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Mumm kompakt – Warum die Grönland-Krise kurzfristig eine Eiszeit an den Märkten auslösen könnte!

20.01.2026 / Carsten Mumm

Wenn Grönland nicht an die USA verkauft wird, drohen acht ausgewählten europäischen Staaten, unter anderem Deutschland, zusätzliche Zölle für Exporte in die USA in Höhe von zunächst 10 Prozent sowie eine Erhöhung ab Juni auf 25 Prozent.

Eines muss man Donald Trump lassen: Er bleibt sich selbst treu.
Wann immer eine politische Entwicklung irgendwo in der Welt nicht nach seinem Geschmack verläuft oder er selbst ein politisches Ziel nicht anderweitig erreichen kann, schwingt er mit der Zoll-Keule. Besonders abstrus ist Trumps Verweis auf den nicht verliehenen Friedens-Nobelpreis als Grund für die beispiellose Eskalation um die gewünschte Annexion Grönlands.

Wichtig für Europa ist vor allem die Erkenntnis, dass auf den ehemaligen Verbündeten in dieser politischen Konstellation kein Verlass ist. Die Konsequenz kann nur lauten: Europa muss sich emanzipieren und eigenständig werden – sowohl militärisch als auch wirtschaftlich!

Gegenmaßnahmen von europäischer Seite wären deshalb nachvollziehbar. Im Raum stehen die Aussetzung des im Sommer ausgehandelten Zoll-Deals zwischen der EU und den USA sowie die Verhängung von zusätzlichen Zöllen auf amerikanische Importgüter im Wert von rund 90 Mrd. Dollar oder sogar ein komplettes Importverbot für bestimmte Waren sowie Sonderbesteuerungen von US-Unternehmen.

Eine weitere Eskalation des Handelskonflikts würde deutsche Exporte empfindlich treffen und könnte das Wirtschaftswachstum in Deutschland in diesem Jahr um bis zu 1 Prozent dämpfen. Sinkende Exporte in Richtung USA könnten zumindest teilweise durch einen steigenden Warenhandel innerhalb Europas und mit anderen freundlich assoziierten Handelspartnern kompensiert werden.

An den Kapitalmärkten ist kurzfristig die Unsicherheit gestiegen, und die Wahrscheinlichkeit für weitere zwischenzeitliche Aktienmarktverluste hat zugenommen. Allerdings können Anzeichen einer Deeskalation auch jederzeit zu entsprechenden Gegenbewegungen führen.

Zudem dürfte der Trend zur Steigerung der Resilienz bei Unternehmen und Staaten Investitionen zur Verbesserung der Verteidigungsfähigkeit, zur Stabilisierung von Lieferketten und der Infrastruktur sowie des Gesundheits- und Bildungssystems forcieren. Zwar werden dadurch Staatsschulden und bei Anleihen mit längeren Laufzeiten möglicherweise auch die Renditen weiter steigen. Viele Unternehmen werden aber von einem verbesserten Auftragspolster profitieren und haben entsprechend positive Gewinnaussichten.

Intakt bleibt angesichts der allgegenwärtigen Unsicherheiten die Nachfrage nach „sicheren Häfen“ wie Gold, dagegen kann der Dollar diese Rolle wie schon im April vergangenen Jahres nicht mehr einnehmen.

Anlegerinnen und Anleger sollten trotz der aktuellen Gemengelage konstruktiv bleiben. Neben einer breiten Streuung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen – unter anderem Edelmetalle – gibt es eine Vielzahl von Qualitätsaktien mit stabilen Cashflows und robusten Gewinnaussichten, die in turbulenten Marktphasen ihre Stärke ausspielen sollten.

Auf der Zinsseite sollten vorerst sehr lange Laufzeiten vermieden werden, um potenzielle Schwankungen zu reduzieren. Wir gehen davon aus, dass sowohl die Fiskal- als auch die Geldpolitik in vielen Regionen weltweit tendenziell expansiv bleiben und dadurch die Konjunktur und die Kapitalmärkte stützen werden. Abgesehen von zwischenzeitlich möglichen Kursrücksetzern, halten wir eine anhaltende Phase von Aktienkursverlusten derzeit für wenig wahrscheinlich.

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Auf dem Bild sieht man Chefvolkswirt Carsten Mumm mit grauem Sakko, weißem Hemd und freundlichem Blick in die Kamera.

Carsten Mumm

Chefvolkswirt

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