Das Kapitalmarktumfeld im Juni: Absichtserklärung zum Kriegsende im Nahen Osten
Nachdem die Lage im Nahen Osten sich zu Monatsbeginn durch gegenseitige Angriffe zwischen dem Iran und Israel erneut zuspitzte, unterzeichneten Regierungsvertreter der USA und des Iran am 15. Juni eine Absichtserklärung zum Kriegsende. Die genaue Ausgestaltung des Abkommens und der damit einhergehenden Öffnung der Straße von Hormus blieben jedoch unklar. Trotz offizieller Waffenruhe erfolgten erneut beiderseitige Angriffe. Der Iran verkündete in der Folge erneut die Sperrung der Straße von Hormus, wenngleich der Schiffsverkehr dort zuzunehmen scheint.
Die Stimmungslage deutscher Unternehmen verzeichnete gemäß ifo-Geschäftsklima branchenübergreifend auf niedrigem Niveau eine leichte Verbesserung. Demgegenüber markieren die von S&P Global erhobenen Einkaufsmanagerindizes (PMI) einen Rückfall der deutschen Wirtschaft in den rezessiven Bereich. Maßgeblich belastend wirkt der Servicesektor mit einem anhaltenden Rückgang der Geschäftstätigkeit und der Auftragseingänge. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) und auch das ifo Institut erwarten für Deutschland nunmehr ein Wachstum von 0,8 Prozent im Jahr 2026.
Im Zuge des Rahmenabkommens im Nahen Osten gaben die Energiepreise spürbar nach und ließen die Inflation in Deutschland im Juni auf 2,3 Prozent absacken. Mit 2,8 Prozent lag die Teuerung in der Eurozone noch deutlich über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,0 Prozent, sodass diese erwartungsgemäß ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,40 Prozent p.a. anhob. Auch Japans Zentralbank (BoJ) entschied im Juni eine Erhöhung des Leitzinses auf 1 Prozent p.a. und damit auf das höchste Niveau seit 30 Jahren. In den USA stieg die Inflation mit 4,2 Prozent im Mai deutlich und auch die Kernrate – ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise – legte weiter zu, während die US-Notenbank Fed die Leitzinsen unverändert ließ. Kevin Warsh unterstrich bei seinem ersten Zinsentscheid als Fed-Chef klar das Ziel der Inflationsbekämpfung im Zuge einer weniger vorhersehbaren, datenabhängigeren und tendenziell restriktiv bleibenden Geldpolitik.
Der britische Premierminister Keir Starmer kündigte nach nur zwei Jahren Amtszeit seinen Rücktritt an. Er verlor zunehmend an Rückhalt in seiner eigenen Partei. Damit steht Großbritannien vor der Wahl des siebten Premierministers innerhalb von zehn Jahren.
Zinsen: Leicht tiefer
Die Renditen von Bundesanleihen sanken über alle Laufzeiten hinweg um maximal 0,1 Prozentpunkte. Während US-Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten seitwärts tendierten, stiegen die Renditen für 2-jährige Treasuries auf um rund 10 Basispunkte auf 3,73 Prozent p.a. an.
Aktien: Ausbleibende Dynamik
Der deutsche Leitindex DAX gab im Monatsverlauf temporär auf gut 24.000 Punkte nach, bewegte sich aber per Saldo seitwärts mit einem Schlussstand Ende Juni bei 24.996 Punkten. Deutlich dynamischer entwickelte sich der europäische EURO STOXX 50 mit einem Kursplus von 4,7 Prozent. Sowohl der US-Leitindex S&P 500 als auch der Technologieindex NASDAQ 100 gaben um 1 bzw. 2,75 Prozent nach. Deutlich im Plus lag im Vergleich zum Vormonat hingegen der japanische NIKKEI 225 mit 5 Prozent.
Medial sehr hohe Beachtung fand der großvolumige Börsengang des Raumfahrtunternehmens SpaceX von Elon Musk, dem in den kommenden Monaten die beiden KI-Unternehmen Anthropic und OpenAI folgen sollen.
Währungen: Dollar wieder fester
Der US-Dollar gewann im Vergleich zum Euro weiter an Stärke und notierte zum Monatsende bei 1,14 EUR/USD. Gegenüber dem Schweizer Franken stabilisierte sich der Euro bei 0,92 EUR/CHF. Der japanische Yen verlor im Vergleich zum US-Dollar weiter auf 162 USD/JPY.
Rohstoffe: Sinkende Öl- und Edelmetallpreise
Die Rohölpreise gaben weiter kräftig nach, sodass ein Barrel der Nordseesorte Brent mit knapp 74 US-Dollar zum Monatsende nur noch leicht über dem Vorkriegsniveau notierte. Infolge des Zinsentscheids der Fed unterschritt der Goldpreis kurzzeitig die Marke von 4.000 US-Dollar und notierte zum Monatsende nur knapp darüber. Der Silberpreis verlor 22 Prozent und notierte unter der Marke von 60 Dollar.