DIE VERBORGENE WELT DER VIVIAN MAIER

SELTEN GEZEIGTE FOTOKUNST IM BANKHAUS DONNER & REUSCHEL

Sie war ein Kindermädchen – wie es viele gab im Chicago der 50er Jahre. Doch sie hatte eine für die Nanny der damaligen Zeit ungewöhnliche Leidenschaft: Jede freie Minute nutzte sie, um mit ihrer Kamera, einer zweiäugigen Rolleiflex, unterwegs zu sein; immer auf der Suche nach dem besonderen Moment. Und sie konnte ihn finden und festhalten, diesen besonderen Moment: die Morgenstimmung in der Stadt, in der man den Aufbruch spürt, die Vorfreude des wartenden Mädchens, die sich in zwei verschränkten Händen zeigt, die Resignation in den Augen des Taxifahrers, der einen kurzen Moment in sein Innerstes blicken lässt.

Berührend sind die Bilder der Ausstellung, die in der Vernissage „Vivian Maier“ am 27. Juni 2016 im Bankhaus DONNER & REUSCHEL zu sehen waren. Weil sie große Fotokunst sind. Aber auch, weil das Leben der Frau, die hinter der Kamera stand, so außergewöhnlich war – besonders vor unserem Erfahrungshorizont einer Welt, die immer öffentlicher wird.

KEINE ÖFFENTLICHE FRAU

Vivian Maier, geboren 1926 in New York, gestorben 2009 in Chicago, war eine der heraus­ragenden Fotokünstlerinnen des 20. Jahrhunderts – und niemand kannte sie. Niemand wusste von ihrer Leidenschaft zu fotografieren und niemand sah je ihre Aufnahmen, bis die Bilder bei einer Zwangs­versteigerung eher zufällig in einem Karton voller Negative zum Vorschein kamen. Mehr als 100.000 Foto- und Film­aufnahmen sowie unzählige noch unentwickelte Filme, die auch sie selbst noch nicht gesehen hatte, als sie starb – das ist das Vermächtnis der Vivian Maier.

„Das erste, wonach sie fragte, war ein Riegel für ihre Zimmertür“, sagt eine ehemalige Arbeit­geberin über Vivian Maier in dem Film, den einer ihrer Entdecker, John Maloof, 2013 drehte. Sie schirmte ihr privates Leben und ihre Passion konsequent ab und führte ein in sich gekehrtes und auf ihre Interessen ausgerichtetes Leben. Dabei fotografierte sie nicht nur städtische Szenen und Menschen in ihren Alltags­situationen, sondern schuf auch zeit­geschicht­liche Dokumente, wie Protest­szenen gegen den Vietnamkrieg, Bilder aus der Zeit der Watergate-Affäre oder von Reaktionen nach dem Sturz von Präsident Nixon.

Selbst die Menschen, mit denen sie unter einem Dach wohnte, ahnten nicht, welche unglaubliche Kreativität sie hatte. Da sie zeitlebens zu den Geringverdienern gehörte, mutet es umso erstaunlicher an, dass sie ihre Kunst nie vermarktete.

Freuen wir uns über die Genialität des Zufalls, der uns diese wundervollen Bilder beschert. In einer gemeinsamen Ausstellung mit dem Kunsthandelshaus The Global Fine Art sind die Bilder noch bis Mitte Juli im Bankhaus DONNER & REUSCHEL, Friedrichstraße 18, München-Schwabing, zu sehen.