Das Kapitalmarktumfeld im August: Schwindender Pessimismus in der deutschen Wirtschaft
Im August kam es zu erneuten Kampfhandlungen zwischen dem Iran und den USA im Nahen Osten. Direkte Verhandlungen über eine Lösung des Konflikts scheinen derzeit nicht stattzufinden. Zwar gab es Berichte über Gespräche mit dem Oman, um eine Öffnung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr zu erreichen, allerdings wurden bisher keine entsprechenden Regelungen getroffen. Sowohl dieser Seeweg als auch der Warentransfer durch die Verbindung zwischen dem Roten Meer und dem Indischen Ozean (Bab al-Mandab) blieben damit weiter erheblich gestört.
Zwischen den USA und Kanada spitzte sich der Handelskonflikt erneut zu. Nachdem US-Präsident Donald Trump trotz des bestehenden Freihandelsabkommens (USMCA) produktspezifische Zölle in Höhe von 50 Prozent einführte, reagierte Kanada mit reziproken Zöllen in gleicher Höhe. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte derweil die Ausweitung von Staatsanleihe-Rückkäufen auf einen Wert von mindestens vier Milliarden Dollar an, um die langfristigen, zuletzt stark gestiegenen Zinsen zu senken. Finanziert werden die Transaktionen durch die verstärkte Ausgabe von Anleihen mit sehr kurzen Laufzeiten von wenigen Monaten.
In Deutschland zeichnete das ifo-Geschäftsklima den vierten Anstieg in Folge. Sowohl die Beurteilung der gegenwärtigen Lage als auch die Geschäftserwartungen verbesserten sich, während die von den Unternehmen wahrgenommene Unsicherheit weiter nachließ. Besonders im Verarbeitenden Gewerbe stieg die Zuversicht an. Aufgrund gestiegener Exporte fiel das Wirtschaftswachstum Deutschlands im zweiten Quartal mit 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal besser als erwartet aus. Die von S&P Global erhobenen Einkaufsmanagerindizes signalisierten ebenfalls eine leichte Belebung der wirtschaftlichen Aktivität in vielen Volkswirtschaften. Einer robusteren Entwicklung der Industrie stand allerdings weiterhin eine schwächere Dynamik im Dienstleistungssektor gegenüber.
In den USA verharrte die Inflation weiterhin oberhalb des Zielwertes der Notenbank Fed, wenngleich sie mit 3,4 Prozent im Juli geringer ausfiel als im Vormonat. Das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß der PCE-Preise (Personal Consumption Expenditures) zeigte ebenso einen anhaltend dynamischen Preisauftrieb. In Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming fand das jährliche Treffen internationaler Notenbanken statt. Fed-Chef Kevin Warsh erklärte die Preisniveaustabilität zur höchsten Priorität und betonte die Notwendigkeit datenabhängiger Zinsentscheidungen. Die Wahrscheinlichkeit für Leitzinsanhebungen in den USA im weiteren Jahresverlauf stieg damit an. In Deutschland stieg die Inflation im August durch erneut höhere Energiepreise auf 2,9 Prozent an.
Zinsen: Global auf hohen Niveaus
Die Renditen von Bundesanleihen stiegen über alle Laufzeiten hinweg um etwa 10 Basispunkte an. Auch US-Staatsanleihen hatten steigende Zinsen zu verzeichnen, allerdings mit einer schwächeren Dynamik. Die Renditen 30-jähriger US-Treasuries notierten bei 5,25 Prozent p.a. und damit nahe dem höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren. Aufgrund der anhaltenden politischen Unsicherheit und einer bevorstehenden Haushaltsabstimmung stiegen die Risikoprämien für französische Staatsanleihen erneut an. Im Segment der Unternehmensanleihen legten die Risikoprämien für europäische Unternehmen um knapp 15 Basispunkte zu.
Aktien: Fortlaufende Erholung
Der deutsche Leitindex DAX gab im August per Saldo leicht nach, verharrte aber weiterhin über der Marke von 26.000 Punkten. Zwischenzeitlich wurde ein neues Allzeithoch von 26.600 Punkten erreicht. Ein ähnliches Bild zeigten amerikanische und japanische Indizes mit einem Plus von jeweils knapp 3 Prozent beim US-Leitindex S&P 500 und beim NIKKEI 225.
Währungen: Festerer Euro, schwächerer Yen
Der US-Dollar gab zu Monatsbeginn kräftig nach, sodass er im Vergleich zum Euro temporär bei 1,17 EUR/USD notierte. Zuletzt konnte der Dollar jedoch wieder etwas an Stärke gewinnen und notierte am Monatsende bei rund 1,15 EUR/USD. Gegenüber dem Schweizer Franken legte der Euro auf etwa 0,94 EUR/CHF zu und stabilisiert sich bei 0,93 EUR/CHF. Seinen Abwärtstrend setzte der japanische Yen fort und schloss im Vergleich zum US-Dollar bei 160 USD/JPY.
Rohstoffe: Steigende Rohstoffpreise
Der Preis für ein Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent lag zu Monatsbeginn kurzfristig unter 80 US-Dollar, stieg jedoch zuletzt erneut auf über 90 Dollar an. Edelmetallpreise legten um rund zehn Prozent zu. So lag der Goldpreis temporär bei rund 4.700 und zuletzt bei knapp 4.500 US-Dollar. Auch der Preis für Silber notierte mit 65 Dollar wieder höher.