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Wochenrückblick

Mumm Briefing zum Wochenausklang

5. August 2022

Die Aussichten für die globale Konjunkturentwicklung trüben sich weiter ein. Die von Markit/S&P-Global erhobenen Einkaufsmanagerindizes sind für das Verarbeitende Gewerbe und die Dienstleistungsbereiche weltweit teilweise unter die Expansionsschwelle von 50 Punkten gerutscht. In Deutschland belegen der ifo-Geschäftsklimaindex auch für Handel und Bauwirtschaft ebenso wie die ISM-Einkaufsmanagerindizes in den USA, dass in den kommenden Monaten mit einer schwächeren Wirtschaftsdynamik in alle Regionen und in den meisten Sektoren gerechnet wird.

Die Sorge um einen kompletten Gaslieferstopp aus Russland und mögliche Energierationierungen belastet europäische Unternehmen zusätzlich zu den bekannten Problemen wie den hohen Energie- und Rohstoffpreisen, den steigenden Lebenshaltungskosten und den unterbrochenen Lieferketten. In den USA dämpfen die höheren Zinsen das Wachstum, Aktienkurse und Hauspreise geben nach und es gibt erste Anzeichen, dass die nachlassende Nachfrage den Arbeitsmarkt und den privaten Konsum ausbremst. Die chinesische Regierung kämpft weiter mit allen strategischen Mitteln gegen die Corona-Pandemie, nachdem die umfangreichen Lockdowns bereits im zweiten Quartal ein negatives Wirtschaftswachstum zur Folge hatten.

Vor diesem Szenario hat der Internationale Währungsfonds (IWF) die Wachstumserwartungen für die Weltwirtschaft und die wirtschaftlich größten Regionen erneut nach unten korrigiert, während die Inflationsprognosen nach oben angepasst wurden. Angesichts der steigenden Zinsen und dem festeren US-Dollar verweisen die IWF-Experten zudem auch auf das Risiko einer möglichen Schuldenkrise in Schwellenländern, was die Konjunktur zusätzlich belasten könnte.

In Deutschland und Europa hängt die wirtschaftliche Entwicklung entscheidend an den Gaslieferungen aus Russland.

„Sollte es zu einem kompletten Lieferstopp kommen, dürfte eine tiefe Rezession unvermeidbar sein.“

In diesem Fall steht zu befürchten, dass die Bundesregierung die höchste Stufe des Notfallplans Gas ausruft und nach der gerade beschlossenen Gasumlage auch die weitere Durchreichung höherer Preise der Energieversorger an Endkunden gestattet. Zudem ist die Rationierung von Energie einem solchen Szenario wahrscheinlich. Davon wären vor allem energieintensive Branchen wie die Aluminium-, Stahl-, Papier- oder Chemieproduktion betroffen. Produktionsausfälle hätten direkte negative Auswirkungen auf weitere Unternehmen, wenn wichtige Vorprodukte fehlen. Viele Unternehmen versuchen sich bereits vorzubereiten, etwa indem sie alternative Energiequellen prüfen oder in der Produktionsplanung neu priorisieren. Aber die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen sind kaum bezifferbar. Auch bei sehr eingeschränkten Gaslieferungen wie momentan ist im Winterhalbjahr mit Rationierungen zu rechnen. Sicher ist nur, dass die anhaltende Unsicherheit die Investitions- und Konsumbereitschaft weiterhin dämpft.

Mit der Regierungskrise in Italien ist in Europa noch ein Unsicherheitsfaktor hinzugekommen. Bei den Neuwahlen Ende September droht ein Rechtsruck samt lauterer europakritischer Stimmen in der kommenden Regierung. Dringend notwendige politische Entscheidungen, wie die Verabschiedung des Haushalts 2023 oder die Renten-, Steuer- und Wettbewerbsreform werden weiter verschoben. Damit sind die Risikoprämien italienischer Staatsanleihen im Vergleich zu Bundesanleihen erneut gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat darauf mit dem verstärkten Ankauf italienischer Staatsanleihen im Rahmen der Wiederanlage fälliger Wertpapiere reagiert. Die Fortsetzung des gerade von der EZB initiierten geldpolitischen Straffungszyklus wird dadurch erschwert, wenngleich nicht gefährdet. Die Bekämpfung der in den kommenden Monaten voraussichtlich nur leicht nachgebenden Inflationsraten bleibt im Fokus.

In den USA dagegen dürfte der Inflationsdruck nachlassen. Dafür spricht ein deutlicher Rückgang der Preiskomponente des ISM-Einkaufsmanagerindex in den letzten Wochen, der sich als guter Vorlaufindikator für die Produzenten- und Verbraucherpreise erwiesen hat. Zudem zeichnet sich eine Entspannung des Nachfrageüberhangs am Arbeitsmarkt ab, nachdem einige Unternehmen weniger Einstellungen planen bzw. sogar Entlassungen angekündigt haben. Entsprechend setzte sich der Trend zunehmender Erst- und Folgeanträge auf Arbeitslosenunterstützung fort, der den Lohndruck entlasten dürfte. Damit könnte die US-Notenbank Fed nach weiteren Zinsanhebungen im Herbst bereits Anfang 2023 die Möglichkeit haben, die Leitzinsen im Falle einer deutlichen wirtschaftlichen Abkühlung wieder zu senken.

An den Kapitalmärkten scheint die Zeit deutlich steigender Zinsen vorerst vorbei zu sein. Aktien und andere Risikoanlagen haben damit weiteres Kurserholungspotenzial, zumal die Stimmungslage unter den Anlegern relativ negativ ist. Allerdings ist in den kommenden Quartalen auch mit Korrekturen teilweise noch zu hoher Gewinnerwartungen zu rechnen, was das Potenzial für weitere Kursgewinne begrenzt. Abgesehen von kurzfristigem Rückschlagpotenzial wie im Falle eines Gaslieferstopps bleiben die mittelfristigen Perspektiven für Aktienanleger dank absehbarer Staats- und Unternehmensinvestitionen in die eigene Krisenfestigkeit und Dekarbonisierung der Produktion aber positiv. Sollte sich eine weitere Eskalation im Ukrainekonflikt vermeiden lassen, hätte der Euro im Vergleich zum US-Dollar einiges Aufholpotenzial.

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