Weltwirtschaft trotz geopolitischer Risiken auf Wachstumskurs
Die Weltwirtschaft zeigt sich trotz der geopolitischen Verwerfungen der vergangenen Monate bislang widerstandsfähiger als erwartet. Zwar belasten die anhaltenden Spannungen in der Straße von Hormus weiterhin die Energieversorgung und sorgen für erhöhte Preisschwankungen an den Rohstoffmärkten, allerdings bleibt die globale Expansion intakt und die zeitweise befürchtete Gefahr einer globalen Rezession konnte vermieden werden.
Gleichwohl bleibt die Unsicherheit hoch. Neben geopolitischen Risiken wirken zunehmender Protektionismus, eine fragmentierte Weltwirtschaft sowie steigende Verteidigungs- und Infrastrukturinvestitionen auf die wirtschaftliche Entwicklung ein. Die Erwartungen für das Weltwirtschaftswachstum liegen aktuell bei rund 3 % für 2026. Während sich die US-Wirtschaft weiterhin robust präsentiert, hat sich die Dynamik in Europa zwar verbessert, bleibt aber insgesamt verhaltener.
Deutschland: Erste Erholung nach Jahren der Wachstumsschwäche
Für Deutschland zeichnet sich nach sechs Jahren ohne nennenswertes Wachstum eine durch expansive Fiskalpolitik eingeleitete Erholung ab. Zwar profitiert die Wirtschaft kurzfristig von den staatlichen Infrastruktur- und Verteidigungsprogrammen, gleichzeitig bremsen aber hohe Energiekosten und schwache Unternehmensinvestitionen resultierend aus strukturellen Standortproblemen die wirtschaftliche Entwicklung.
Außerdem entwickelt sich der private Konsum weiterhin schwach. Zuletzt hat sich die Anschaffungsneigung der privaten Haushalte zwar leicht verbessert, große Impulse sind jedoch mit Blick auf fehlende Beschäftigungszuwächse und hohe Unsicherheit unter den Konsumenten nicht zu erwarten.
Inflation bleibt erhöht
Die Verbraucherpreisinflation blieb nach dem energiepreisbedingten Anstieg mit 3,3 % im September weiter erhöht. Die Energiepreise legten im Vorjahresvergleich um 14,9 % zu und waren maßgeblich für die erhöhte Inflation verantwortlich.
Positiv ist anzumerken, dass sich die höheren Preise bislang nicht in entsprechend höheren Löhnen niedergeschlagen haben und die Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) mit 2,4 % im September stabil geblieben ist. Allerdings deutet der Anstieg der Erzeugerpreise für Dienstleistungen von 3,9 % im zweiten Quartal darauf hin, dass in den kommenden Quartalen der Druck auf die Verbraucherpreise anhalten dürfte.
EZB und Fed halten an ihrer restriktiven Geldpolitik fest
Aus diesem Grund hat die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Sitzung Anfang September den Leitzins um 25 Basispunkte angehoben und auf die anhaltend erhöhten Inflationsrisiken reagiert. Insbesondere steigende Inflationserwartungen dürften die EZB auch in den kommenden Monaten wachsam bleiben lassen.
An den Anleihemärkten werden weitere Zinsschritte der EZB erwartet, wobei die Entscheidung maßgeblich von der Entwicklung des Ölpreises und der möglichen Öffnung der Straße von Hormus abhängen wird.
Auch die US-Notenbank Fed verfolgt angesichts einer weiterhin robusten Konjunktur und eines stabilen Arbeitsmarktes zuletzt ebenfalls eine restriktivere Geldpolitik. Fed-Chef Kevin Warsh scheint entschlossen die Inflation auf das Ziel von 2 % zurückführen zu wollen, sodass eine weitere Zinsanhebung bis Ende 2026 erwartet wird.
Anleihen bleiben wichtiger Stabilitätsanker für Anleger
Die Renditen von Staatsanleihen dürften daher trotz zwischenzeitlicher Schwankungen in einem Umfeld strukturell höherer Inflation, steigender Staatsverschuldung und privatwirtschaftlichen Anleiheemissionen für KI-Investitionen tendenziell auf erhöhten Niveaus verbleiben.
Gleichzeitig bieten Anleihen nach den jüngsten Kursrückgängen bei den aktuellen Renditen angesichts der hohen geopolitischen und konjunkturellen Unsicherheit einen wichtigen Stabilisator in gemischten Portfolios.