Das Kapitalmarktumfeld im März: Vom Iran-Krieg überlagert
Anfang März wurde der Tod des obersten Führers des Irans, Ali Khamenei, nach Angriffen der USA und Israels bestätigt. Als Nachfolger wurde dessen Sohn Motschtaba Khamenei ernannt. Damit wurde ein Regimewechsel unwahrscheinlicher, wenngleich offensichtlich die Führung der „Revolutionsgarden“ eine entscheidendere Rolle spielt. Der Iran reagierte mit massiven Raketen- und Drohnenangriffen auf Ziele in Israel sowie auf US-Stützpunkte in mehreren Golfstaaten. US-Präsident Donald Trump deutete seit Mitte März konstruktive Gespräche mit iranischen Regierungsvertretern über ein Ende der Kampfhandlungen an, die jedoch von iranischer Seite dementiert wurden.
Das aktuelle ifo-Geschäftsklima signalisierte abnehmende künftige Geschäftserwartungen bei vielen Unternehmen in Deutschland angesichts massiv gestiegener Energiekosten und Zinsbelastungen bei gleichzeitig höherer Unsicherheit für private Konsumenten und Investitionen. Die global ermittelten Einkaufsmanagerindizes von S&P Global hingegen ließen kurzfristig einen Anstieg der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe erkennen. Grund dafür könnten Vorzieheffekte in der Erwartung anhaltender Lieferkettenstörungen sein. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) korrigierte seine Wachstumsprognosen für Europa 2026 infolge des Iran-Kriegs leicht nach unten und die Inflationserwartungen nach oben. Für die Quantifizierung des Effekts auf Wachstum und Inflation ist jedoch entscheidend, wie lange der Konflikt andauert und der Schiffstransfer durch die Straße von Hormus unterbrochen bleibt. Im März lag die Inflation in Deutschland getrieben durch die Energiepreissteigerung mit 2,7 Prozent wieder deutlich höher als im Februar. Auch andere energieimportabhängige Regionen wie Teile Asiens lassen bereits Wachstumseinbußen erkennen.
Einige Notenbanken deuteten an, dass künftig eine restriktivere geldpolitische Ausrichtung zur Eindämmung potenziell steigender Inflationserwartungen erfolgen könnte. Vorerst beließ die Europäische Zentralbank (EZB) aber den Leitzins unverändert. Sie passte allerdings aufgrund der bisherigen Energiepreissteigerungen ihre Projektionen für die Inflation nach oben und für das Wachstum nach unten an. Auch die US-Notenbank Fed verzichtete auf eine Zinssenkung, prognostizierte jedoch ein höheres Wachstum bei einer moderat zunehmenden Inflation für 2026.
Währenddessen wurde das vorläufige Inkrafttreten des Handelsabkommens zwischen der Europäischen Union (EU) und den südamerikanischen Mercosur-Staaten zu Anfang Mai beschlossen, obwohl eine Zustimmung des Europäischen Parlaments noch aussteht. Offensichtlich erhöht der zunehmende geo- und handelspolitische Druck die Handlungsfähigkeit, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr europäischer Eigenständigkeit.
Zinsen: Steigende Zinsen durch höhere Inflationserwartungen
Deutsche Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren überschritten im März die Rendite-Marke von 3 Prozent p.a. Noch stärker fiel der Zinsanstieg bei kürzeren Laufzeiten aus. So stieg die Rendite von zweijährigen Bundesanleihen von 2.08 auf 2,60 Prozent p.a. an. Ähnliche Entwicklungen waren bei US-Staatsanleihen zu verzeichnen. Dabei näherte sich die Rendite der 30-jährigen US-Anleihen mit 4,90 Prozent p.a. am Quartalsende wieder der Marke von 5-Prozentmarke. Risikoprämien von Unternehmensanleihen legten ebenfalls deutlich zu.
Aktien: Deutliche Verluste
Der deutsche Leitindex DAX fiel in Folge des Iran-Kriegs temporär unter 22.000 Punkte und notierte zum Monatsende um gut 10 Prozent tiefer bei 22.680 Punkten. Ähnlich entwickelte sich der europäische EURO STOXX 50 mit einem Minus von 9 Prozent. Weniger Verluste hatten hingegen US-Aktien zu verzeichnen. So fielen die Kurse des technologielastigen Index NASDAQ sowie des S&P 500 nur um jeweils knapp 5 Prozent. Der japanische NIKKEI 225 gab um 13 Prozent nach, genauso wie der Schwellenländer-Aktienindex MSCI Emerging Markets.
Währungen: temporär festerer Dollar
Im März zeigte sich der Dollar vergleichsweise fest und wertete im Vergleich zum Euro leicht auf knapp 1,16 EUR/USD auf, nachdem zwischenzeitlich Notierungen von 1,14 EUR/USD erreicht wurden. Im Vergleich zum Schweizer Franken legte der Euro leicht zu und notierte zum Monatsende wieder bei 0,92 EUR/CHF.
Rohstoffe: Steigende Öl- und sinkende Edelmetallpreise
Im Zuge der zunehmenden Spannungen im Nahen Osten zogen die Ölpreise im Monatsverlauf kräftig an, sodass der Preis für ein Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent zwischenzeitlich bei knapp 120 US-Dollar und danach durchgehend über der Marke von 100 US-Dollar lag. Negativ entwickelte sich der Goldpreis, welcher einen Kursverlust von 12 Prozent zu verzeichnen hatte und Ende März bei 4.600 US-Dollar notierte. Noch stärker, um knapp 20 Prozent korrigierte der Silberpreis.