11.05.2020

Börsen im April: Hoffnung auf Wiederbelebung der Wirtschaft

Das Kapitalmarktumfeld: Coronakrise

Auch im vergangenen Monat beherrschten die Corona-Pandemie und der historisch beispiellose globale Wirtschaftseinbruch die Schlagzeilen. Einzig in Ostasien gab es bisher erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Wiederbelebung.

So konnte die chinesische Industrieproduktion im März fast das Vorkrisenniveau wieder erreichen und lag im Vergleich zum Vorjahr nur noch mit 1,1 Prozent im Minus. Auch die Einkaufsmanagerindizes konnten sich nach dem heftigen Einbruch im Februar erneut über der Expansionsmarke von 50 Punkten stabilisieren. Trotzdem brach das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal um 9,8 Prozentpunkte ein.

In der Eurozone hingegen gab das BIP im ersten Quartal um 3,8 Prozent nach. Zudem sind viele Stimmungsindizes auf teilweise historische Tiefstniveaus eingebrochen. So fiel in Deutschland der ifo-Geschäftsklimaindex auf 74,3 Punkte und damit den tiefsten Stand seit 1991. Dabei waren alle Segmente inkl. des bis zuletzt relativ stabilen Bausektors von einer deutlichen Eintrübung der Geschäftsaussichten betroffen. Das GfK-Konsumklima gab auf -23,4 Punkte nach. Angesichts mittlerweile fast 10 Millionen Kurzarbeitsanträgen und bereits leicht anziehender Arbeitslosigkeit, haben viele Konsumenten ihre Einkommenserwartung und ihre Anschaffungsneigung deutlich revidiert. Bis Ende April wurden saisonbereinigt 373.000 neue Arbeitssuchende vermeldet, wodurch die Arbeitslosenquote auf 5,8 Prozent angestiegen ist.

Auch in den USA sind bereits deutliche Bremsspuren erkennbar. Das BIP lag am Ende des ersten Quartals 4,8 Prozent unter dem Niveau von Ende 2019. Besonders gravierend sind die Auswirkungen der Krise am US-Arbeitsmarkt erkennbar. Die Neuanträge auf Arbeitslosenunterstützung stiegen erneut deutlich an und belaufen sich mittlerweile auf 30 Millionen innerhalb von 6 Wochen.

Erneut wurden global massive geld- und fiskalpolitische Hilfspakete geschnürt. Die Staaten der Eurozone einigten sich auf ein erstes Unterstützungspaket im Umfang von bis zu 540 Milliarden Euro und beraten weiter über einen Aufbaufonds. Die Europäische Zentralbank EZB sicherte den Banken der Eurozone zusätzliche Refinanzierungen zu günstigsten Konditionen zu. Die US-Notenbank Fed kann Staatsanleihen mittlerweile unlimitiert kaufen und erwirbt sogar Unternehmensanleihen ohne Investment-Grade-Rating, sofern die Herabstufung im Zuge der Coronakrise erfolgte.

Zinsen: in Deutschland tiefer, in Italien steigend

Die Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe fiel um etwa 10 Basispunkte auf -0,58 Prozent p.a. Im Zuge der langwierigen Verhandlungen um ein Unterstützungspaket der Eurozone und den damit verbundenen Diskussionen um die Einführung sogenannter Coronabonds mit gemeinschaftlicher Haftung aller Eurostaaten stiegen hingegen die Renditen italienischer Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten leicht an. Risikoprämien im Segment der Unternehmensanleihen gaben nach.

Aktien: weitere Stabilisierung

Der deutsche Leitindex DAX konnte im April die Marke von 10.000 Punkten überhandeln und stieg kurzzeitig sogar über 11.000 Punkt an. Auch der US-Aktienindex S&P 500 legte deutlich um über 10 Prozent auf 2.830 Punkte zu. An der Technologiebörse NASDAQ waren sogar über 15 Prozent Kursplus zu verzeichnen. Neben den geld- und fiskalpolitischen Unterstützungspaketen sorgte die Aussicht auf weitere Lockerungen der shutdown-Maßnahmen für Zuversicht unter Anlegern.

Währungen: kaum verändert

Der Euro notierte im Vergleich zum US-Dollar Ende April kaum verändert bei knapp 1,10 EUR/USD. Weiter gefragt war der Schweizer Franken, der erneut leicht auf 1,056 EUR/CHF zulegte.

Rohstoffe: Rohöl kollabiert, Gold gefragt

Während der Goldpreis auf über 1.700 US-Dollar anstieg, gaben die Rohölpreisnotierungen im Zuge des globalen Nachfrageeinbruchs und angesichts voller Lagerkapazitäten um bis zu einem Drittel nach. Ende April kam es im Futureshandel für die US-Ölsorte WTI sogar zu deutlich negativen Preisen, da sich einige Anleger um jeden Preis von bestehenden Kontrakten trennen mussten, um eine physische Lieferung zu vermeiden. Die Nordsee-Sorte Brent notierte zwischenzeitlich auf 20-Jahrestiefstständen von unter 17 US-Dollar, konnte sich aber Ende April wieder auf gut 26 US-Dollar erholen.

Implikationen für Kapitalanleger

Es ist nicht davon auszugehen, dass die Kurserholung an den Aktienmärkten analog der letzten Wochen weiter verläuft. Zuletzt hatten die teils extrem negativen realwirtschaftlichen Daten kaum eine Auswirkung auf die Kurse. Offensichtlich vertrauten bisher Viele auf die enormen Rettungspakete der Geld- und Fiskalpolitik. Mit einer zunehmenden Lockerung der shutdowns ist jedoch auch mit Rückschlägen im weiteren Verlauf der Pandemie – der unberechenbaren Hauptkomponente der aktuellen Krise – zu rechnen, wodurch Kurskorrekturen ausgelöst werden könnten. Allerdings dürften analog zu den Jahren vor der Krise kleinere Rücksetzer für Käufe von nicht ausreichend investierten Anlegern genutzt werden.

Carsten Mumm

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Carsten Mumm, Leiter Kapitalmarktanalyse und Chefvolkswirt bei DONNER & REUSCHEL, fasst regelmäßig die Markt- und Meinungslage für Sie zusammen.

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