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Wochenrückblick am Kapitalmarkt

Mumm Briefing zum Wochenausklang – Juni 2023

29. Juni 2023 – Carsten Mumm

Wochenrückblick am Kapitalmarkt im Juni 2023

Sowohl der ifo-Geschäftsklimaindex als auch die S&P Global-Einkaufsmanagerindizes zeichneten zuletzt das Bild einer sich weiter abschwächenden Konjunkturdynamik. Besonders in der Industrie brachen nach Angaben des ifo-Instituts die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate ein, denn angesichts der globalen Industrierezession reduziert sich der Auftragseingang immer weiter und die Exporterwartungen der meisten Branchen gaben nach. Darunter leidet in Deutschland aufgrund einer sinkenden Nachfrage auch das Segment der Logistik- und Transportdienstleistungen.

Noch positiv sind die Perspektiven für andere, konsumnahe Dienstleistungssegmente. So fielen zwar die Einkaufsmanagerindizes sowohl in der Eurozone als auch in den USA leicht, befinden sich aber noch immer im expansiven Bereich oberhalb der Marke von 50 Punkten. Getragen wird der private Konsum vor allem von einer anhaltend sehr guten Beschäftigungslage. So berichten US-Dienstleistungsunternehmen weiterhin von Schwierigkeiten, frei gewordene Stellen zu ersetzen. Das KfW-ifo-Fachkräftebarometer zeigt für Deutschland entsprechend, dass die gesamtwirtschaftliche Konjunkturabkühlung im zweiten Quartal zwar für einen nachlassenden Fachkräftemangel gesorgt hat, noch immer berichten aber 40 Prozent der befragten Unternehmen, dass ein Mangel an Arbeitskräften deren Geschäftstätigkeit behindert. Mit rund 50 Prozent ist dieser Wert im Dienstleistungsbereich besonders ausgeprägt.

Ausgehend von der schwachen Nachfrage im Industriesektor zeichnet sich aber auch ein nachlassender Preisdruck ab. Einerseits sinken die Einkaufs- und Produzentenpreise im Zuge fallender Energie- und Rohstoffpreise sowie funktionierender globaler Lieferketten. Andererseits sorgen fehlende Auftragseingänge erstmals seit der Wiederbelebung der Wirtschaft nach dem Corona-Einbruch für sinkende Verkaufspreise in der Industrie. Bei Dienstleistungen stiegen die Verkaufspreise zumindest weniger stark, während der wichtigste Kostenfaktor in dieser Branche, die Löhne, tendenziell weiter anstiegen. Damit bleibt ein in den kommenden Monaten zunehmender Margendruck wahrscheinlich, der zu verstärkten Gewinnrevisionen und kurzfristigen Rücksetzern an den Aktienmärkten sorgen dürfte.

Auch wenn mit zunehmendem Margendruck einer der wichtigsten Inflationstreiber der letzten Monate künftig relativiert wird, bleiben die meisten großen Notenbanken vorerst bei ihrem restriktiven geldpolitischen Kurs. Entsprechend äußerten sich in dieser Woche Vertreter der EZB, der US-Notenbank Fed und der Bank of England auf dem internationalen Notenbanken-Forum der EZB im portugiesischen Sintra. EZB-Präsidentin Lagarde verdeutlichte, dass als Kerninflationstreiber nunmehr die Entwicklung der Lohnstückkosten angesehen wird, denn höhere Löhne bei einer anhaltend hohen Beschäftigung – Unternehmen wollen Belegschaften angesichts des allgegenwärtigen Fachkräftemangels halten – und nachgebender Nachfrage lassen diese künftig ansteigen. Damit sind aus Sicht der Notenbanken weitere Leitzinsanhebungen sowie ein längeres Ausharren auf erhöhten Zinsniveaus notwendig, um die Inflationserwartungen auf dem angestrebten Niveau von 2 Prozent zu verankern.

Die deutlich gedämpften wirtschaftlichen Aussichten für die kommenden Monate sprechen allerdings dafür, dass die Inflationsraten bis zum Ende des Jahres eher stärker als von den Notenbanken erwartet nachgeben könnten. Daher könnte mit Blick auf den Jahreswechsel die Diskussion um mögliche Zinssenkungen im Laufe des ersten Halbjahres 2024 wiederaufkommen. Vor diesem Hintergrund rechnen wir im kommenden Halbjahr mit seitwärts tendierenden Renditen deutschen und US-Staatsanleihen bei längeren Laufzeiten. An den Aktienmärkten besteht nach einer Phase verstärkter Schwankungen in den Sommermonaten die Chance auf eine Stabilisierung der Kurse ab dem Herbst. Damit ist auch das Erreichen neuer Allzeithöchststände bei deutschen und europäischen Aktienindizes möglich, zumal ab 2024 mit einer wirtschaftlichen Stabilisierung zu rechne ist. Für den Wechselkurs des Euro im Vergleich zum US-Dollar rechnen wir mit einer Seitwärtsbewegung nahe der aktuellen Niveaus, denn wir gehen vorerst nicht von stark unterschiedlichen Zinspfaden in den USA und der Eurozone aus.

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