• Ultaleichtflugzeug gleitet ruhig durch einen blauen Himmel

Emotionaler Abstand hilft bei der Kapitalanlage

10.04.2026 / Carsten Mumm

Wie Anleger trotz politischer Krisen ruhig investieren

Im bisherigen Verlauf des Jahres 2026 haben sich an den internationalen Kapitalmärkten einige kaum für möglich gehaltene Kursbewegungen ergeben. Dabei war einer der wesentlichen Einflussfaktoren US-Präsident Donald Trump mit immer wieder neuen, oft unberechenbaren Akzenten und resultierend einer fast überbordenden Medienpräsenz. Die handstreichartige Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Maduro, die Ambitionen zur Übernahme Grönlands, die umstrittenen Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE, Drohungen aus der NATO auszutreten oder die üblichen Zollankündigungen seien an dieser Stelle nur beispielhaft genannt und hatten jeweils nur geringe Auswirkungen an den Börsen.

„Trump always chickens out“: Medienlärm versus Marktreaktionen

Offensichtlich haben sich Anlegerinnen und Anleger sowie Unternehmen bereits an den erratischen unvorhersehbaren Politikstil Trumps gewöhnt und reagieren nicht mehr auf jede Aktion der US-Regierung sofort. Zumal sich in den letzten Monaten unter der Bezeichnung „TACO“ – Trump always chickens out – ein relativierendes Kennzeichen Trumps Politik herauskristallisiert hat. Oft wurden Drohungen oder auch konkrete Maßnahmen der US-Regierung zeitnah wieder verworfen, insbesondere wenn sie sich als nicht durchsetzbar erwiesen haben oder wenn sie stark negative Auswirkungen an den Kapitalmärkten in Form von fallenden Aktienkursen und/oder steigenden Zinsen für amerikanische Staatsanleihen provozierten.

US-Notenbank, Dollar und Edelmetalle

Zwei Ereignisse haben jedoch für nachhaltige Auswirkungen gesorgt, die bis heute spürbar sind. Nachdem die US-Notenbank Fed im Januar aufgrund anhaltend hoher Inflationsraten und angesichts einer dynamischen Entwicklung der Konjunktur auf eine Leitzinssenkung verzichtete, verschärfte sich die Kritik Trumps an der geldpolitischen Ausrichtung der Fed und die verbalen Attacken gegenüber dem Fed-Präsidenten, Jerome Powell, nahmen zu. An den Kapitalmärkten stieg in der Folge die Sorge vor einer drastischen Einschränkung der Unabhängigkeit der Notenbank, insbesondere wenn die damals bevorstehende Nominierung des künftigen Fed-Chefs – Powells Amtszeit als Vorsitzender endet im Mai – einen Trump gegenüber willfährigen Kandidaten hervorgebracht hätte. Es begann eine kurzzeitige Flucht aus dem Dollar. Entsprechend zogen die Renditen von US-Staatsanleihen deutlich an, der Dollar wertete ab – im Vergleich zum Euro bis über die Marke von 1,20 EUR/USD – und Gold- und Silbernotierungen stiegen auf neue Rekordstände. Tatsächlich wurde dann jedoch Kevin Warsh von Trump als künftiger Fed-Präsident benannt. Warsh gilt als ausgewiesener Finanzexperte, hat bereits einige Jahre bei der US-Notenbank gearbeitet und dürfte die unabhängige Geldpolitik nicht dem Willen der Fiskalpolitik opfern, so die allgemeine Interpretation. Folglich stieg der Dollar wieder an und Gold und Silber hatten heftige Kursverluste zu erleiden.

Geopolitische Risiken und Ölpreise: Auswirkungen des Iran-Konflikts auf Aktien und Anleihen

Das zweite einschneidende Ereignis war die Eskalation des Iran-Konflikts durch die militärischen Schläge vonseiten der USA und Israels und die unerwartet heftige Reaktion Teherans. Für die globale Wirtschaft und die Börsen stehen dabei die durch die Sperrung der Straße von Hormus resultierenden Lieferkettenunterbrechungen sowie die Zerstörungen von Erdöl- und Gasförder- und Verladekapazitäten im Fokus. Der plötzliche Ausfall von rund 20 Prozent der weltilweiten Öl- und Gasförderung forcierte einen sprunghaften Anstieg der Energiepreise und teils heftige Kursverluste bei Aktien. Betroffen waren vor allem stark energieimportabhängige Volkswirtschaften Europas und Asiens, deren Wachstumserwartungen bereits nach unten korrigiert wurden. Gleichzeitig stiegen aber aufgrund des unmittelbar spürbaren inflationären Effekts – im März fiel die Inflation in Deutschland mit 2,7 Prozent deutlich höher aus als im Februar – die Renditen von Staatsanleihen und damit auch die Marktzinsen an. Die Kurse von Anleihen und Aktien gaben also gleichzeitig nach. Und auch Edelmetalle waren im März kein „sicherer Hafen“ für Kapitalanleger, da größere Halter von Gold nennenswerte Bestände verkauften, um Liquidität zu erlösen. Zwar erzeugte Anfang April die Nachricht eines Waffenstilstands zwischen den Kriegsparteien eine zwischenzeitliche Kurserholung. Die Lage bleibt aber voraussichtlich auf absehbare Zeit fragil. Das Geschehen an den Börsen dürfte auch im weiteren Jahresverlauf von kaum berechenbaren Faktoren wie bspw. politischen Entscheidungen maßgeblich beeinflusst werden.

Dauerkrisen als Normalzustand: Kapitalanlage in einer Welt im Wandel

Angesichts dieser Gemengelage erscheinen Risiken für viele Anleger enorm und völlig unkalkulierbar. Renditechancen rücken in den Hintergrund. Der Wunsch nach einem Erhalt des angelegten Kapitals nimmt Überhand. Für manche ist ein vielleicht naheliegender Gedanke, alle oder den Großteil bestehender Anlagen zu liquidieren und mit einem größeren Bestand an Liquidität eine Beruhigung der aufgeheizten Lage abzuwarten. Dabei gilt es allerdings zu berücksichtigen, dass wir uns schon seit Jahren in einem besonders dynamischen und unsicheren Umfeld bewegen. Geopolitisch, wirtschaftlich und teilweise gesellschaftlich befinden wir uns in einer Umbruchphase, in der viele Gewissheiten der vergangenen Jahrzehnte infrage gestellt werden. Relevante Aspekte in diesem Kontext sind der Klimawandel, geopolitische Krisen mit Auswirkungen auf die Sicherheitslage in Europa, demografische Entwicklungen, die zunehmende Konkurrenz Chinas an den Weltmärkten, immer wieder auftretende Unterbrechungen globaler Lieferketten und mehr. Die Zukunft wird in vielerlei Hinsicht anders aussehen, nur wie, kann kaum vorhergesehen werden. Entsprechend groß ist die Verunsicherung für viele Menschen, unabhängig vom Gesichtspunkt der Kapitalanlage.

Chancen in Krisenzeiten: Investitionen, Innovationen und struktureller Wandel

Gerade diese, durch vielfältige Krisen geprägten Zeiten bergen aber auch enorme Chancen. Nur wenn es ungemütlich wird, steigt die Veränderungsbereitschaft und es besteht ein erhöhter Anreiz für Reformen und Innovationen. Dieser Effekt wird an vielen Stellen deutlich. So nehmen Staaten gerade sehr viel Geld in die Hand, um ihre Resilienz durch Investitionen in Infrastruktur, Verteidigungsfähigkeit und Energiesicherheit sowie durch den Abbau kritischer Abhängigkeiten zu erhöhen. In Europa hat sich eine bisher kaum gekannte Dynamik bei der Vereinbarung von Freihandelsabkommen entwickelt. Sowohl die EU-Kommission als auch die Bundesregierung werden bei dringend benötigten Strukturreformen zur Verbesserung der Standortattraktivität zumindest immer konkreter und setzen diese teilweise bereits um. Unternehmen bauen Lieferketten um und versuchen durch den Einsatz neuester Technologien den Auswirkungen des absehbaren Arbeitskräftemangels zu begegnen und Kosten zu senken. Große Kapitalsammelstellen und Notenbanken sind dabei, ihr traditionell sehr hohes Gewicht an auf US-Dollar basierten Anlagen zu diversifizieren, wovon andere Währungen und Edelmetalle grundsätzlich profitieren könnten. Man könnte diese Liste noch fortsetzen…

Emotionen kontrollieren, Strategie überprüfen: Resilienz und Diversifikation als Schlüssel für langfristigen Erfolg

Auch wenn also die Risiken zwischenzeitlich überwältigend wirken und sich immer wieder in Form von Kurskorrekturen an den Börsen bemerkbar machen, sollten Anleger sich einen konstruktiven, möglichst wenig emotional überlagerten Blick bewahren. Wer abwartet, bis die Lage sich beruhigt hat, wird enorme Renditechancen verpassen. Es braucht mehr denn je eine durchdachte Anlagestrategie mit ausreichender Diversifikation über verschiedene Anlageklassen und innerhalb einzelner Segmente sowie die Gewissheit eines längeren Anlagehorizonts, um Panikreaktionen – also Verkäufe nach Kurseinbrüchen oder Käufe bei stark steigenden Kursen und in der Annahme, es sei die letzte Gelegenheit – zu vermeiden. Auch bei der Kapitalanlage ist Resilienz gefragt, um auf die langfristige, i.d.R. positive Entwicklung an den Kapitalmärkten vertrauen zu können. Wer sein Portfolio entsprechend robust aufgestellt hat, ist in der Lage, zwischenzeitlich negative Marktphasen zu überstehen, ohne in Hektik zu verfallen und unüberlegte Entscheidungen zu treffen. Ruhe zu bewahren ist dabei allerdings nicht gleichzusetzen mit „nichts tun“. Natürlich sollte man die gewählte Anlagestrategie immer wieder einmal hinterfragen und bei Bedarf Anpassungen vornehmen. Dabei helfen wir Ihnen gern…

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Auf dem Bild sieht man Chefvolkswirt Carsten Mumm mit grauem Sakko, weißem Hemd und freundlichem Blick in die Kamera.

Carsten Mumm

Chefvolkswirt

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