• Straßenschilder von Wall Street und Broad Street mit unscharfer US-Flagge im Hintergrund.

Die US-Politik schwächt den Dollar – eine Gratwanderung

26.02.2026 / Carsten Mumm

Der US-Dollar dürfte in den nächsten Jahren sukzessive weiter abwerten, wenn auch nicht so rasant wie im ersten Halbjahr 2025. Die erratische und im internationalen Kontext wenig kooperative „America-First“-Politik Donald Trumps schadet dem Wirtschaftsstandort USA, denn Planungssicherheit sinkt und kritische Abhängigkeiten werden zulasten ausländischer Unternehmen ausgenutzt. Die jüngste Zolleskalation nach Bescheid des Obersten Gerichtshofs in den USA, demzufolge ein Großteil der bisher von der Trump-Regierung verhängten Zölle nicht rechtens sind, hat diese Unsicherheit erneut forciert. Innerhalb weniger Stunden mussten betroffene Unternehmen mit einem Zollsatz von zunächst null, nach zwei Ankündigungen Trumps dann mit 10 bzw. 15 Prozent und schließlich doch wieder mit 10 Prozent kalkulieren. Allerdings gilt dieser Zoll zunächst für maximal 150 Tage, denn einer Verlängerung müsste der Kongress zustimmen. Dann oder auch bis dahin dürfte sich die Planungsgrundlage wieder verändern. Erschwerend kommt hinzu, dass bereits ausgehandelte „Zoll-Deals“ zwischen den USA und ihren Handelspartnern infrage stehen. So hat die Europäische Union (EU) die Ratifizierung dieses Abkommens vorerst gestoppt. Aus Sicht der EU könnte es sogar sinnvoll sein, eine Neuverhandlung einzufordern, denn die bisherige Regelung sah deutlich höhere Zölle für EU-Exporte in die USA als für US-Exporte in die EU vor. So oder so ist eine berechenbare Planungsgrundlage in diesem Kontext nicht absehbar. Erste Unternehmen haben bereits Klage eingereicht, um sich zu Unrecht abgeführte Zölle erstatten zu lassen. Allerdings dürften entsprechende Verfahren sehr lange dauern.

Zudem leidet der Status des Dollar als sicherer Hafen der Kapitalanlage, wenn das Ziel der US-Politik eine Abwertung ist, Staatsschulden weiter steigen und die Unabhängigkeit der Notenbank Fed unterminiert wird, also fiskalische Dominanz droht. Viele große internationale Kapitalsammelstellen und Notenbanken sind daher bemüht, die zumeist hohen Dollaranteile in ihren Portfolien und Devisenreserven zumindest zu reduzieren. Allerdings könnte eine zu schnelle Dollar-Abwertung und stark steigende Renditen von Staatsanleihen die Refinanzierungsfähigkeit des Staates gefährden. In diesem Fall wären Maßnahmen zur kurzfristigen Dämpfung der Unsicherheit wahrscheinlich, etwa eine weniger expansive fiskalpolitische Ausrichtung oder ein Eingreifen der Fed. Auch werden Kapitalanleger kaum ganz auf US-Aktien und Anleihen verzichten können, denn es gibt global keinen vergleichbar tiefen und liquiden Kapitalmarkt. Der Trend zu einer stärkeren Diversifikation der Währungsallokation bei der Kapitalanlage dürfte trotzdem anhalten und neben einem verstärkten Fokus auf andere Währungsräume weiterhin auch die Nachfrage nach Alternativen wie Edelmetallen hoch halten.

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Auf dem Bild sieht man Chefvolkswirt Carsten Mumm mit grauem Sakko, weißem Hemd und freundlichem Blick in die Kamera.

Carsten Mumm

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