DONNER & REUSCHEL » DAS BANKHAUS » AKTUELLES » MÜNCHNER FINANZPLANER-TAG

4. MÜNCHNER FINANZPLANER-TAG

Bereits zum vierten Mal lud das network financial planner, vertreten durch Dirk Breitsameter und Roman Rossel, zu aktuellen Themen und zum Erfahrungsaustausch ins Bankhaus DONNER & REUSCHEL ein. Vor dem Hintergrund gegenwärtiger Rahmenbedingungen – die politische Entwicklung in Europa und die Anforderungen durch die zunehmende Digitalisierung – gab es viele neue Impulse.

Christian Nuschele (Foto: Robin Sho Moser)

Vergütungs- und Geschäftsmodell – Erfahrungen eines britischen Unternehmens
Das Programm eröffnet Christian Nuschele, Director Standard Life Insurance, mit einem Vortrag über neue Chancen durch einen fundamentalen Wandel im britischen Heimatland. Der britische Markt habe eine grundlegende Regulierung der Rahmen­bedingungen für Finanzberatung durchlaufen. Erhöhte Transparenz­anforderungen an die Berater und strenge Regu­lierungs­­vorschriften seien zu bewältigen, so Nuschele. So wird u.a. auch die Vergütung der Beratung neu geregelt. Im Zuge dieser Entwicklung sei die Nachfrage nach Beratung gesunken, und viele Berater hätten sich vom Markt zurückgezogen. Positiver Aspekt der Regulierung: Die verbliebenen Anbieter haben ihr Geschäfts­modell angepasst und ihr Profil geschärft, dabei hat insbesondere die Finanzplanung an Bedeutung gewonnen (90 Prozent der IFA - Independent Financial Advisors sind Finanzplaner). Profitiert haben dabei hauptsächlich freie Finanz­berater und kleinere Privatbanken, da sich die Großbanken mit den Prozessen schwer tun.

Uwe Krebs, Mitglied des Vorstands DONNER & REUSCHEL (rechts), begrüßte den ehemaligen Finanzminister Theo Waigel.

Keynote Speech 2016: Die Europäische Union nach dem „Brexit“
Mit Spannung erwartet wurde der Auftritt unseres Finanzministers a.D., Dr. Theo Waigel, der einen weiten historischen Bogen schlägt und als bekennender Europa-Verfechter die Bedeutung eines gemeinsamen europäischen Auftritts betont. Auch zu seiner aktiven Zeit habe man sich großen politischen Bedrohungen und wirtschaftlichen Verwerfungen ausgesetzt gesehen, heute könne nur ein vereintes Europa Antworten auf internationale Heraus­forderungen geben. „Mit Defiziten unter 3 Prozent geht es uns vergleichsweise gut“, schlussfolgert Waigel und mahnt für die EU stringenteres Vorgehen, Stabilisierung der Verfahren und Vertragsverlässlichkeit an… keine neuen Forderungen, werden doch lange schon nationale Alleingänge, das Schwinden von echten Persönlichkeiten in der Politik und der Regulierungswahn der EU kritisiert. Leider gibt es auf europäischer Ebene kein „Problem erkannt, Problem gebannt“. Waigel erzählt lebensnah und sehr persönlich, zum Schluss appelliert er deutlich an die junge Generation, sich die Chance auf ein starkes Europa nicht nehmen zu lassen.
 
Faktor Investments – die Entschlüsselung der DNA von Risikoprämien
Sich strategisch neu auszurichten, dieses Stichwort greift Dr. Stephanie Lang, Investment Strategist bei iShares, in einem neuen Zusammenhang auf, denn auch bei Faktor Investing – einem wissenschaftlichen Investment-Ansatz – geht es darum, strategische Entscheidungen für Investments unter Einbindung einer langfristigen Risikoprämie zu fällen. Wodurch werden die Renditen bestimmt? Beim „richtigen“ Investieren ist es notwendig, sich nicht nur nach Etiketten auf den Anlageklassen zu richten, sondern die zugrundeliegenden Risiko- und Ertragsfaktoren zu beachten. Einige Faktoren eignen sich als langfristiger Baustein für das Portfolio, andere, wie zum Beispiel laufzeitspezifische Strategien bei Anleihen bedürfen eher einer aktiven Steuerung. Auch ein substanz- oder wachstumsorientiertes Portfolio ist unkompliziert darstellbar – ob als strategischer Baustein, der langfristig im Depot bleibt oder als gezieltes Investment zur Abbildung der aktuellen Markteinschätzung. Wichtig ist, dass die eingesetzten Faktoren und die damit verfolgten Ziele den Präferenzen und Erwartungen des Investors entsprechen. Dies sicherzustellen, ist Aufgabe von Finanzplanern und Portfoliomanagern.
 
Robo-Advice 2.0 – ein Blick in die Zukunft intelligenter Anlagesysteme
Einen interessanten Einblick in die zweite Generation des digitalen Asset Managements gab Johannes Schubert, Gründer der Minveo AG. Er stellt zwei Ansatzpunkte in den Fokus seiner Ausführungen: Zunächst erleichtert die IT mit der inzwischen erreichbaren Vernetzung von Informationen das Management von Wertpapierportfolien, eine Voraussetzung, um Depots effizient zu betreuen. Darüber hinaus werden wir zukünftig technisch in der Lage sein, einen Teil der Aufgaben eines Portfoliomanagers automatisiert und mit Hilfe künstlicher Intelligenz umzusetzen. So könnte es beispielsweise möglich sein, geplante Ausgaben oder Investitionen über das Kommunikationsverhalten automatisch zu erkennen und eine entsprechende Anpassung des Depots anzustoßen.

Geldwäsche – ein internationales „Gewerbe“
„Ich konnte mich des Themas nicht erwehren“, meint Dr. Ingo Malcher zu seinen erstaun­lichen Recherchen über die Verflechtungen der inter­nationalen Geldwäsche-„Industrie“. Sehr unterhaltsam führt er in den hoch­komplizierten Prozess des money laundering ein – „Better call Saul!“ – und berichtet von Vorgehens­weisen, Verbindungen und vielen falschen Identi­täten im komplexen Finanzbetrugssystem.
 
Nach einem Tag mit vielen Informationen und Anregungen freuten sich alle auf den traditionellen Besuch des Oktoberfestes. Dabei konnte manches Thema noch einmal unter Kollegen und bei Wiesenbrotzeit, stimmungsvoller Musik und einer „Maß“ besprochen werden.