• Ein Mann im Anzug steht vor einem blauen Hintergrund mit einem aufsteigenden Börsengrafen.

Märkte mit Mumm

Börsen im März: immer weiter

5. April 2024 –  Carsten Mumm, Chefvolkswirt

Das Kapitalmarktumfeld im März: nahende Leitzinssenkungen

Die Wachstumsprognose der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute (Gemeinschaftsdiagnose) für das laufende Jahr wurde deutlich nach unten korrigiert. Zwar ist nach einer voraussichtlichen gesamtwirtschaftlichen Schrumpfung im ersten Quartal in den kommenden Monaten mit einer Dynamisierung zu rechnen, allerdings dürfte sich für die deutsche Volkswirtschaft im Gesamtjahr nur ein Wachstum von 0,1 Prozent ergeben. Der im März überraschend starke Anstieg des ifo-Geschäftsklimaindex zeugte zumindest von einer etwas weniger pessimistischen Stimmungslage vieler Unternehmen. Auch gemäß ZEW-Konjunkturerwartungen hellte sich der Ausblick für die Wirtschaft auf, so dass davon auszugehen ist, dass der Konjunktur-Tiefpunkt in Deutschland durchschritten wurde. Allerdings ist bisher noch keine deutliche Erholung des privaten Konsums, dem Hoffnungsträger für den erwarteten Aufschwung, erkennbar. Obwohl die Reallöhne unterstützt durch hohe Lohnanstiege steigen, verharrt die Sparquote auf anhaltend hohen Niveaus. Gemäß GfK-Konsumklimaindex vermeiden viele Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts allgegenwärtiger, v.a. politischer Unsicherheitsfaktoren weiterhin größere Anschaffungen. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft rechnet, gemäß neuester Schätzungen für die Eurozone, nur noch mit 0,7 Prozent Wachstum im Jahr 2024, während die Erwartung für die US-Wirtschaft auf 2,1 Prozent deutlich nach oben korrigiert wurde. In China wurde auf dem Nationalen Volkskongress eine Jahreswachstumsrate von 5 Prozent formuliert. Gleichzeitig wurden moderate fiskal- und geldpolitische Stützungsmaßnahmen zur Stabilisierung der chinesischen Wirtschaft umgesetzt.

„Derweil sinken die Inflationsraten in Europa weiter zügig, in Deutschland im März auf 2,2 Prozent. Die Europäische Zentralbank hat folglich ihre eigenen Wachstums- und Inflationsprojektionen ebenfalls herabgesetzt. Eine erste Leitzinssenkung wird mittlerweile für Juni erwartet.“

Die Schweizerische Notenbank SNB hat die Leitzinsen bereits im März erstmals um 0,25 Prozentpunkte auf 1,50 Prozent p.a. gesenkt, nachdem die Teuerungsrate zuletzt nur noch 1,2 Prozent betrug. Auch die US-Notenbank Fed hat im Rahmen des letzten Zinsentscheids bis zu drei Leitzinssenkungen im laufenden Jahr in Aussicht gestellt, obwohl der Anstieg der Verbraucherpreise in den USA angesichts eines weiterhin dynamischen Wachstums und eines gut ausgelasteten Arbeitsmarkts im Februar noch bei 3,2 Prozent lag. Die japanische Notenbank BoJ hingegen erhöhte erstmals seit 17 Jahren ihren Leitzins leicht auf eine Spanne zwischen 0 und 0,1 Prozent p.a. und beendete gleichzeitig die Kontrolle der Renditen von Staatsanleihen sowie die Käufe von Aktien-ETFs.

Zinsen: etwas tiefer

Die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen gaben leicht auf 2,29 Prozent p.a. ab, während die Zinsen zehnjähriger US-Staatsanleihen mit 4,21 Prozent p.a. kaum verändert tendierten.

Aktien: weitere Rekorde

Der deutsche Leitindex DAX legte mit 4,6 Prozent erneut deutlich zu und notierte Ende März mit 18.492 Punkten nahe dem im Monatsverlauf erreichten Allzeithöchststand. Der US-Standardwerteindex S&P 500 stieg um gut 3 Prozent auf 5.254 Punkte. Der japanische Index NIKKEI 225 überstieg erstmals die Marke von 40.000 Punkten.

Währungen: Euro uneinheitlich

Im Vergleich zum US-Dollar notierte der Euro Ende März etwas schwächer bei knapp 1,08 EUR/USD, nachdem absehbar wurde, dass die EZB voraussichtlich vor der US-Notenbank die Leitzinsen senken wird. Auch die anhaltend deutlich höhere Wachstumsdynamik in den USA unterstützte den Dollar. Gegenüber dem Schweizer Franken konnte der Euro nach der überraschend frühen Leitzinssenkung der SNB hingegen auf 0,97 EUR/CHF zulegen.

Rohstoffe: Gold auf Allzeithoch, Rohöl aufwärts

Das Gold setzte die schon seit Wochen anhaltende Kursrallye fort und stieg um mehr als 10 Prozent auf 2.255 US-Dollar pro Feinunze. Angesichts der sich teilweise zuspitzenden geopolitischen Konflikte und der fortgesetzten Förderkürzungen des Ölkartells OPEC+ stieg der Preis für ein Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent um rund 6,5 Prozent auf 87,48 US-Dollar.

Krypto-Anlagen: weiter aufwärts

Der Kurs des Bitcoin stieg auf Monatssicht um gut 16 Prozent auf 71.332 US-Dollar und markierte zwischenzeitlich einen neuen Allzeithöchststand. Um knapp 10 Prozent legte Ether auf 3.647 US-Dollar zu.

Implikationen für die Kapitalanlage

Nach fulminanten Kursrallyes bei Aktien, Gold und einigen Krypto-Anlagen seit Oktober 2023 wäre eine Verschnaufpause an den Börsen erwartbar.

„Dabei bleibt jedoch eine Konsolidierung auf hohem Niveau im Sinne einer schwankungsreicheren Seitwärtsbewegung mit zwischenzeitlichen moderaten Rücksetzern wahrscheinlicher als der Beginn eines anhaltenden Abwärtstrends.“

Auslöser könnten geopolitischen Unsicherheiten, Rückschläge beim erwarteten Konjunkturaufschwung in der Eurozone oder enttäuschte Zinssenkungsfantasien sein. Vor allem für die US-Notenbank Fed besteht derzeit aus fundamentaler Sicht keine Veranlassung für eine Zinssenkung, obwohl im März bis zu drei Zinsschritte nach unten in Aussicht gestellt wurden. Im Gegenteil deuten die Fed-eigenen Projektionen mit einem erwarteten Wachstum von 2,1 Prozent, einer Arbeitslosenquote von 4,0 Prozent und einer Inflation von knapp 2,5 Prozent im laufenden Jahr eine anhaltend robuste Entwicklung der US-Ökonomie an. Einzig die Sorge um größere Turbulenzen im Bankensektor im Zuge zunehmender Kreditausfälle, vor allem im Segment der gewerblichen Immobilienfinanzierungen, spräche ggf. für eine vorsorgliche Zinssenkung, bevor man sich ab September aufgrund der dann anstehenden Präsidentschaftswahlen vorerst zurückhalten dürfte.

Grundsätzlich sprechen aber die Erwartung erheblicher Investitionen von Staaten und Unternehmen zur Steigerung ihrer Resilienz sowie ein im Mittel der kommenden Jahre höher inflationäres Umfeld als vor der Coronakrise für reale Anlageklassen. Im Anleihesegment sollten kurzfristig sinkende Inflationsraten für tiefere Renditen von Staatsanleihen sorgen, bevor im Zuge der sich konkretisierenden globalwirtschaftlichen Erholung ab 2025 die Zinsen auch bei längeren Laufzeiten wieder anziehen dürften. Die Erwartung einer stärkeren Erholung des Euro im Vergleich zum US-Dollar fällt aufgrund des voraussichtlich nur leicht sinkenden Wachstums- und Zinsvorsprungs der USA moderater aus. Wahrscheinlicher ist vorerst eine Seitwärtsbewegung nahe der aktuellen Niveaus.

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