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Kapitalmarktanalyse

Monatsrückblick Juni

Juni 2025 / Carsten Mumm, Chefvolkswirt

Das Kapitalmarktumfeld im Juni: Unsicherheit und Optimismus

Im Juni verschärfte sich die Lage im Nahen Osten. Israel führte gezielte Luftangriffe auf iranische Nuklearanlagen durch, woraufhin Teheran mit der Ankündigung „besonderer Maßnahmen“ zum Schutz seiner Infrastruktur reagierte. Zwar konnte nach einer militärischen Intervention durch die USA eine Waffenruhe erzielt werden, doch die geopolitischen Spannungen führten zwischenzeitlich weltweit zu erhöhter Unsicherheit. Auch der sich zuspitzende Handelskonflikt zwischen der EU und den USA belastet das wirtschaftliche Umfeld. Das Auslaufen des Zollaufschubs am 9. Juli führte zu kurzfristigen Vorzieheffekten im Außenhandel, was sich insbesondere in einer temporär erhöhten Industrieproduktion niederschlug.

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland zeigte sich im Juni durchwachsen, aber mit vorsichtig optimistischen Tendenzen. Die von S&P Global berechneten Einkaufsmanagerindizes verzeichneten erstmals seit über einem Jahr wieder einen Zuwachs bei den Auftragseingängen. Sowohl Unternehmen als auch Konsumenten hoben ihre Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung an. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) sowie die Europäische Zentralbank revidierten ihre Wachstumsprognosen für Deutschland und die Eurozone nach oben. Überraschend positiv fiel die Juni-Inflationsrate in Deutschland mit nur 2,0 Prozent aus. Der reale Kaufkraftzuwachs infolge der moderaten Preisentwicklung bei gleichzeitig stärker steigenden Löhnen stärkte die Konjunktur- und Einkommenserwartungen der privaten Haushalte. Gleichzeitig führte die geopolitische Unsicherheit jedoch zu einer erhöhten Sparneigung, was die Konsumdynamik weiterhin dämpft.

In der Eurozone sorgte eine stabile Nachfrage, insbesondere aus der Industrie, für eine verhalten positive Grundstimmung. Das Unterschreiten des EZB-Inflationsziels von 2 Prozent auf europäischer Ebene trug zur Entspannung bei, wenngleich steigende Preise im Dienstleistungssektor und die Sorge vor weiteren handelspolitischen Maßnahmen den Optimismus begrenzten. Für die US-Volkswirtschaft hingegen wurden Wachstumsprognosen deutlich nach unten revidiert.

Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte ihren Leitzins im Juni um 0,25 Prozentpunkte und revidierte ihre Inflationsprojektionen deutlich nach unten. Unter anderem aufgrund der deutlichen Aufwertung des Euro, durch die an den Weltmärkten in Dollar gehandelte Waren günstiger eingekauft werden können, sinkt der Preisdruck gemäß EZB-Erwartungen im Mittel des kommenden Jahres auf 1,6 Prozent. Die US-Notenbank Fed sah von weiteren Leitzinssenkungen ab, obwohl der politische Druck vonseiten der Regierung deutlich zunahm. Fed-Präsident Jerome Powell verweist weiterhin auf Inflationsgefahren, vor allem aufgrund preisniveausteigernder Effekte durch Zölle.

Zinsen: kaum verändert

Während die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe Ende Juni mit 2,59 Prozent p.a. leicht höher notierte, stieg die 30-jährige Rendite zum Monatsende leicht auf 3,08 Prozent p.a. Ebenfalls ist das Niveau der 10-jährigen US-Staatsanleiherendite etwas abgeklungen und notierte zum Monatsende bei 4,29 Prozent p.a. Die Renditen der 30-jährigen US-Anleihen sanken aber in der zweiten Monatshälfte auf 4,81 Prozent p.a.

Aktien: positiv, insbesondere USA und Japan

Im Zuge des Nahost-Konflikts brachen die europäischen Aktienmärkte kurzzeitig ein, so fiel der DAX zwischenzeitlich um knapp 5,4 Prozent auf gut 23.000 Punkte. Weniger betroffen zeigten sich die amerikanischen Aktienindizes wie der S&P 500 und der Nasdaq. Beide erreichten im Monatsverlauf neue Allzeithochs. Eine starke Performance konnte der japanische Nikkei 225 aufweisen, welcher nach einem Anstieg von rund 6,60 Prozent zum Monatsende bei über 40.400 Punkten notierte.

Währungen: schwächerer Dollar

Der Dollar gab im Vergleich zum Euro erneut deutlich auf knapp 1,18 EUR/USD nach. Im Vergleich zum Schweizer Franken hält sich der Euro stabil und verzeichnete eine Seitwärtsbewegung bei rund 93 EUR/CHF. Eine deutliche Abwertung verzeichnete der japanische Yen mit bis zu 169 EUR/JPY.

Rohstoffe: Gold anhaltend hoch, Rohöl schwächer

Die Eskalation im Nahen Osten sorgte für extreme Ölpreisschwankungen. Ein Barrel Brent lag zwischenzeitlich bei über 78 US-Dollar, schwächte sich aber zuletzt wieder ab auf 67 Dollar. Der Goldpreis erreichte mit 3.432 Dollar zwischenzeitlich ein neues Allzeithoch.

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