• Hafenansicht mit zahlreichen Containern und Kränen bei Sonnenuntergang.

Irankrieg – Pulverfass explodiert

24.03.2026 / Carsten Mumm

Status Quo des Krieges und Auswirkungen

Am 28. Februar 2026 starteten die USA und Israel gemeinsam eine groß angelegte Militäraktion gegen den Iran, die sich gegen führende politische und militärische Strukturen sowie wichtige Infrastrukturen richtet. Dabei wurden Irans oberster Führer Ali Khamenei und mehrere ranghohe Politiker sowie Sicherheits- und Militärbeamte getötet. Als Nachfolger wurde der Sohn des Getöteten, Motschtaba Khamenei, gewählt. Ein Regimewechsel wird damit unwahrscheinlicher, wenngleich offensichtlich die Führung der „Revolutionsgarden“ eine entscheidendere Rolle spielt.

Der Iran reagierte mit massiven Raketen- und Drohnenangriffen auf Ziele in Israel sowie auf US‑Stützpunkte in mehreren Golfstaaten, die in der Region zu erheblichen Zerstörungen und Opfern führten. Gleichzeitig wurden zeitweise Lufträume und die Straße von Hormus teilweise oder vollständig geschlossen. Eine weitere Eskalation entstand durch die Bombardierung von Energie-infrastruktur im Iran sowie in Anrainerstaaten mit voraussichtlich langfristigen Folgen für das globale Rohöl- und LNG-Angebot.

Zwar wurden große Teile iranischer Raketenstellungen, der Marine und wohl auch Nuklearanlagen zerstört. Trotzdem sind iranische Streitkräfte auch rund vier Wochen nach Beginn des Krieges weiter in der Lage Schläge gegen Israel und andere Ziele in der Region sowie darüber hinaus mit hoher Zerstörungskraft auszuführen. Donald Trump deutete am Montag, den 23. März konstruktive Gespräche mit iranischen Regierungsvertretern über ein Ende der Kampfhandlungen an, die jedoch von iranischer Seite dementiert wurden.

Aus Sicht der Kapitalmärkte und für die Perspektiven der Weltwirtschaft sind vor allem der Ölpreis sowie andere Lieferketten, die durch die Sperrung der Straße von Hormus unterbrochen wurden, relevant. Entsprechend stiegen die Rohölnotierungen zwischenzeitlich auf fast 120 US-Dollar an und notieren seit dem 10. März fast durchgehend oberhalb der Marke von 100 Dollar (Brent)

Aktien hatten Verluste zu verzeichnen – europäische und asiatische stärker als US-amerikanische, während der Dollar im Vergleich zum Euro aufwertete. Renditen von Staatsanleihen stiegen aufgrund der Aussicht auf ölpreisbedingt kurzfristig steigende Inflationsraten an. Die Notenbanken reagierten bisher noch nicht auf den inflationstreibenden Effekt des externen Angebotsschocks am Energiemarkt, deuteten aber an, dass eine restriktivere geldpolitische Ausrichtung zur Eindämmung potenziell steigender Inflationserwartungen künftig erfolgen könnte. Entsprechend wird vonseiten der US-Notenbank Fed mittlerweile keine Leitzinssenkung mehr erwartet, während für die EZB durch den Markt zwei Leitzinsanhebungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte im Mai und im Juni eingepreist werden. Die Kurse für Gold und Silber gaben im Zuge des festeren Dollar und aufgrund gestiegener Zinsen seit Anfang März deutlich nach, während der Bitcoin zulegen konnte.

Wachstumserwartungen für Europa und einige Staaten Asiens für das Jahr 2026 wurden nach unten korrigiert. Die Inflation dürfte im laufenden Jahr global höher ausfallen als bisher erwartet. Das Ausmaß des Wachstumsdämpfers bzw. des Inflationsanstiegs kann derzeit kaum adäquat geschätzt werden, denn es hängt entscheidend davon ab, wie lange der Krieg andauert bzw. insbesondere wie lange der Schiffstransfer durch die Straße von Hormus unterbrochen bleibt.

Unsere Einschätzung

Unsere Basisannahme bleibt ein zeitlich begrenztes militärisches Eingreifen der USA. Ein längerer Konflikt unter US-Beteiligung ist nicht im Interesse des US-Präsidenten Trump, denn ein Großteil der Amerikaner(innen) lehnt Militäreinsätze im Ausland ab. Trump selbst hat sich bisher als Präsident positioniert, der keine militärischen Großeinsätze forciert. Die Kosten der Intervention treiben die ohnehin hohen Staatsschulden der USA weiter an. Zudem lassen hohe Ölpreise – insbesondere über auch in den USA bereits stark gestiegene Spritpreise – die ohnehin stark gestiegenen Lebenshaltungskosten weiter steigen. Mit Blick auf die im Herbst anstehenden Zwischenwahlen für den US-Kongress und da die hohen Preisniveaus das wichtigste Thema für potenzielle Wählerinnen und Wähler in den USA ist, könnten die heute bereits tiefen Umfragewerte Trumps bei länger anhaltend hohen Energiepreisen noch weiter sinken. Israel allein wird die Intensität des Kriegs kaum allein weiter aufrecht erhalten können.

Ob der Iran im Falle eines Deeskalationsversuchs vonseiten der USA die Schifffahrt in der Straße von Hormus wieder risikolos zulassen würde, kann kaum prognostiziert werden. Zu unsicher ist, wer dort gerade die wesentlichen politischen Entscheidungen trifft und welche Zielsetzungen verfolgt werden. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass auch der Iran ein Interesse daran hat, die Route schnell wieder frei zu passieren, damit eigene Rohöllieferungen bspw. nach China wieder reibungslos aufgenommen werden können.

Das Hauptrisiko für die Märkte bleibt eine lange anhaltende Sperrung der Straße von Hormus und damit weiter stark erhöhte Ölpreise. In diesem Fall würde weltweit der private Konsum durch höhere Inflation eingeschränkt und die Investitionsbereitschaft von Unternehmen aufgrund unsicherer wirtschaftlicher Perspektiven deutlich eingetrübt werden. Die Notenbanken müssten ggf. die Leitzinsen erhöhen.

Andererseits werden staatliche Ausgaben zur Stärkung der Resilienz der Energieversorgung weiter ansteigen und zusätzlich zu den ohnehin erhöhten Ausgaben für die Ertüchtigung von Infrastruktur und Verteidigungsfähigkeit das Wachstum stützen – nicht nur in Deutschland.

Auf dieser Basis gehen wir aus heutiger Sicht von den folgenden konjunkturellen Szenarien für Deutschland aus:

 – Basisszenario „moderates Wachstum“ (60% Wahrscheinlichkeit): Der Ölpreis (Brent) liegt bis maximal Ende April bei 100 USD oder darüber und würde danach auf etwa 70 bis 80 USD sinken. Das Wachstum fiele um ca. 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte geringer aus. Die Inflation würde in der Spitze ca. 3 Prozent erreichen und läge im Jahresmittel bei 2,5 Prozent.

 – Risikoszenario „Stagflation“ (40% Wahrscheinlichkeit): Der Brent bleibt monatelang auf stark erhöhten Niveaus. Der Wachstumsdämpfer läge bei 0,5 bis 0,8 Prozent. Die Inflation könnte in der Spitze bis zu 5 Prozent erreichen und läge im Jahresmittel bei etwa 3 Prozent.

In beiden Szenarien ist mindestens eine Leitzinsanhebung durch die EZB wahrscheinlich.

Trotz der positiven Gegenbewegung an den Börsen vom 23. März bleibt die Möglichkeit erneuter Rücksetzer bei Aktiennotierungen und wieder steigender Renditen bei Anleihen gegeben, insbesondere bei Eintreten des Risikoszenarios und im Fall stärker steigender Notenbankzinsen

Allerdings halten wir das Basisszenario für wahrscheinlicher und gehen davon aus, dass ein Großteil des negativen Einflusses der Krise bereits an den Kapitalmärkten eingepreist ist. Sobald sich Deeskalationsbemühungen konkretisieren sollten, wäre mit deutlich steigenden Kursen zu rechnen.

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Auf dem Bild sieht man Chefvolkswirt Carsten Mumm mit grauem Sakko, weißem Hemd und freundlichem Blick in die Kamera.

Carsten Mumm

Chefvolkswirt

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