• Ein halbrunder Plenarsaal mit blauen Abgeordnetensesseln, einem zentralen Rednerpult und zwei hinteren Podien. An der Rückwand sind die deutsche und die EU-Flagge zu sehen.

Mumm kompakt – Deutsche Unternehmen warten auf Unterstützung der Politik

26.08.2025 / Carsten Mumm

Eine schwächere Dynamik der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal war absehbar, denn am Jahresanfang haben viele Unternehmen in der Erwartung künftig höherer Zölle Aufträge und Produktion vorgezogen, die in den Folgemonaten fehlten. Trotzdem sorgten die Daten des Statistischen Bundesamts zum deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) für Ernüchterung. Mit 0,3 Prozent schrumpfte die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung stärker als angenommen. Vor allem die Industrieproduktion und die Exporte fielen schwächer aus, nachdem diese im ersten Quartal noch stärker zulegen konnten. Der private Konsum stieg um gerade einmal 0,1 Prozent, so dass vor allem der Anstieg der staatlichen Konsumausgaben um 0,8 Prozent noch schwächere Wachstumsdaten verhinderte.

Beim Blick nach vorn spielt weiterhin der kaum kalkulierbare Handelskonflikt mit den USA eine entscheidende Rolle. Zwar haben sich EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und US-Präsident Trump auf einen Zollsatz in Höhe von 15 Prozent auf Exporte aus der EU in Richtung USA geeinigt. Allerdings bedeutet dies eine deutlich gestiegene Zollbelastung für EU-Waren. Zudem sind einige Aspekte noch unklar, u.a. ob und wann die aktuellen Zölle auf Autoexporte von 27,5 Prozent wieder sinken. Es ist auch davon auszugehen, dass künftig immer wieder neue oder höhere Zölle vonseiten der US-Regierung ins Spiel gebracht werden.

Trotzdem untermauern aktuelle Umfragen unter Unternehmen die Hoffnung auf eine moderate konjunkturelle Erholung in den kommenden Monaten. So setzte der ifo-Geschäftsklimaindex seinen Trend im bisherigen Jahresverlauf fort und fiel leicht höher aus. Man kann zwar nicht von verbreitetem Optimismus sprechen, aber einige Unternehmen schauen zumindest weniger pessimistisch auf ihre künftigen Geschäftserwartungen. Der HCOB-Einkaufsmanagerindex stieg für das Verarbeitende Gewerbe sogar auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren und rangiert erstmals wieder knapp unter der Grenze von 50 Punkten, deren Überschreiten eine künftig steigende Produktion anzeigen würde. Wichtig für die Wachstumsstabilisierung wäre wieder etwas mehr Unterstützung vonseiten der Politik in Deutschland. Dabei helfen die Aussicht auf höhere Investitionen zur Ertüchtigung der Infrastruktur und der Verteidigungsfähigkeit in den kommenden Jahren sowie verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten nur bedingt. Vielmehr braucht es klar erkennbare Signale zur weiteren Steigerung der Attraktivität des Standorts Deutschland, allen voran den ersehnten Abbau bürokratischer Hürden. Da die Bundesregierung hierzu zuletzt kaum Akzente setzen konnte, dürfte der Fokus an den Börsen weiterhin auf einzelnen Handelsdeals oder Zollverschärfungen durch Donald Trump sowie der künftigen Geldpolitik der US-Notenbank Fed liegen. Immerhin hat Fed-Präsident Powell in seiner vielbeachteten Rede beim internationalen Notenbankentreffen in Jackson Hole in der vergangenen Woche die Tür für eine erste Leitzinssenkung der Fed in diesem Jahr Mitte September offengehalten.

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Mann mit Brille, gekleidet in einem dunklen Anzug und einem weißen Hemd, steht vor einem gelblich-grünen Hintergrund.

Carsten Mumm

Chefvolkswirt

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