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TALK AM ABEND MIT OLE VON BEUST

FREIHEIT ODER FÜRSORGE – WOHIN STEUERT DEUTSCHLAND?

Hamburgs ehemaliger Erster Bürgermeister, Ole von Beust, befasste sich in seinem Vortrag mit der Polarität von Freiheit und Fürsorge und untersuchte, in welche Richtung Deutschland strebt.

Was für einen Staat wollen wir: einen, der uns wohlmeinend bevormundet, Risiken minimiert und Sicherheit verspricht oder einen, der Eigeninitiative erleichtert und Risiken zulässt? Wo ist die Grenze zwischen kollektiver und eigener Verantwortung? Ole von Beust zeichnete einen Spannungsbogen von der Aufbruchstimmung der 68er bis in die krisengeplagte Gegenwart. Jeder Mensch sollte die Chance haben, sich frei zu entwickeln. Das gilt auch für die Gesellschaft. Allerdings erfordert Freiheit auch immer die persönliche Entscheidung, für oder gegen etwas zu sein. Was ist uns wichtiger? Für viele Menschen hat Sicherheit und Geborgenheit Vorrang, sie geben ihre Verantwortung an staatliche Fürsorge ab. So entwickelt sich zunehmend ein Wohl­fahrts­staat, der den Menschen scheinbar Last um Last abnimmt. Doch warum sollten Menschen vor normalen Lebens­risiken oder gar vor sich selbst geschützt werden? Unter diesem Vorwand zieht der Staat immer mehr an sich, betreibt mit jeder Steuer­erhöhung Freiheits­entzug, indem er die Umver­teilung ausweitet und als für­sorg­licher Wohl­täter wahrgenommen wird. Solange die Menschen ihrer vermeintlich sicheren Versorgungsperspektive (Renten!) vertrauen, ist auch die Regierung zufrieden.

Ole von Beust

Viele Menschen haben Angst vor Globa­lisierung – durchaus begründet: Vergleicht man Deutschland mit wirt­schaft­lich auf­stre­benden Nationen wie China oder der Türkei, so legen diese weitaus mehr Mut, Wiss­begier, Ehrgeiz und Biss an den Tag. Unsere Wett­bewerbs­fähig­keit, unser unter­nehme­rischer Wage­mut wird eher in Boden­nähe gehalten, unser Denken ist durch Sicher­heits­bedürf­nisse zementiert. Hier wäre eine „Renaissance des Freiheits­begriffs“ förderlich, denn ohne Freiheit, gewisse Wagnisse einzugehen, droht uns Erstarrung.

Und ja, eine freie Gesellschaft kann auch ungerecht sein. Freiheit ohne Chancen­gerech­tig­keit führt zum Recht des Stärkeren. Darum ist Chancen­gerech­tig­keit die notwendige Voraus­setzung dafür, dass gelebte Freiheit nicht zu ungerechten Ergebnissen führt. Jede Generation muss sich die Freiheit neu erarbeiten, sich anderen Bedingungen stellen. Freiheit bedeutet Verantwortung, aber es lassen sich kaum noch Menschen finden, die dazu bereit sind. Doch je mehr Schutz und Absicherung eine Gesellschaft verlangt, desto mehr Freiheitsgrade gibt sie auf. Zu viele Bürger sind der Ansicht, sie könnten ohnehin nichts ändern, daher bleiben sie lieber in der so empfundenen Komfortzone des Common Sense.

Sein Anliegen, Bewusstsein zu schaffen für Freiheit, vermittelte Ole von Beust so über­zeugend, dass seinem spannenden Vortrag eine lebhafte Diskussion mit den Gästen folgte. Kurz - es war ein echter „Talk“ mit intensivem Austausch und mit Menschen, die geprägt sind von ihrer Haltung.