Das Kapitalmarktumfeld im Mai: Verlängerte Waffenruhe und Zolldrohungen
Die Lage im Nahen Osten blieb weitgehend unverändert und weiterhin ohne Aussicht auf eine dauerhafte Lösung. Zwar wurde die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran formell verlängert, beide Seiten lehnten jedoch die jeweiligen Friedensvorschläge des Gegners ab. Unterdessen erwies sich der Besuch von US-Präsident Donald Trump bei seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping als eher symbolisch und weniger inhaltlich wertvoll. Neben dem beiderseitigen Interesse an der Deeskalation des Irankonflikts und der Öffnung der Straße von Hormus, war von einer gemeinsamen Verantwortung für die globale Stabilität die Rede, ohne jedoch konkrete Vereinbarungen diesbezüglich zu treffen.
Die Europäische Union (EU) sagte nach neuerlichen Zolldrohungen vonseiten Donald Trumps die Umsetzung des im letzten Jahr verhandelten Zollabkommens zu, um zusätzliche Autozölle ab dem 4. Juli zu verhindern. Allerdings behielt sich die EU vor, ihre Verpflichtungen auszusetzen, wenn die USA sich an die zugesagte Vereinbarung nicht halten oder neue Zölle außerhalb des Abkommens erheben würde.
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) senkte in seinem Frühjahrsgutachten die Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft für 2026 auf 0,5 Prozent. Gleichzeitig wurde die Inflationsprognose mit 3,0 Prozent für 2026 deutlich höher veranschlagt. Eine leichte Erholung konnte das ifo-Geschäftsklima verzeichnen. Trotz rückläufiger Neuaufträge in der Industrie und einer schwachen Entwicklung im Bauhauptgewerbe fielen insgesamt sowohl die Lagebeurteilung als auch die Erwartungen etwas weniger pessimistisch aus.
Vor dem Hintergrund leicht sinkender Energiepreise und des seit Anfang des Monats geltenden Tankrabatts legte die Inflation im Mai in Deutschland um nur noch 2,6 Prozent zu. Allerdings ist die Inflation ohne Nahrungsmittel- und Energiepreise, die Kerninflation, zuletzt wieder gestiegen. Dafür verantwortlich war insbesondere die erneut höhere Teuerung der Dienstleistungen aufgrund anhaltenden Kostendrucks. In den USA stieg die April-Inflation auf 3,8 Prozent. Vor diesem Hintergrund wurde die Amtseinführung des neuen Fed-Präsidenten Kevin Warsh am 22. Mai mit Spannung verfolgt. Konkrete geldpolitische Impulse seinerseits blieben jedoch bisher aus.
Zinsen: Anhaltend hoch
Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von 2 bzw. 10 Jahren zeigten sich im Monatsverlauf volatil und notierten Ende Mai um jeweils 10 Basispunkte tiefer bei 2,53 bzw. 2,93 Prozent p.a. Konträr dazu stiegen laufzeitgleiche US-Anleihen um etwa 10 bzw. 5 Basispunkte und notierten bei knapp 4,00 bzw. 4,45 Prozent p.a. Im dreißigjährigen Laufzeitenbereich überschritten US-Staatsanleiherenditen zwischenzeitlich die Marke von 5 Prozent p.a. Risikoprämien von bonitätsstarken Unternehmensanleihen sanken deutlich.
Aktien: Fortlaufende Erholung
Der deutsche Leitindex DAX konnte im Mai trotz volatiler Entwicklung um 3 Prozent zulegen und notierte wieder oberhalb von 25.000 Punkten. Ein noch deutlicheres Kursplus hatte der US-amerikanische S&P 500 zu verzeichnen. Mit knapp 7.600 Punkten erreichte der Index einen neuen Höchststand, ebenso wie der technologiegeprägte NASDAQ 100. Mit knapp 10 Prozent stieg der Schwellenländer-Aktienindex MSCI Emerging Markets sehr deutlich, während der japanische NIKKEI 225 sogar ein Kursplus von knapp 12 Prozent verbuchen konnte.
Währungen: Festerer Dollar
Der US-Dollar wertete im Vergleich zum Euro auf und notierte am Monatsende bei 1,16 EUR/USD. Gegenüber dem Schweizer Franken gab die Gemeinschaftswährung ebenfalls leicht auf 0,91 EUR/CHF nach. Der japanische Yen verlor im Vergleich zum US-Dollar auf 159 USD/JPY.
Rohstoffe: sinkende Öl- und Edelmetallpreise
Rohölpreise gaben im Monatsverlauf um über 15 Prozent nach, sodass ein Barrel der Nordseesorte Brent bei knapp 92 US-Dollar notierte. Aufgrund anhaltender Inflationssorgen und damit einhergehend höherer Zinsen fiel der Goldpreis um knapp 2 Prozent auf rund 4.500 US-Dollar.