China bleibt vorerst die Wachstumslokomotive der Welt. Der Internationale Währungsfonds rechnet in diesem Jahr mit einem im historischen Vergleich überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum in Höhe von 8,1 Prozent. Im nächsten Jahr dürfte sich das Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft dann mit erwarteten 5,6 Prozent langsam wieder den Vorkrisenraten annähern. Kurzfristig profitiert China davon, dass seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im ersten Quartal 2020 keine weiteren größeren Infektionswellen entstanden und damit keine erneuten großflächigen Shutdowns notwendig waren.

Aber auch langfristig klar definierte, politisch mit allen Mitteln unterstützte und konsequent umgesetzte wirtschaftliche Zielsetzungen helfen, die Wirtschaft weiter in rasantem Tempo zu modernisieren und auf künftige Herausforderungen auszurichten. Beispiele sind der seit Jahren bestehende Plan „Made in China 2025“ mit der China in wesentlichen zukunftsrelevanten Technologien die weltweit führende Rolle einnehmen wird, die neue Seidenstraße, der Abschluss des Freihandelsabkommens RCEP oder jüngst die Formulierung der „Strategie der zwei Zirkel“, also der Fokussierung auf eine stärkere Unabhängigkeit von ausländischen Importen und auf den Außenhandel in der engeren Region Asiens.

In Deutschland und Europa hingegen leiden vor allem einige Dienstleistungssektoren unter den weiterhin bestehenden Shutdown-Maßnahmen. Zwar gingen in vielen europäischen Staaten die neu gemeldeten Corona-Fallzahlen zuletzt zurück, jedoch steigt der Anteil verschiedener besonders ansteckender Mutationen des Virus, weshalb Lockerungen der Shutdowns vielerorts fraglich sind oder aber gegebenenfalls wieder revidiert werden müssen. Für einzelne betroffene Unternehmen und Menschen sind die Auswirkungen mit anhaltender Dauer der Maßnahmen immer gravierender. Mit Sicherheit werden die Insolvenzen in diesen Bereichen in den kommenden Monaten deutlich zunehmen. Diese Aussicht und die resultierende Angst vor Einkommens- oder gar Jobverlusten verunsichert weiterhin viele Menschen, die ihre Konsumausgaben auf das Nötigste beschränken. Entsprechend konnte der GfK-Konsumklimaindex sich von seinem Einbruch im Januar auch nur leicht erholen.

Gesamtwirtschaftlich halten sich die Auswirkungen zumindest in Deutschland bisher in Grenzen, erkennbar an dem gerade auf 0,3 Prozent nach oben revidierten Wirtschaftswachstum im 4. Quartal. Das ifo-Institut schätzt den Ausfall an Wertschöpfung derzeit auf 1,5 Mrd. Euro wöchentlich, was etwa 2,5 Prozent der gesamten Wertschöpfung pro Woche entspricht. Aufrecht gehalten wird die Dynamik global und besonders in Deutschland vor allem von der Industrie. Der letzte ifo-Geschäftsklimaindex verdeutlichte, dass die Stimmung bei den Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes auf den höchsten Stand seit Ende 2018 angestiegen ist. Angetrieben wird die Industrieproduktion besonders von der hohen Exportnachfrage, u.a. aus China.

In den USA hat sich gemäß ISM-Einkaufsmanagerindizes zuletzt sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor die Stimmung der Unternehmen weiter auf hohen Niveaus gehalten. Dabei profitiert der in den USA für die gesamte Wirtschaftsleistung besonders wichtige private Konsum von den noch bestehenden fiskalischen Stützungsmaßnahmen, die allerdings teilweise im März auslaufen. Umso wichtiger wäre für die US-Volkswirtschaft eine zeitnahe Verabschiedung des von Präsident Joe Biden geplanten neuen Konjunkturpaketes mit einem Volumen von bis zu 1,9 Bio. US-Dollar, das u.a. direkte Zahlungen in Höhe von 1.400 US-Dollar an viele US-Bürger, die Unterstützung von Impfkampagnen und Testkapazitäten sowie Zahlungen an Städte und Bundesstaaten vorsieht. Die dafür notwendigen Abstimmungen finden heute im Repräsentantenhaus und in der kommenden Woche im Senat statt. Es ist davon auszugehen, dass zumindest große Teile des Paketes verabschiedet werden können. Die Notwendigkeit wurde auch vom Chef der US-Notenbank Fed Jerome Powell in dieser Woche erneut unterstrichen. Er verwies auf die nach wie vor bestehende Unterauslastung des US-Arbeitsmarktes, weshalb auch die Geldpolitik auf absehbare Zeit weiter expansiv ausgerichtet werden solle. Zwar fiel die Anzahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in dieser Woche relativ deutlich auf 730.000, doch verglichen mit dem Vorkrisenniveau fehlen noch immer etwa 10 Millionen Beschäftigungsverhältnisse.

Trotz in vielen Staaten zuletzt fallender Corona-Neufallzahlen, wurden bestehende Shutdown-Maßnahmen teilweise erneut verlängert. Hintergrund ist die Befürchtung, dass eine Verbreitung deutlich ansteckenderer Mutationen den aktuellen Erfolg schnell wieder zunichtemachen könnte.

Dadurch wird die Anzahl der Insolvenzen in den besonders betroffenen Dienstleistungsbereichen, beispielsweise des sozialen Konsums, in den kommenden Monaten weiter steigen. Laut einer Studie des ifo-Instituts verliert die deutsche Volkswirtschaft derzeit 1,5 Milliarden Euro an Wertschöpfung pro Woche. Damit sind die realwirtschaftlichen Auswirkungen des langen Winter-Shutdowns allerdings noch immer deutlich geringer als im Frühjahr. Entscheidender Unterschied ist das weitgehende Offenhalten der Industrie, die weiterhin von einer hohen Exportnachfrage, insbesondere aus China, profitiert.

Der unerwartet deutliche Sprung der Inflation in Deutschland im Januar ist teilweise auf technische Veränderungen zurückzuführen, etwa die Wiedererhöhung der Mehrwertsteuer und die Einführung der CO2-Abgabe in Deutschland. Zudem kann die Preisentwicklung für viele Komponenten des für die Inflationsmessung maßgeblichen Warenkorbs derzeit nur geschätzt werden, beispielsweise für Kleidung im stationären Verkauf.

Es ist allerdings schon heute absehbar, dass spätestens ab März erneut deutlich steigende Inflationsraten zu verzeichnen sein werden. Grund dafür sind die energieabhängigen Anteile der Komponenten „Wohnen“ und „Verkehr“, die zusammen gut 10 Prozent des Warenkorbs ausmachen und stark von den Entwicklungen der Rohölpreise und anderer fossiler Energierohstoffe abhängen.

Dieser Ölpreis-Basiseffekt entsteht, da bei der Ermittlung der Inflation die aktuellen Ölpreise mit den Durchschnittswerten des jeweiligen Vorjahresmonats verglichen werden. Durch die Corona-Krise bedingt sind die relevanten Vergleichswerte aus den Monaten März, April und Mai 2020 besonders niedrig (für die Nordseesorte Brent 31, 25 bzw. 30 EUR/Barrel) und liegen deutlich unter den derzeitigen Notierungen (50 EUR/Barrel).

In den USA ist der Zusammenhang bezogen auf den dort maßgeblichen Rohölpreis der Sorte WTI ähnlich, aber das Ausmaß der ölpreisbedingten Preissteigerungen sogar noch deutlicher. So lag der Durchschnittspreis der Sorte WTI im April 2020 bei nur 17 US-Dollar/Barrel verglichen mit aktuellen Notierungen von 57 US-Dollar pro Barrel.

Zusätzlich preistreibend wirken die aufgrund der weltweit hohen Dynamik der Industrieproduktion zunehmend knapper werdenden Kapazitäten bei Logistik-Dienstleistungen und vielen Vorleistungsgütern. Beispielsweise musste die Produktion bei VW und Mercedes in Deutschland sowie bei General Motors in den USA zuletzt reduziert werden, weil wichtige Chips derzeit nicht rechtzeitig geliefert werden können. In den Umfragen des Institute for Supply Management (ISM) zur Unternehmensstimmung in den USA wird dieser starke Preisanstieg auf Vorleistungsebene besonders deutlich. Zudem geben die Unternehmen schon heute an, die erhöhten Inputkosten zum großen Teil auf die Preise der Endprodukte umzulegen.

Dieser Effekt wird unter der Annahme, dass die Verbreitung des Corona-Virus in den kommenden Monaten global weiter eingedämmt werden kann und dann aufgestaute Konsumnachfrage wirksam wird, noch verstärkt für anziehende Verbraucherpreise sorgen.

Entsprechend sind auch die durch die Break-even-Inflationsraten von inflationsgeschützten Anleihen an den Börsen eingepreisten Inflationserwartungen in den USA zuletzt auf 2,2 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Anfang 2014 gestiegen.

Die Frage ist, ob diese Entwicklungen ein vorübergehendes Inflations-Strohfeuer darstellen, oder ob der jahrzehntelang anhaltende Trend sinkender Inflationsraten dadurch beendet wird. Aufgrund der derzeit nicht nur monetär, sondern gleichzeitig auch fiskalisch extrem expansiven Politik ist die Wahrscheinlichkeit eines strukturell inflationäreren Umfelds in den kommenden Jahren zumindest deutlich gestiegen. Allerdings wirken gewichtige Faktoren grundsätzlich deflationär, unter anderem Globalisierung, Digitalisierung und eine zunehmend dematerialisierte globale Wertschöpfung.

Die kurzfristig steigenden Inflationserwartungen haben bereits zu leicht anziehenden Renditen bei Staatsanleihen sowohl im US-Dollar- als auch im Euroraum gesorgt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass zu stark steigende Zinsen für Staatsanleihen von den Notenbanken verhindert werden, um die Refinanzierbarkeit der vielfach explodierten Staatsschulden nicht zu gefährden.

Kaum negative Auswirkung an den Börsen hatte hingegen die zwischenzeitliche Regierungskrise in Italien. Dem voraussichtlich neuen Ministerpräsidenten Mario Draghi wird ein großer Vertrauensvorschuss gewährt, erkennbar an der zuletzt sogar auf Rekord-Tiefststände von 0,42 Prozent p.a. gefallenen Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen.

Am Anfang des Monats richtete sich die Aufmerksamkeit der Welt in Richtung USA.