grund und Boden, Gebäude, Betriebsvorrichtungen, Außenanlagen und Mietvertrag. Alle diese Einheiten haben andere Abschreibungszeiten. Es gibt ganz unterschiedliche Bewertungsmethoden. Zu beachten ist hierbei, dass das Finanzamt nicht alle anerkennt. Um hinterher keine böse Überraschung zu erleben, raten die Experten dazu, einen Gutachter einzuschalten und die Kaufpreisaufteilung bereits im Kaufvertrag mit aufzunehmen.

AUSWIRKUNGEN VON E-COMMERCE AUF STATIONÄRE HANDELSFORMATE

Als letzter Redner gewährte uns Alexander Graf, Geschäftsführer eTribes Framework GmbH und Herausgeber von „Kassenzone.de“, Einblicke in den dynamischen Markt des e-Commerce. Er differenzierte fünf verschiedene Modelle von Onlinehandelsplattformen mit dem Fazit, dass Marktplätze wie Amazon und Hersteller wie Boss oder Samsung aktuell die Gewinner seien.

Der jährliche e-Commerce-Umsatz in Deutschland sei mittlerweile auf 50 Mrd. Euro angewachsen und eine stete Zunahme sei zu beobachten. Alexander Graf erklärt den Zuwachs der e-Commerce Kunden bis etwa 2010 mit Käufern, die vom typischen Katalogkauf zum Onlinekauf wechselten. Seit ungefähr 2011  beziehen Onlineplattformen ihre Kunden allerdings aus dem stationärem Handel. Pro Monat verlöre der deutsche stationäre Handel circa 1 Mrd. Euro Umsatz an e-Commerce. Dass elektronischer Handel den stationären Handel ersetze, sei eine Frage der Zeit und keine inhaltliche Frage. Das Verknüpfen von e-Commerce und stationärem Handel sei unbedingt nötig, da sonst eine Vertreibung vom Markt garantiert sei.

Unter dem Eindruck der für den Offline-Handel beunruhigenden Zahlen begann die Podiumsdiskussion. Experten diskutierten die überaus aktuelle Frage „Entstehen in Hamburg zu viele Handelsquartiere?“ Neben den zahlreichen vorhandenen Einkaufzentren wie dem Hanseviertel oder der Europa­passage werden derzeit viele weitere gebaut. Zwei große Bauvorhaben sind das Axel Springer Quartier und die Stadthöfe. Außerdem erfolgt 2017 der erste Spatenstich für Hamburgs größtes Einkaufzentrum, das in der Hafencity entstehen soll. Kann sich das rentieren oder wird dadurch die Innenstadt leiden? Was bedeutet diese Entwicklung in Hinblick auf den Trend zum Online-Kauf?

So soll das neue Einkaufszentrum in der Hafencity aussehen. Geplant ist die Eröffnung von 190 Geschäften im Jahr 2021. (Foto: moka / unibail-rodamco)

Alexander Graf, Dietmar Hamm, Geschäftsführer Levantehaus GmbH, Johannes Lichtenthaler, der unter anderem das Quartier Alter Wall entwickelt und Dr. Jan Röttgers, Geschäftsführer ECE, stellten ihre Einschätzungen vor. Einig waren sich alle, dass das Rezept für das Bestehen des stationären Handels nicht die Ware als solches, sondern das Einkaufserlebnis sei. Um die Kunden auch weiterhin für den stationären Handel zu begeistern, bedürfe es neuer Konzepte sowie eine Verweil- und Aufenthalts­qualität der Innenstädte und Einkaufszentren.

Nicht nur für Touristen, sondern auch für Hamburger müsse das Shoppen in der Innenstadt zum Erlebnis werden, das Flanieren in einem wertigen Umfeld, das Erleben eines besonderen Flairs spiele zukünftig eine sehr große Rolle. Eine Verschmelzung von e-commerce und stationärem Handel hielten alle Anwesenden für wünschenswert.

Abschließend gewährten die Redner Einblicke in ihre Zukunftserwartungen. Wer sich nun um die Innenstadt sorgt, der sei beruhigt. Denn obwohl sich der virtuelle Marktplatz weiter etablieren und vergrößern wird, sehen die Beteiligten durch neue Konzepte, das Schaffen von Handelserlebnissen und modernen Gastronomieangeboten keine Gefahr, auch wenn das neue große Einkaufzentrum in der Hafencity spürbar sein wird. Allerdings sähe es für die Randgebiete nicht so entspannt aus, hier müsse viel getan werden. Mit dem passenden Rundumblick von der Innenstadt bis hin der Hafencity ließen wir gemeinsam mit unseren Gästen den Tag ausklingen - in der Hoffnung, dass die Verbindung beider Stadtteile zum Wohl aller Beteiligten gelingt.