Trotz in vielen Staaten zuletzt fallender Corona-Neufallzahlen, wurden bestehende Shutdown-Maßnahmen teilweise erneut verlängert. Hintergrund ist die Befürchtung, dass eine Verbreitung deutlich ansteckenderer Mutationen den aktuellen Erfolg schnell wieder zunichtemachen könnte.

Dadurch wird die Anzahl der Insolvenzen in den besonders betroffenen Dienstleistungsbereichen, beispielsweise des sozialen Konsums, in den kommenden Monaten weiter steigen. Laut einer Studie des ifo-Instituts verliert die deutsche Volkswirtschaft derzeit 1,5 Milliarden Euro an Wertschöpfung pro Woche. Damit sind die realwirtschaftlichen Auswirkungen des langen Winter-Shutdowns allerdings noch immer deutlich geringer als im Frühjahr. Entscheidender Unterschied ist das weitgehende Offenhalten der Industrie, die weiterhin von einer hohen Exportnachfrage, insbesondere aus China, profitiert.

Der unerwartet deutliche Sprung der Inflation in Deutschland im Januar ist teilweise auf technische Veränderungen zurückzuführen, etwa die Wiedererhöhung der Mehrwertsteuer und die Einführung der CO2-Abgabe in Deutschland. Zudem kann die Preisentwicklung für viele Komponenten des für die Inflationsmessung maßgeblichen Warenkorbs derzeit nur geschätzt werden, beispielsweise für Kleidung im stationären Verkauf.

Es ist allerdings schon heute absehbar, dass spätestens ab März erneut deutlich steigende Inflationsraten zu verzeichnen sein werden. Grund dafür sind die energieabhängigen Anteile der Komponenten „Wohnen“ und „Verkehr“, die zusammen gut 10 Prozent des Warenkorbs ausmachen und stark von den Entwicklungen der Rohölpreise und anderer fossiler Energierohstoffe abhängen.

Dieser Ölpreis-Basiseffekt entsteht, da bei der Ermittlung der Inflation die aktuellen Ölpreise mit den Durchschnittswerten des jeweiligen Vorjahresmonats verglichen werden. Durch die Corona-Krise bedingt sind die relevanten Vergleichswerte aus den Monaten März, April und Mai 2020 besonders niedrig (für die Nordseesorte Brent 31, 25 bzw. 30 EUR/Barrel) und liegen deutlich unter den derzeitigen Notierungen (50 EUR/Barrel).

In den USA ist der Zusammenhang bezogen auf den dort maßgeblichen Rohölpreis der Sorte WTI ähnlich, aber das Ausmaß der ölpreisbedingten Preissteigerungen sogar noch deutlicher. So lag der Durchschnittspreis der Sorte WTI im April 2020 bei nur 17 US-Dollar/Barrel verglichen mit aktuellen Notierungen von 57 US-Dollar pro Barrel.

Zusätzlich preistreibend wirken die aufgrund der weltweit hohen Dynamik der Industrieproduktion zunehmend knapper werdenden Kapazitäten bei Logistik-Dienstleistungen und vielen Vorleistungsgütern. Beispielsweise musste die Produktion bei VW und Mercedes in Deutschland sowie bei General Motors in den USA zuletzt reduziert werden, weil wichtige Chips derzeit nicht rechtzeitig geliefert werden können. In den Umfragen des Institute for Supply Management (ISM) zur Unternehmensstimmung in den USA wird dieser starke Preisanstieg auf Vorleistungsebene besonders deutlich. Zudem geben die Unternehmen schon heute an, die erhöhten Inputkosten zum großen Teil auf die Preise der Endprodukte umzulegen.

Dieser Effekt wird unter der Annahme, dass die Verbreitung des Corona-Virus in den kommenden Monaten global weiter eingedämmt werden kann und dann aufgestaute Konsumnachfrage wirksam wird, noch verstärkt für anziehende Verbraucherpreise sorgen.

Entsprechend sind auch die durch die Break-even-Inflationsraten von inflationsgeschützten Anleihen an den Börsen eingepreisten Inflationserwartungen in den USA zuletzt auf 2,2 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Anfang 2014 gestiegen.

Die Frage ist, ob diese Entwicklungen ein vorübergehendes Inflations-Strohfeuer darstellen, oder ob der jahrzehntelang anhaltende Trend sinkender Inflationsraten dadurch beendet wird. Aufgrund der derzeit nicht nur monetär, sondern gleichzeitig auch fiskalisch extrem expansiven Politik ist die Wahrscheinlichkeit eines strukturell inflationäreren Umfelds in den kommenden Jahren zumindest deutlich gestiegen. Allerdings wirken gewichtige Faktoren grundsätzlich deflationär, unter anderem Globalisierung, Digitalisierung und eine zunehmend dematerialisierte globale Wertschöpfung.

Die kurzfristig steigenden Inflationserwartungen haben bereits zu leicht anziehenden Renditen bei Staatsanleihen sowohl im US-Dollar- als auch im Euroraum gesorgt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass zu stark steigende Zinsen für Staatsanleihen von den Notenbanken verhindert werden, um die Refinanzierbarkeit der vielfach explodierten Staatsschulden nicht zu gefährden.

Kaum negative Auswirkung an den Börsen hatte hingegen die zwischenzeitliche Regierungskrise in Italien. Dem voraussichtlich neuen Ministerpräsidenten Mario Draghi wird ein großer Vertrauensvorschuss gewährt, erkennbar an der zuletzt sogar auf Rekord-Tiefststände von 0,42 Prozent p.a. gefallenen Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen.