• Ein Mann im Anzug steht vor einem blauen Hintergrund mit einem aufsteigenden Börsengrafen.

Märkte mit Mumm

Börsen im Februar: erhöhte Vorsicht

2. März 2023, Carsten Mumm

Das Kapitalmarktumfeld: Inflation im Fokus

Konjunkturell deuten die jüngsten Einkaufsmanagerindizes global eine weitere Stabilisierung der Wachstumsdynamik in den kommenden Monaten an. Während die aktuelle Lage von den befragten Unternehmen noch als überwiegend schwierig beschrieben wurde, steigt die Zuversicht über die künftigen Geschäftserwartungen merklich an, vor allem bei Dienstleistern. Der ifo-Geschäftsklimaindex zeichnet für Deutschland ein ähnliches Bild und eine positivere Stimmungslage in nahezu allen relevanten Segmenten. Einzig die Baubranche blickt angesichts des kosten- und zinsinduzierten Auftragseinbruchs auf eine kurzfristig ungewisse Zukunft. Auch der GfK-Konsumklimaindex für Deutschland konnte sich erneut leicht verbessern, wenngleich die anhaltend hohen Preisniveausteigerungen die Anschaffungsneigung privater Konsumenten weiterhin dämpfen.

Für die Perspektiven der für die deutsche Volkswirtschaft besonders wichtigen exportorientierten Industrie spielt der erwartete dynamische Aufschwung Chinas nach dem Ende der derzeitigen Corona-Pandemiewelle eine wichtige Rolle. Vonseiten der chinesischen Regierung wurde die Pandemie kürzlich für „im Grunde beendet“ erklärt und es gibt klare Signale für eine fiskal- und geldpolitische Unterstützung der bereits erkennbaren wirtschaftlichen Erholung. Allerdings bringen ein weniger starker Wachstumseinbruch und eine schnellere wirtschaftliche Erholung auch langsamer sinkende Teuerungsraten mit sich. Zwar werden die Nominalinflationsraten aufgrund der im Vergleich zum Vorjahr niedrigeren Preise für Energie und Nahrungsmittel in den kommenden Monaten nachgeben,

„allerdings zeigten die Kernraten der Inflation in der Eurozone und in den USA zuletzt, dass steigende Preise mittlerweile nahezu alle Produkt- und Dienstleistungskategorien erfasst haben.“

Vonseiten der Europäischen Zentralbank (EZB) wurde entsprechend untermauert, dass man die Gefahr einer Verankerung von Inflationserwartungen auf erhöhten Niveaus auch nach dem erneuten Anheben der Leitzinsen um 0,50 Prozentpunkte Anfang Februar noch nicht für gebannt hält. Zwar sind die Finanzierungskonditionen bereits stark gestiegen und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage lässt spürbar nach, allerdings deuten insbesondere Lohnsteigerungen und anhaltend hohe Gewinnmargen von Unternehmen einen weiter bestehenden Inflationsdruck an. Daher dürften nach der vom Markt erwarteten Leitzinserhöhung Mitte März weitere Schritte folgen. Auch in den USA sind nach einer erwarteten Zinsanhebung im März mittlerweile zusätzliche Zinsanhebungen wahrscheinlicher geworden.

Zinsen: höher

Der anhaltend hohe Inflationsdruck sowie die Aussicht auf weiter steigende Leitzinsen wirkten sich auch auf das Segment der Staatsanleihen aus. So zog die Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe im Februar von 2,28 auf 2,64 Prozent p.a. an, während bei zwei Jahren Laufzeit die Marke von 3 Prozent p.a. überschritten wurde. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten Ende Februar mit 3,94 Prozent p.a. ebenfalls deutlich höher.

Aktien: leicht schwächer

Aktienindizes gaben nach den deutlichen Kursgewinnen im Januar überwiegend leicht nach. Der deutsche Leitindex DAX notierte Ende Februar bei 15.365 Punkten, während der US-Standardwerteindex S&P 500 3.970 Punkte erreichte. Leicht zulegen konnte hingegen der britische Aktienindex FTSE 100.

Währungen: Euro schwächer

Der Euro gab im Vergleich zum US-Dollar von knapp 1,09 auf 1,06 EUR/USD nach, nachdem von der US-Notenbank Fed mittlerweile mehr als nur noch ein weiterer Leitzinsschritt erwartet werden. Gegenüber dem japanischen Yen legte der Euro leicht auf 144 EUR/JPY zu, während die Notierungen des Schweizer Franken und des britischen Pfunds nahezu unverändert bei 1,00 EUR/CHF bzw. 0,88 EUR/GBP blieben.

Rohstoffe: Gold schwächer, Rohöl kaum verändert

Der Preis für eine Feinunze Gold gab im Zuge steigender Zinserwartungen und eines festeren US-Dollar um knapp 5 Prozent auf 1.826 US-Dollar nach. Die Notierung für ein Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent lag Ende Februar kaum verändert bei 83,67 US-Dollar.

Krypto-Anlagen

Sowohl Bitcoin als auch Ethereum notierten am Monatsende nach zwischenzeitlichen Rücksetzern nahe der Januarendstände bei 23.130 bzw. 1.605 US-Dollar. Deutlicher abwärts ging es hingegen für andere Krypto-Anlagen wie bspw. Cardano und Solana.

Implikationen für Anleger

An den Kapitalmärkten bleibt es bei dem Motto „gute Konjunkturdaten erhöhen die Skepsis“, insbesondere bzgl. der anstehenden geldpolitischen Ausrichtungen vieler Notenbanken. Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass die Inflationsraten nur langsam fallen werden und dass vor allem die Kerninflation weiterem Aufwärtsdruck unterliegt. Damit werden die EZB und die US-Notenbank Fed voraussichtlich wieder verstärkt betonen, dass sie derzeit vornehmlich die Inflationsgefahren bekämpfen und dabei auch einen stärkeren wirtschaftlichen Einbruch in Kauf nehmen werden. Solange Leitzinserhöhungspausen jedoch nicht konkret absehbar sind, dürften Aktienkurse trotz sich verbessernder realwirtschaftlicher Perspektiven vorerst gedeckelt bleiben, Zinsen am langen Ende leicht steigen und der Euro um Vergleich zum US-Dollar seitwärts tendieren. Angesichts fehlender Aufwärtsimpulse erhöht sich auch die Gefahr größerer Rücksetzer an den Aktienbörsen im Falle unerwartet auftretender negativer Schlagzeilen, etwa von geopolitischer Seite oder durch schwächere Unternehmensergebnisse.

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