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Märkte mit Mumm

Börsen im September: allgemeine Verunsicherung

2. Oktober 2023, Carsten Mumm

Das Kapitalmarktumfeld im September: deutsche Wirtschaft unter Druck

Die Stimmungslage in der deutschen Wirtschaft hat sich weiter eingetrübt. Im September veröffentlichten sowohl das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) als auch das ifo Institut die Erwartung eines im Jahr 2023 um voraussichtlich 0,4 Prozent schrumpfenden Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ursächlich sind ein schwacher Konsum, die nachgebende Baukonjunktur sowie die anhaltende Schwäche im verarbeitenden Gewerbe.

„Trotz Entlastungen auf der Preis- und Lieferkettenseite leidet der Sektor unter der schwachen Weltwirtschaft im Zuge der enttäuschenden chinesischen Konjunktur und wegen geopolitischer Unsicherheiten.“

Entsprechend verharrte der S&P Global-Einkaufsmanagerindex (EMI) für die deutsche Industrie zuletzt im kontraktiven Bereich bei 39,8 Punkten. Auch der Gesamt-EMI der deutschen Wirtschaft verblieb den fünften Monat in Folge unterhalb der Wachstumsmarke von 50 Punkten. Das ifo-Geschäftsklima fiel auf 85,7 Punkte, u.a. weil auch Dienstleister zunehmend mit Nachfragerückgängen konfrontiert waren. Zudem fällt der private Konsum als Treiber der gesamtwirtschaftlichen Erholung vorerst aus. Das GfK-Konsumklima gab deutlich nach, denn die Sparquoten der privaten Haushalte stiegen angesichts hoher Energie- und Lebensmittelpreise wieder an, obwohl der Inflation in Deutschland im September auf 4,5 Prozent abrutschte.

Auch in den USA mehren sich die Anzeichen für eine wirtschaftliche Abkühlung. So fiel der NAHB-Immobilienmarktindex deutlich. Die befragten Unternehmen berichteten von einem Einbruch der Nachfrage nach neuen und bestehenden Häusern sowie korrigierenden Preisen, nachdem die Hypothekenzinsen erneut über die Marke von 7 Prozent p.a. angestiegen sind.

Diese Entwicklung dürfte die US-Notenbank Fed im Blick gehabt haben, als sie im September auf eine weitere Leitzinsanhebung verzichtete. Allerdings blieb Fed-Präsident Jerome Powell bei seiner bisherigen Rhetorik und ließ die Möglichkeit einer weiteren geldpolitischen Straffung in den kommenden Monaten offen. Immerhin ist die Inflation in den USA zuletzt wieder leicht gestiegen, vor allem aufgrund des jüngsten Höhenflugs der Rohölpreise. Die Europäische Zentralbank (EZB) hingegen hat die zehnte Zinserhöhung in Folge beschlossen und den Leitzins auf nun 4,5 Prozent angehoben. Sowohl die Bank of England als auch die Schweizer Nationalbank behielten ihre Leitzinsen konstant bei 5,25 bzw. 1,75 Prozent.

Zinsen: deutlich steigend

Aufgrund der Erwartung vieler Marktteilnehmer, dass die Notenbankzinsen länger auf den hohen Niveaus verharren könnten, zogen die Renditen von Bundesanleihen mit 10 Jahren Restlaufzeit auf 2,85 Prozent p.a. an. Italienische Pendants rentierten zuletzt mit 4,78 Prozent p.a. Die Renditen von zehnjährigen US-Staatsanleihen stiegen im September bis auf 4,67 Prozent p.a. und damit auf den höchsten Stand seit 16 Jahren. Auch bei Unternehmensanleihen waren steigende Verzinsungen zu verzeichnen.

Aktien: schwächer

Der September wurde seinem Ruf als saisonal schlechtester Börsenmonat gerecht. Mit einem Kursverlust von rund 3,5 Prozent verzeichnete der deutsche Leitindex DAX den größten Monatsverlust seit einem Jahr und notierte Ende September bei 15.386 Punkten. Der US-Standardwerteindex S&P 500 fiel im Monatsvergleich sogar knapp 5 Prozent. Auch global hatten die meisten Standardwerteindizes Kursverluste zu verzeichnen.

Währungen: Euro schwächer

Der Euro gab im Vergleich zum US-Dollar erneut nach und notierte Ende September bei 1,06 EUR/USD. Belastet wurde die Gemeinschaftswährung durch die schwachen Konjunkturaussichten für die europäische Wirtschaft im Vergleich zu einer bisher robusten US-Konjunktur. Etwas fester tendierte der Euro hingegen gegenüber dem britischen Pfund und dem Schweizer Franken mit 0,86 EUR/GBP und 0,97 EUR/CHF.

Rohstoffe: Gold schwächer, Rohöl fester

Weniger Ölangebot und eine höhere Nachfrage aus China ließen den Preis für ein Barrel Rohöl (Brent) auf 92,62 US-Dollar ansteigen. Der Preis für eine Feinunze Gold gab angesichts des starken US-Dollars und wegen steigender Anleihe-Renditen im Monatsverlauf um knapp 5 Prozent auf 1.849 US-Dollar nach. Der Silberpreis korrigierte noch stärker um knapp 10 Prozent 22,18 US-Dollar.

Krypto-Anlagen: seitwärts

Kaum verändert beendeten die beiden nach Marktkapitalisierung größten Krypto-Anlagen, Bitcoin mit 26.911 USD und Ether mit 1.667 USD, den Monat.

Implikationen für Anleger

Die immer stärker um sich greifende konjunkturelle Schwäche verbunden mit anhaltend falkenhaften Äußerungen der meisten Industriestaaten-Notenbanken sorgten im September für spürbare Verunsicherung an den Börsen. Hinzu kamen die unerwartet deutlich gestiegenen Zinsen am langen Laufzeitenende, die jegliche Refinanzierung von Privaten – bspw. für den Hauskauf, bei Unternehmen und Staaten erheblich verteuern könnten. Die Voraussetzung dafür wäre ein auch in den kommenden Monaten anhaltend hohes Zinsniveau. Davon ist allerdings nicht auszugehen, denn die stärksten Treiber langfristiger Zinsen sind weniger die Entscheidungen der Notenbanken, sondern vielmehr die Wachstumsdynamik und die Inflationsperspektiven der jeweiligen Region. Blickt man diesbezüglich auf die Eurozone, wird offensichtlich, dass beide Parameter klar auf dem Rückzug sind. Einzig in den USA ist eine Konjunkturabkühlung noch nicht eindeutig erkennbar, wenngleich die Inflationsraten trotzdem bereits erheblich stärker gesunken sind als in Europa.

„Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass langfristige Renditen künftig – vielleicht sogar deutlich – nachgeben sollten.“

Da die zinsinduzierte Konjunkturbremsung auch die Inflationsperspektiven in den kommenden Monaten eintrüben müsste, dürfte die Diskussion um mögliche Leitzinssenkungen im ersten Halbjahr 2024 gegen Jahresende ganz oben auf der Agenda stehen. Im aktuellen Umfeld, in dem der DAX ausgehend von der Höchstnotierungen Ende Juli noch nicht einmal 10 Prozent korrigiert hat, obwohl die Gefühlslage erheblich pessimistischer zu sein scheint, können Kurse von Risikoanlagen schnell wieder steigen, wenn nur einige der Befürchtungen sich als zu groß herausstellen sollten. Wir gehen daher mit Blick auf das Jahresende von fallenden Zinsen bei längeren Laufzeiten und steigenden Kursen für Aktien, Edelmetalle und Euro aus.

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