• Ein Mann im Anzug steht vor einem blauen Hintergrund mit einem aufsteigenden Börsengrafen.

Märkte mit Mumm

Börsen im August: Realitätsschwund?

1. September 2023, Carsten Mumm

Das Kapitalmarktumfeld im August: Fragmentierung der Weltwirtschaft

In Deutschland war eines der beherrschenden Themen zuletzt die zunehmende und immer offensichtlichere Erosion der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Neben diversen auf Umfragen basierenden Ranglisten, wie dem Länderindex Familienunternehmen und dem World Competitiveness Ranking, bei denen Deutschland zuletzt im Vergleich mit anderen Volkswirtschaften an Boden verlor, veröffentlichte das Statistische Bundesamt für 2022 mit mehr als 130 Mrd. Euro einen tief negativen Saldo aus Direktinvestitionen – der Differenz von aus Deutschland herausfließenden Investitionen und in Deutschland aus dem Ausland investiertem Kapital.

„Zuletzt belegte auch eine Umfrage unter Expats, ausländischen Fachkräften, die weltweit arbeiten, dass Deutschland an Attraktivität deutlich eingebüßt hat.“

Die Bundesregierung reagierte durch massive Subventionen für größere Firmenansiedlungen, bspw. aus den Segmenten Batterie- und Chipproduktion, und erstellte einen 10-Punkte-Plan zur Unterstützung der deutschen Wirtschaft.

Wichtige Frühindikatoren untermauerten im August die immer schwächere Konjunkturdynamik. So gab der ifo-Geschäftsklimaindex stärker als erwartet nach und rangiert mittlerweile auf dem tiefsten Stand seit Herbst 2022 unter dem Eindruck der damals drohenden Gasmangellage. Aber auch international fielen die Einkaufsmanagerindizes zumeist und lassen eine weiter sinkende Produktion im Baugewerbe und der Industrie erwarten. Viele Dienstleistungsbereiche signalisieren ebenfalls eine schwächere Tendenz. Noch vergleichsweis robust fielen die Umfragen in China und den USA aus. Allerdings nahmen in China die Sorgen vor erheblichen wirtschaftlichen Belastungen durch die anhaltenden Schwierigkeiten im Immobiliensektor erneut zu, nachdem Berichte über eine drohende Zahlungsunfähigkeit des Immobilienkonzerns Country Garden aufkamen. Die Regierung versuchte die Situation durch kleinere fiskalische Stützungsmaßnahmen und Zinssenkungen der Notenbank zu stabilisieren.

Auf dem internationalen Notenbankentreffen in Jackson Hole, USA, verdeutlichten sowohl der Präsident der US-Notenbank Fed, als auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde, dass der Inflationsdruck nach wie vor deutlich zu hoch ist und entsprechend weiterhin eine restriktive Geldpolitik benötigt wird. Passend dazu stagnierte die Inflationsrate in der Eurozone im August bei 5,3 Prozent, während sie in Deutschland nur leicht auf 6,1 Prozent sank.

Ebenfalls viel Beachtung erfuhr das Treffen der Schwellenländergruppe BRICS, bei der die Aufnahme weiterer sechs Mitglieder beschlossen wurde. Zudem wurden die Möglichkeiten zur Einführung einer eigenen Währung diskutiert, um die Abhängigkeit vom Dollar bei Handelstransaktionen zu reduzieren.

Zinsen: kaum verändert

Die Renditen von Bundesanleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit stiegen im August zunächst deutlich bis auf 2,70 Prozent p.a. an, lagen aber am Monatsende nur leicht höher bei 2,47 Prozent p.a. Ebenfalls nach einem zwischenzeitlich größeren Anstieg im Zuge der Abstufung des Top-Ratings der USA als Anleihegläubiger durch die Rating-Agentur Fitch stieg die Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen per Saldo leicht auf 4,10 Prozent p.a.

Aktien: überwiegend schwächer

Der deutsche Leitindex DAX rutschte nach dem Erreichen eines neuen Allzeithochs Ende Juli ab und notierte Ende August bei 15.947 Punkten. Im Monatsvergleich nahezu unverändert stand der US-Aktienindex S&P 500 bei 4.507 Punkten. Etwas stärker fielen die Aktien des Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets.

Währungen: Euro schwächer

Der Euro gab im Vergleich zum US-Dollar auf 1,08 EUR/USD nach, nachdem zwischenzeitlich einige Marktteilnehmer von einer weiteren Leitzinsanhebung der US-Notenbank Fed ausgingen und die konjunkturelle Dynamik in den USA weiterhin robust ausfiel. Auch gegenüber dem Schweizer Franken und dem britischen Pfund wertete der Euro leicht ab.

Rohstoffe: Gold schwächer, Rohöl fester

Die Notierung für ein Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent stieg Ende August deutlich und lag am Monatsende bei 86,83 US-Dollar. Der Preis für eine Feinunze Gold gab hingegen leicht auf 1.966 US-Dollar nach. Silber notierte kaum verändert bei 24,47 US-Dollar.

Krypto-Anlagen: deutlich schwächer

Mitte August hatten Bitcoin, Ether und andere Krypto-Anlagen deutliche Rücksetzer zu verzeichnen. Der Bitcoin-Kurs gab innerhalb eines Tages von rund 30.000 auf gut 25.000 US-Dollar nach. Hintergründe dürften die zwischenzeitlich gestiegenen Zinserwartungen in den USA sowie die ungewisse Entscheidungslage vonseiten der US-Börsenaufsicht SEC über die Zulassung mehrerer beantragter Krypto-ETF´s sein. Am Monatsende notierte Bitcoin bei 25.937 und Ether bei 1.645 US-Dollar.

Implikationen für Anleger

Die konjunkturellen Perspektiven trübten sich global überwiegend weiter ein. Hinzu kommen länderspezifische strukturelle Belastungsfaktoren, bspw. in Deutschland und China, sowie anhaltende bzw. neue geostrategische Veränderungen, die eine wohlwollende internationale Kooperation in den kommenden Jahren immer schwieriger erscheinen lassen. Vor diesem Hintergrund sehen immer mehr Expertinnen und Experten, eine zunehmende Diskrepanz zwischen den noch immer recht hohen Notierungen vieler Aktienindizes und den schwachen wirtschaftlichen Aussichten. Tatsächlich ist davon auszugehen, dass der Margendruck aufgrund der globale Nachfragschwäche zunimmt und Gewinnrevisionen und -warnungen sowie daraus resultierend die Schwankungsbreiten an den Börsen in den kommenden Monaten mehr werden.

„Es hängt maßgeblich von politischen Entscheidungsträgern ab, wie die wirtschaftlichen Perspektiven im kommenden Jahr 2024 ausfallen. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Frage, wie stark die chinesische Regierung die Konjunktur künftig unterstützen wird.“

Es ist davon auszugehen, dass fiskalische Maßnahmen zunehmen werden, je höher die Wahrscheinlichkeit eines Verfehlens des selbst gesteckten Ziels von 5 Prozent Wachstum im laufenden Jahr steigt. Der zweite Faktor sind die Notenbanken. Je länger die erhöhten Zinsniveaus gehalten werden, umso stärker werden zinsinduzierte Bremseffekte wie steigende Refinanzierungskosten für Private, Unternehmen und Staaten, sinkende Kreditvergabe sowie zunehmende Insolvenzen. Andererseits sind diese Faktoren allseits bekannt und es besteht die Möglichkeit, dass Befürchtungen sich nicht vollständig bewahrheiten. Vor diesem Hintergrund und in der Annahme, dass die Inflationsraten im Zuge der Konjunkturschwäche im Winterhalbjahr wieder stärker nachgeben sowie im Laufe von 2024 eine zyklische Erholung beginnen dürfte, sollten sich Neupositionierungen in aussichtsreichen Unternehmen in Schwächephasen künftig auszahlen.

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