• Ein Mann im Anzug steht vor einem blauen Hintergrund mit einem aufsteigenden Börsengrafen.

Märkte mit Mumm

Börsen im März: üble Nachwirkungen

4. April 2023, Carsten Mumm

Das Kapitalmarktumfeld: „Bankenbeben“ und Zinsentscheide

Die zwischenzeitlichen Turbulenzen im Bankensektor, vor allem in den USA und der Schweiz, sowie die Entscheidungen einiger weltweit bedeutender Notenbanken über deren künftigen geldpolitischen Kurs standen im März im Mittelpunkt des Interesses an den internationalen Börsen. Beide Aspekte stehen in einem engen Zusammenhang, denn zumindest die Pleiten zweier US-Banken wurden nicht zuletzt durch den massiven Zinsanstieg der letzten Monate und daraus resultierender erheblicher Verluste bei bestehenden Positionen in Staatsanleihen hervorgerufen. Als aufgrund verstärkter Gerüchte um eine mögliche Zahlungsunfähigkeit der Silicon Valley Bank Anleger begannen, erhebliche Einlagenvolumina abzuheben, musste die Bank schließlich Insolvenz anmelden. Die Folge waren sich verstärkende Zweifel an der Robustheit weiterer Kreditinstitute von denen – unterstützt durch eine unglückliche Kommunikation eines großen Anteilseigners – die Schweizer Großbank Credit Suisse am stärksten betroffen war.

„Letztlich wurde eine drohende weitere Vertrauenskrise, die den gesamten Finanzsektor und weitere Regionen hätte erfassen können, vom schnellen und konsequenten Eingreifen von Regierungen, Notenbanken und Aufsichtsbehörden verhindert.“

In den USA wurden Bankeinlagen teilweise staatlich garantiert und dem Finanzsystem weitreichende Liquiditätshilfen zur Verfügung gestellt. In der Schweiz wurde die Credit Suisse durch die noch größere Bank UBS übernommen. Und auch in der Eurozone, Großbritannien und weiteren Staaten wurden Krisenstäbe eingesetzt sowie stabilisierende – teilweise international koordinierte – Maßnahmen implementiert, um die deutlich erhöhte Nervosität an den Börsen zu beruhigen.

Trotzdem ließen sich die Notenbanken nicht von ihren Leitzinserhöhungskursen abbringen. So beschlossen unter anderem die Europäische Zentralbank (EZB), die US-Notenbank Fed sowie die Bank of England und die Schweizer Nationalbank weitere Zinserhöhungen. Alle ließen zudem keinen Zweifel daran, ihren Fokus vorerst weiter auf die nach wie vor zu hohen Inflationsdynamiken zu legen, auch wenn sie im Bedarfsfall zur Stabilisierung des Finanzsystems bereitstehen und weitere geldpolitische Entscheidungen aufgrund derzeit vieler nur schwer berechenbarer Einflussfaktoren zumeist abhängig von jeweils aktuellen volkswirtschaftlichen Daten vornehmen.

In der Eurozone fiel die Inflation im März deutlich von 8,5 auf 6,9 Prozent, vor allem weil die in den letzten Monaten stark gesunkenen Energie- und Rohstoffpreise mit den Höchstwerten des Vorjahres verglichen wurden. Die Kernrate der Inflation ohne die stark schwankungsanfälligen Komponenten Energie und Nahrungsmittel legte hingegen mit 5,7 Prozent weiter zu. In den USA deutete sich ein leicht nachgebender Inflationsdruck an.

Konjunkturelle Frühindikatoren entwickelten sich gemischt. Während der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland überraschend stark zulegte, deuteten Einkaufsmanagerindizes in vielen Staaten auf eine zunehmende Zweiteilung der Wachstumsdynamik mit einer schwächeren Industrie und einem prosperierenden Dienstleistungssektor hin.

Zinsen: deutlich tiefer

Die Renditen von Staatsanleihen gaben aufgrund der erhöhten Unsicherheiten nach. So fiel die Verzinsung einer zehnjährigen Bundesanleihe zwischenzeitlich auf 2,10 Prozent p.a. und stand Ende März bei 2,30 Prozent p.a. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten mit 3,47 Prozent p.a. ebenfalls deutlich tiefer. Die Renditen von Unternehmensanleihen mit guter Bonität veränderten sich kaum, während Risikoprämien von Nachranganleihen, vor allem im Finanzsektor deutlich anstiegen.

Aktien: zumeist fester

Europäische und US-Aktienindizes hatten nach zwischenzeitlich größeren Verlusten per Saldo überwiegend leichte Aufschläge zu verzeichnen. So fiel der deutsche Leitindex DAX von rund 15.650 Punkten Anfang März auf 14.800 Punkte zurück, um dann wieder über die Marke von 15.600 Punkten zu steigen. Der US-Standardwerteindex S&P 500 zog im März um 3,5 Prozent auf 4.109 Punkte an. Um rund 10 Prozent stieg der Technologieaktienindex NASDAQ 100 an. Der Schwellenländeraktienindex MSCI Emerging Markets hingegen veränderte sich kaum.

Währungen: Euro fester

Der Euro stieg im Vergleich zum US-Dollar von knapp 1,06 auf gut 1,08 EUR/USD. Gegenüber dem Yen, dem Schweizer Franken und dem britischen Pfund hingegen wertete die Gemeinschaftswährung leicht ab.

Rohstoffe: Gold fester, Rohöl schwächer

Die Notierung für ein Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent fiel im März auf 79,11 US-Dollar. Der Preis für eine Feinunze Gold hingegen stieg deutlich um knapp 8 Prozent auf 1.969 US-Dollar. Zulegen konnte auch der Silberpreis auf 24 US-Dollar. Die Notierungen einiger Industrierohstoffe wie Platin, Palladium und Aluminium stiegen leicht.

Krypto-Anlagen: deutlich im Plus

Anders als im kompletten Jahr 2022 konnten viele Krypto-Anlagen im Zuge des „Bankenbebens“ deutliche Kursgewinne verzeichnen und damit die zwischenzeitlichen Verluste in anderen Anlageklassen teilweise ausgleichen. So stieg der Bitcoin-Kurs um rund 5.000 auf mehr als 28.000 US-Dollar, während Ethereum von 1.600 auf 1.820 US-Dollar zulegte.

Implikationen für Anleger

Die Turbulenzen im Bankensektor offenbarten bisher kaum zutage getretene Nachwirkungen der historisch beispiellosen Zinswenden vieler Notenbanken seit dem Frühjahr 2022. Nachdem zunächst die Kurse sämtlicher liquider Anlageklassen heftige Verluste im Zuge einer Anpassung an das gestiegene Zinsniveau zu erleiden hatten und die Reaktion im Bereich illiquider Anlagen – bspw. bei Immobilien – noch im Gang ist, wird nun eine Folgekette erkennbar. Nicht nur Anleger, sondern auch nahezu die gesamte Finanzindustrie hat, je nach individuellen Geschäftsschwerpunkten und Risikoabsicherungen, mehr oder weniger starke Verluste zu verarbeiten. Dabei sind die schwächsten Institute in existenzielle Schwierigkeiten geraten. Bei Banken kommt erschwerend eine konjunkturbedingt schleppende Kreditvergabe sowie eine flache Zinsstruktur mit nur noch beschränkten Ertragsmöglichkeiten durch die Ausnutzung von Zinsdifferenzen zwischen kurzen und langen Laufzeiten (Fristentransformation) hinzu. In den kommenden Wochen dürften zudem steigende Ausfallraten bei Krediten zu verzeichnen sein, denn die Zinsen werden wohl länger auf erhöhten Niveaus bleiben und dadurch Unternehmen und privaten Immobilienbesitzern die Anschlussfinanzierungen erheblich verteuern. Andererseits halten Banken noch immer große Mengen an Überschussliquidität auf Konten der Europäischen Zentralbank, die nunmehr positive Zinserträge erwirtschaften. Ein strukturelles Problem wie im Zuge der Banken- und Finanzkrise 2008/2009 ist derzeit jedoch nicht erkennbar. Auch wenn in einer hochnervösen Stimmungslage weitere Unsicherheiten entstehen werden, hat vor allem das rigorose und zielführende Eingreifen staatlicher Institutionen Schlimmeres verhindert. Damit bleiben die Notenbanken vorerst die wesentlichen Einflussfaktoren. Erst wenn sich Leitzinserhöhungspausen klar abzeichnen, werden größere Aufwärtsimpulse an den Börsen wahrscheinlicher.

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