28.01.2022

MUMM BRIEFING ZUM WOCHENAUSKLANG

Zwar steigen die Corona-Neufallzahlen weltweit wieder deutlich an, doch haben sie vergleichsweise geringere Auswirkungen auf die betroffenen Volkswirtschaften. Einerseits werden Restriktionen immer gezielter und nicht mehr flächendeckend implementiert. Zudem nehmen die Inzidenzen nach Überschreiten der Spitzenwerte rasant ab, wie die Entwicklungen in Südafrika und Großbritannien zeigen.

Da auch in den USA die Spitze der Infektionsdynamik bereits überschritten ist, dürfte der Einbruch der Unternehmensstimmung im Dienstleistungsbereich[1] nur ein negativer Ausreißer gewesen sein. Grundsätzlich ist weiter von einer dynamischen Erholung der Weltwirtschaft ab dem 2. Quartal auszugehen. Darauf deutet auch der ifo-Geschäftsklimaindex in Deutschland hin. Erste Besserungstendenzen zeigen sich vor allem im Bereich der angespannten Lieferketten.

Das größte Risiko könnte kurzfristig aus der erneuten Schließung von Containerterminals in China im Zuge der Durchsetzung der dortigen „No-Covid-Strategie“ resultieren. Da man gerade im Februar angesichts der anstehenden Olympischen Winterspiele und der erhöhten Reisetätigkeit rund um das Neujahrsfest kleinere Infektionsherde im Keim ersticken wird. In diesem Fall könnte sich die Erholung der globalen Lieferketten um einige Wochen verzögern. Positiv wirken zunehmende stabilisierende Maßnahmen der chinesischen Regierung und der Notenbank. So wurden Refinanzierungszinsen für chinesische Banken gesenkt. Der Kreditimpuls signalisiert daher bereits eine beschleunigte Kreditvergabe.

Das aktuelle Update des World Economic Outlook des IWF verdeutlichte, dass nach wie vor viele Schwellenländer weit von den Vorkrisen-Wachstumpfaden entfernt sind – anders als die meisten entwickelten Volkswirtschaften. Sollte sich die globale wirtschaftliche Entwicklung wie erwartet im Laufe des Jahres stabilisieren, dürfte daher gerade in Schwellenländern eine stärkere wirtschaftliche Dynamik und eine schnellere wirtschaftliche Erholung stattfinden.

In den USA hat im Zuge der Coronakrise eine Verschiebung von Nachfragekomponenten des privaten Konsums stattgefunden. Während die Nachfrage nach Gütern deutlich gestiegen ist, hat die Nachfrage nach Dienstleistungen abgenommen. Gleichzeitig steigen bei Dienstleistern die Kündigungen von Arbeitnehmern mit der Folge, dass schon heute erheblich höhere Löhne gezahlt werden müssen. Sollte sich die Nachfrage wieder an Vorkrisenverhältnisse angleichen, also insbesondere bei Dienstleistern wieder zunehmen, dürfte dieser Lohndruck noch einmal erheblich zunehmen, was die inflationären Tendenzen in den USA weiter verstärken würde.

Die US-Notenbank Fed steht ohnehin schon unter steigendem Druck – auch von politischer Seite – der Inflationsdynamik Einhalt zu gebieten. Entsprechend ist bereits im März mit einer ersten Leitzinserhöhung zu rechnen. Insgesamt werden mittlerweile 5 Leitzinserhöhungen erwartet.

Die Gefahr eines Abwürgens der wirtschaftlichen Dynamik ist aufgrund anhaltend niedriger Realzinsniveaus jedoch weiterhin moderat. Auch in der Eurozone dürfte der gesellschaftliche und politische Druck auf die Notenbank angesichts anhaltend hoher Inflationsraten weiter steigen. Voraussichtlich wird die EZB daher im Laufe der kommenden Monate ihre eigenen Inflationsprojektionen anheben. Eine erste Leitzinserhöhung gegen Ende 2022 wird damit wahrscheinlicher. Da sich die meisten Staaten der Eurozone in den letzten Jahren sehr günstig und langfristig refinanzieren konnten, würde der Schuldendienst im Verhältnis zum BIP auch für die Staaten der Eurozonen-Peripherie durch sukzessive steigende Zinsen nur langsam ansteigen und dürfte die Staatsfinanzen vorerst nicht überfordern.

[1] Januar 2022

Carsten Mumm

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Carsten Mumm, Leiter Kapitalmarktanalyse und Chefvolkswirt bei DONNER & REUSCHEL, fasst regelmäßig die Markt- und Meinungslage für Sie zusammen.

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