• Ein Mann im Anzug steht vor einem Hintergrund mit Wochentagen, wobei "Fr" hervorgehoben ist.

Wochenrückblick am Kapitalmarkt

Mumm Briefing zum Wochenausklang – Ende August 2023

25. August 2023 – Carsten Mumm

Wochenrückblick am Kapitalmarkt Ende August 2023

Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sowie die Attraktivität des Standorts für Kapital und Fachkräfte aus dem Ausland hat zuletzt deutlich abgenommen. Dazu passt das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des ifo-Instituts unter deutschen Maschinenbauern. Die Wettbewerbsposition im internationalen Vergleich fiel zuletzt auf den niedrigsten Wert seit Mitte 1994. Relevante Aspekte sind eine zunehmende Konkurrenz auf wichtigen Absatzmärkten, vor allem aus China, sowie der Mangel an Fachkräften und wichtigen Vorprodukten. Gestiegene Energie- und Rohstoffkosten können zudem nur noch selten auf den Verkaufspreis aufgeschlagen werden, der Margendruck dürfte also zunehmen.

Die Erhebung ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich Deutschland nicht nur in einem zyklischen Abschwung, sondern auch in einem fundamentalen Strukturwandel befindet, der Unternehmen, Politik und Gesellschaft eine hohe Veränderungsbereitschaft abfordert. Eine weitgehende Deindustrialisierung ist in diesem Kontext keine wahrscheinliche Entwicklung. Vielmehr werden sich Exportgüter klassischer Industrien – wie Maschinen, Anlagen- und Fahrzeugbau – wandeln müssen. Dabei werden die Segmente Umwelt- und Klimatechnologien wichtiger werden. Zudem nehmen Dienstleistungen wie Wartung und Beratung einen höheren Stellenwert ein.

Der zyklische Abschwung trifft derzeit global vor allem die Industrie, unter anderem, weil Chinas Wachstum zuletzt enttäuschte. Anders als in den Vorjahren reagiert die chinesische Regierung bisher nicht mit massiven fiskalischen Stimuli für die gesamte Wirtschaft. Dagegen spricht allein schon die hohe Verschuldung, insbesondere auf Ebene der Regionalregierungen. Zudem will man in Peking volkswirtschaftliche Fehlallokation als Ergebnis einer undifferenzierten Liquiditätsflut vermeiden, die maßgeblich zur aktuellen Situation am Immobilienmarkt beigetragen haben. Vielmehr werden neben geldpolitischen Lockerungen gezielt Verbesserungen für die Angebotsseite umgesetzt, bspw. um die Versorgung der Bevölkerung mit bestimmten Gütern und Dienstleistungen oder die Finanzierungsbedingungen für kleinere Unternehmen zu verbessern und um den privaten Konsum anzuregen. Damit dürfte zwar ein weniger starker, dafür aber ein nachhaltigerer und qualitativ wertvollerer Impuls für die chinesische Wirtschaft gesetzt werden. Sollte sich allerdings herausstellen, dass die Zielwachstumsrate von fünf Prozent in diesem Jahr aus dem Blick gerät, ist kurzfristig trotzdem mit zusätzlichen fiskalischen Maßnahmen zur Stützung der Nachfrageseite zu rechnen.

Die jüngsten Veröffentlichungen der S&P Global Einkaufsmanagerindizes zeigen weiter eine anhaltende Schwäche des Verarbeitenden Gewerbes an, vor allem weil die Auftragseingänge deutlich gesunken sind. Zuletzt gaben jedoch auch die Geschäftserwartungen der bisher noch dynamischen Dienstleistungssektoren nach, weil Neuaufträge fehlen und gleichzeitig die Kosten – vor allem Löhne – anhaltend auf hohem Niveau bleiben. Für Deutschland ist damit ein negatives Wachstum im laufenden dritten Quartal und eine ebenfalls schwache gesamtwirtschaftliche Dynamik im vierten Quartal wahrscheinlich. Vor diesem Hintergrund deutet sich jedoch auch eine beginnende Nachfrageschwäche am noch nahezu voll ausgelasteten Arbeitsmarkt an, vor allem in den USA. Resultierende Belastungen des Konsums dürften auch die US-Wirtschaft in den kommenden Quartalen in eine Rezession abgleiten lassen.

In Jackson Hole, USA, treffen sich derzeit Vertreter der wichtigsten Notenbanken weltweit, um über die Auswirkungen struktureller Veränderungen der Weltwirtschaft auf die Geldpolitik zu beraten. Zwar wird vor allem die Abschlussrede des US-Notenbankchefs Jerome Powell von vielen Marktteilnehmern mit Spannung erwartet. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass fundamentale Veränderungen der geldpolitischen Strategie bekannt gegeben werden. Die Notenbanken dürften untermauern, dass der Kampf gegen die Inflation noch nicht beendet ist, die Zinsen noch länger auf erhöhtem Niveau gehalten werden müssen und die weitere geldpolitische Strategie abhängig von jeweils aktuellen Inflations- und Wachstumsdaten bleibt.

Der Wechselkurs des Euro hat im Vergleich zum US-Dollar zuletzt nachgegeben, unter anderem, weil die Zinsen für Staatsanleihen bei längeren Laufzeiten in den USA stärker gestiegen sind als in der Eurozone. Da die Konjunkturdynamik sich in den USA voraussichtlich weniger stark abschwächen dürfte als in Europa, gehen wir bis zum Jahresende von einer Seitwärtsbewegung zwischen 1,07 und 1,10 EUR/USD aus. Anders als bei stark leitzinsabhängigen Geldmarktzinsen gehen wir vor dem Hintergrund weiter sinkender Inflationsraten und schwacher Konjunkturperspektiven kurzfristig von sinkenden Renditen bei zehnjährigen Bundesanleihen und US-Treasuries aus.

Archive

Themenfelder

Weitere Beiträge:

Eine Person mit Hut geht durch ein Feld und trägt eine amerikanische Flagge über der Schulter.

US-Midterms und Kapitalmärkte

,
Die US-Midterms 2026 könnten Trumps innenpolitischen Spielraum begrenzen. Für die Kapitalmärkte bleiben jedoch Zinsen, Inflation, Energiepreise und Investitionen in Künstliche Intelligenz noch wichtiger. Lesen Sie mehr im Kommentar von Chefvolkswirt Carsten Mumm.
Luftaufnahme eines Frachtschiffs im Hafen, beladen mit bunten Containern. Zwei Schlepperboote manövrieren das Schiff.

Monatsrückblick Oktober 2026: Positive Konjunktursignale und nachlassender Preisdruck

, ,
Positive Konjunktursignale, nachlassender Preisdruck und Bewegung an den Kapitalmärkten: Wir werfen einen Blick auf die wichtigsten Entwicklungen im Oktober.
Drei EU-Flaggen wehen vor dem Gebäude der Europäischen Kommission.

Mumm kompakt – Lagarde-Rücktritt überschattet EZB-Zinsentscheid: Geldpolitik rückt in den Hintergrund

, ,
Die EZB hält die Leitzinsen stabil, doch der Inflationsdruck bleibt. Gleichzeitig sorgen schwächere Wachstumsaussichten und Christine Lagardes angekündigter Rücktritt für neue Unsicherheit. Welche geldpolitischen Signale jetzt entscheidend sind und was Anleger mit Blick auf Dezember erwarten können.
Luftaufnahme eines Industriegebiets mit mehreren Fabrikgebäuden, Straßen und Grünflächen.

Wie das Geschäftsmodell Deutschland überarbeitet werden kann

, ,
Deutschlands Wirtschaftsmodell steht unter Druck. Lesen Sie im Beitrag von Volkswirt Robin Cunningham, warum Innovation, Bildung, moderne Infrastruktur und bessere Rahmenbedingungen entscheidend für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand sind.

Staatsanleihen und Renditen

,
Die Zinsen sind in den vergangenen Monaten weltweit deutlich gestiegen. Auslöser waren vor allem höhere Energiepreise, steigende Inflationsraten und veränderte Erwartungen an die Geldpolitik der Notenbanken. Wie weit kann die Zinsentwicklung noch gehen und welche Folgen ergeben sich für Anleger, Kreditnehmer und die Kapitalmärkte?
Covergrafik eines Podcasts mit dem Titel „PODCAST MARKT KOMPAKT“ in großen weißen Buchstaben, darunter der Untertitel „Märkte mit Mumm“ in kleinerer Schrift. Rechts ist ein Porträt eines lächelnden Mannes mit Brille, Hemd und dunklem Sakko vor einem türkisen Hintergrund, der eine stilisierte Sendemast-Grafik zeigt.

Markt Kompakt #121: Mangelnde Resilienz, hoher Reformbedarf: Wo steht das GKV-System?

, , ,
Nach der Reform ist vor der Reform: Die gesetzlichen Krankenkassen stehen unter Druck. Im Markt kompakt Podcast beleuchten Carsten Mumm und Hayri Ulucan die Ursachen, diskutieren die Empfehlungen der Expertenkommission und zeigen auf, welche Herausforderungen und Chancen vor dem Gesundheitssystem liegen.
Glaskugel mit Weltkarte, umgeben von verschiedenen Währungen und Münzen.

Wirtschaftsausblick 2026 – Inflation, Zinsen, Kapitalmärkte

,
Trotz geopolitischer Spannungen wächst die Weltwirtschaft weiter. Inflation, Zinspolitik sowie die Entwicklung an den Anleihemärkten prägen den Ausblick für Anleger und die Wirtschaft 2026. Ein Kommentar von Chefvolkswirt Carsten Mumm.
Skyline von Frankfurt am Main mit Wolkenkratzern und dem Main im Vordergrund bei Sonnenuntergang.

Monatsrückblick September 2026: Deutschlands Wachstumssignale

, ,
Die deutsche Wirtschaft sendet im September positive Signale. Gleichzeitig treiben höhere Energiepreise die Inflation. Der Monatsrückblick von Carsten Mumm zeigt auf, welche Entwicklungen Wirtschaft, Zinsen, Aktien, Währungen und Rohstoffe geprägt haben.

Mumm kompakt – Warum Kevin Warsh als US-Präsident gute Chancen hätte

, ,
Der jüngste Zinsentscheid der Fed zeigt die Bedeutung geldpolitischer Unabhängigkeit. Kevin Warsh positioniert sich dabei als glaubwürdiger Krisenmanager, der Inflation bekämpft und die Sorgen vieler Amerikaner in den Mittelpunkt stellt. Ein Kommentar von DONNER & REUSCHEL Chefvolkswirt Carsten Mumm.
Eine Person mit Hut geht durch ein Feld und trägt eine amerikanische Flagge über der Schulter.

US-Midterms und Kapitalmärkte

,
Die US-Midterms 2026 könnten Trumps innenpolitischen Spielraum begrenzen. Für die Kapitalmärkte bleiben jedoch Zinsen, Inflation, Energiepreise und Investitionen in Künstliche Intelligenz noch wichtiger. Lesen Sie mehr im Kommentar von Chefvolkswirt Carsten Mumm.
Luftaufnahme eines Frachtschiffs im Hafen, beladen mit bunten Containern. Zwei Schlepperboote manövrieren das Schiff.

Monatsrückblick Oktober 2026: Positive Konjunktursignale und nachlassender Preisdruck

, ,
Positive Konjunktursignale, nachlassender Preisdruck und Bewegung an den Kapitalmärkten: Wir werfen einen Blick auf die wichtigsten Entwicklungen im Oktober.
Drei EU-Flaggen wehen vor dem Gebäude der Europäischen Kommission.

Mumm kompakt – Lagarde-Rücktritt überschattet EZB-Zinsentscheid: Geldpolitik rückt in den Hintergrund

, ,
Die EZB hält die Leitzinsen stabil, doch der Inflationsdruck bleibt. Gleichzeitig sorgen schwächere Wachstumsaussichten und Christine Lagardes angekündigter Rücktritt für neue Unsicherheit. Welche geldpolitischen Signale jetzt entscheidend sind und was Anleger mit Blick auf Dezember erwarten können.
Luftaufnahme eines Industriegebiets mit mehreren Fabrikgebäuden, Straßen und Grünflächen.

Wie das Geschäftsmodell Deutschland überarbeitet werden kann

, ,
Deutschlands Wirtschaftsmodell steht unter Druck. Lesen Sie im Beitrag von Volkswirt Robin Cunningham, warum Innovation, Bildung, moderne Infrastruktur und bessere Rahmenbedingungen entscheidend für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand sind.

Staatsanleihen und Renditen

,
Die Zinsen sind in den vergangenen Monaten weltweit deutlich gestiegen. Auslöser waren vor allem höhere Energiepreise, steigende Inflationsraten und veränderte Erwartungen an die Geldpolitik der Notenbanken. Wie weit kann die Zinsentwicklung noch gehen und welche Folgen ergeben sich für Anleger, Kreditnehmer und die Kapitalmärkte?
Covergrafik eines Podcasts mit dem Titel „PODCAST MARKT KOMPAKT“ in großen weißen Buchstaben, darunter der Untertitel „Märkte mit Mumm“ in kleinerer Schrift. Rechts ist ein Porträt eines lächelnden Mannes mit Brille, Hemd und dunklem Sakko vor einem türkisen Hintergrund, der eine stilisierte Sendemast-Grafik zeigt.

Markt Kompakt #121: Mangelnde Resilienz, hoher Reformbedarf: Wo steht das GKV-System?

, , ,
Nach der Reform ist vor der Reform: Die gesetzlichen Krankenkassen stehen unter Druck. Im Markt kompakt Podcast beleuchten Carsten Mumm und Hayri Ulucan die Ursachen, diskutieren die Empfehlungen der Expertenkommission und zeigen auf, welche Herausforderungen und Chancen vor dem Gesundheitssystem liegen.
Glaskugel mit Weltkarte, umgeben von verschiedenen Währungen und Münzen.

Wirtschaftsausblick 2026 – Inflation, Zinsen, Kapitalmärkte

,
Trotz geopolitischer Spannungen wächst die Weltwirtschaft weiter. Inflation, Zinspolitik sowie die Entwicklung an den Anleihemärkten prägen den Ausblick für Anleger und die Wirtschaft 2026. Ein Kommentar von Chefvolkswirt Carsten Mumm.
Skyline von Frankfurt am Main mit Wolkenkratzern und dem Main im Vordergrund bei Sonnenuntergang.

Monatsrückblick September 2026: Deutschlands Wachstumssignale

, ,
Die deutsche Wirtschaft sendet im September positive Signale. Gleichzeitig treiben höhere Energiepreise die Inflation. Der Monatsrückblick von Carsten Mumm zeigt auf, welche Entwicklungen Wirtschaft, Zinsen, Aktien, Währungen und Rohstoffe geprägt haben.

Mumm kompakt – Warum Kevin Warsh als US-Präsident gute Chancen hätte

, ,
Der jüngste Zinsentscheid der Fed zeigt die Bedeutung geldpolitischer Unabhängigkeit. Kevin Warsh positioniert sich dabei als glaubwürdiger Krisenmanager, der Inflation bekämpft und die Sorgen vieler Amerikaner in den Mittelpunkt stellt. Ein Kommentar von DONNER & REUSCHEL Chefvolkswirt Carsten Mumm.
zum Beitragsarchiv