DONNER & REUSCHEL » UNSERE ANGEBOTE » ASSET MANAGEMENT » MÄRKTE MIT MUMM

MÄRKTE MIT MUMM

Carsten Mumm, Leiter Kapitalmarktanalyse bei DONNER & REUSCHEL, fasst regelmäßig die Markt- und Meinungslage für Sie zusammen.

13.03.2017

WAHLEN IN DEN NIEDERLANDEN – ES REGT SICH ETWAS PRO-EUROPÄISCHES!

Das europäische Super-Wahljahr 2017 geht in seine erste Runde: Am 15. März wird in den Niederlanden ein neues Parlament gewählt. Seit Anfang des Jahres blicken politisch Interessierte diesem Ereignis mit Spannung entgegen, wurde doch der Wahlkampf besonders durch einen populistischen Euroskeptiker geprägt. Lange sah es so aus, als ob Geert Wilders mit seiner „Partij voor de Frijheid“ (PVV) die stärkste Kraft werden könnte. Damit ist der Urnengang auch für Anleger von großer Bedeutung.

Derzeit ist jede Wahl in einem Teilnehmerstaat der Europäischen Währungsunion auch eine Abstimmung über die Zukunft der Gemeinschaftswährung. So hat die französische Präsident­schafts­kandidatin Marine Le Pen angekündigt, im Falle eines Wahlerfolgs noch in diesem Jahr ein Volksreferendum über einen Austritt Frankreichs aus der Gemeinschaftswährung durchführen zu wollen. Jeder Anhaltspunkt für ein Auseinanderbrechen der Eurozone hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit Turbulenzen an den Kapitalmärkten mit deutlichen Verlusten für Aktien und Euro zur Folge.

Seit wenigen Wochen gibt es jedoch zunehmende und begründete Hoffnungen aus Sicht der Euro-Befürworter. So haben sich in den Niederlanden alle neben der PVV nennenswerten Parteien eindeutig gegen eine Koalition mit der Wilders-Partei ausgesprochen. Da die PVV selbst zu den Hochzeiten der Stimmungsumfragen weniger als 25 Prozent Stimmenanteil auf sich vereinen konnte, also sehr deutlich von einer absoluten Mehrheit entfernt war, ist nicht mit einer Regierungsbeteiligung Wilders zu rechnen. Vielleicht sanken auch deshalb die Umfragewerte der PVV zuletzt deutlicher und lagen jüngst unter 20 Prozent. Möglicherweise betrachten niederländische Wähler eine Stimme für die PVV unter diesen Voraussetzungen als verloren. Vielleicht ist es aber auch das für viele abschreckend wirkende Beispiel des US-Präsidenten Donald Trump, das einige Wähler von einem politischen Experiment mit Geert Wilders abhalten könnte. Immerhin sieht sich Wilders selbst als „Donald Trump der Niederlande“.

So oder so wirkt sich Wilders Wahlkampf schon heute auf die Politik in den Niederlanden aus. Die etablierten Parteien, wie die „Volkspartij voor Vrijheid den Democratie“ (VVP) des amtierenden Ministerpräsidenten Mark Rutte, versuchten die potenziellen PVV-Wähler inhaltlich abzuholen, indem sie ihre Aussagen teilweise auf die Themen Wilders` ausrichteten. So ist möglicherweise auch der strikte Kurs der aktuellen niederländischen Regierung gegenüber türkischen Politikern zu erklären. Es gibt daher für einige keinen Grund mehr, Wilders zu wählen.

Auch wenn Umfrageergebnisse mit Vorsicht betrachtet werden sollten, ist ein Sieg Wilders unwahrscheinlich. Allerdings ist für eine Regierungsbildung ohne Beteiligung der PVV eine Koalition zwischen mindestens 5 anderen Parteien notwendig. Im schlimmsten Fall könnten daher in den Niederlanden sehr lange Koalitionsverhandlungen, im Nicht-Erfolgsfall sogar Neuwahlen bevorstehen.

Neben den schwächelnden Umfragewerten für die PVV gibt es noch weitere Anzeichen für ein Erstarken proeuropäischer Kräfte. So verschaffte sich in den letzten Wochen zunehmend die bereits 2016 in Frankfurt am Main gegründete Bürgerinitiative „Pulse of Europe“ Gehör. Sie will der bislang vornehmlich schweigenden proeuropäischen Mehrheit unter den Bürgern der Eurozone eine öffentlich wahrnehmbare Stimme verleihen. Ein besonderer Fokus der Bewegung richtet sich dabei auf die Wahlen in den Niederlanden und im weiteren Jahresverlauf in Frankreich und Deutschland. Aus der anfänglich nur wenige Mitglieder umfassenden Bewegung haben sich mittlerweile regelmäßige Kundgebungen in 50 europäischen Städten entwickelt. Die Teilnehmer agieren frei nach dem Motto „lieber vor den Wahlen auf die Straße gehen, als danach zu protestieren“, wie es bei der US-Präsidentschaftswahl oder beim Brexit-Referendum der Fall war.

Es kristallisiert sich also eine Hoffnung für ein auch weiterhin geeintes Europa heraus. Klar ist aber auch, dass ein „weiter so“ in Brüssel den Eurokritikern früher oder später wieder Rückenwind geben wird. Ein reformiertes und weiter entwickeltes Europa ist somit auch ein Standpunkt von „Pulse of Europe“.

Was bedeuten diese Entwicklungen für die Kapitalmärkte? Anders als noch am Jahresanfang erwartet, dürfte die Wahl in den Niederlanden keine deutlichen Reaktionen an den Börsen auslösen. Nur im Falle eines – aktuell sehr unwahrscheinlichen – Erdrutschsieges der PVV wären negative Auswirkungen für die Aktienmärkte die Folge. Dagegen könnte ein schwächeres Abschneiden Wilders zusätzliche Kräfte frei setzen und der seit November 2016 bestehenden Hausse an den Aktienbörsen weiteren Anschub geben. In diesem Fall dürfte auch der Euro zwischenzeitlich wieder zulegen.

Ab Ende März werden sich jedoch die Blicke der Börsianer auf die ab April bevorstehenden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Frankreich richten. Das Abschneiden Marine Le Pens ist hier der wichtigste Faktor mit möglichen Rückwirkungen auf die Kapitalmärkte. Auch wenn Le Pen zuletzt in einigen Umfragen nicht mehr als Siegerin gesehen wurde, könnte die Wahl im zweitgrößten Euro-Teilnehmerstaat deutlich negative Kräfte freisetzen. Für das weitere Geschehen an den Börsen sind somit auch in den kommenden Monaten vor allem politische Ereignisse ausschlaggebend.

Stand: 13.03.2017

Dieser Beitrag ist Werbung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes. Der Text ist nicht nach den Vorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt. Es besteht auch kein Verbot für den Ersteller bzw. die DONNER & REUSCHEL Aktiengesellschaft, vor bzw. nach Veröffentlichung mit den entsprechenden Finanzinstrumenten zu handeln.

Alle veröffentlichten Angaben dienen ausdrücklich nur Ihrer allgemeinen Information und stellen keine auf Ihre individuellen Verhältnisse und Bedürfnisse abgestimmte Anlageberatung dar. Eine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Angaben kann nicht übernommen werden. Wir empfehlen Ihnen vor dem Erwerb von Finanzinstrumenten oder der Inanspruchnahme von Wertpapierdienstleistungen ein eingehendes Beratungsgespräch mit Ihrem Anlageberater.

Bevor Ihr Anlageberater Ihnen Empfehlungen zu Finanzinstrumenten oder Wertpapierdienstleistungen aussprechen kann, ist er gesetzlich zur Durchführung einer sogenannten „Geeignetheitsprüfung“ verpflichtet, um die Übereinstimmung mit den mitgeteilten Anlagezielen, der geäußerten Risikobereitschaft sowie Ihren finanziellen Verhältnissen sicherzustellen. Weiterführende Detailinformationen erhalten Sie bei Ihrem Berater.

Soweit auf dieser Seite konkrete Produkte genannt werden, sollte eine Anlageentscheidung allein auf Grundlage der verbindlichen Verkaufsunterlagen getroffen werden. Eine Anlageentscheidung für Fonds sollte in jedem Fall auf der Grundlage der aktuellen Verkaufsprospekte einschließlich der zuletzt veröffentlichten Jahres- und ggf. Halbjahresberichte getroffen werden, die auch ausführliche Informationen zu den Chancen und Risiken enthalten. Den aktuellen veröffentlichten Verkaufsprospekt erhalten Sie bei Ihrem Berater.

Die DONNER & REUSCHEL Aktiengesellschaft erhält für den Vertrieb genannter Wertpapiere den Ausgabeaufschlag und/oder Vertriebs-/Vertriebsfolgeprovisionen von der Fondsgesellschaft oder Emittentin bzw. erzielt als Anlageberaterin und/oder Emittentin und/oder Verwahrstelle eigene Erträge, die jeweils vollständig oder teilweise bei ihr verbleiben. Einzelheiten hierzu erläutert Ihnen gern Ihr Berater.

Bei der Angabe von Wertentwicklungen wird - sofern nicht abweichend angegeben - auf die Bruttowertentwicklung ohne Berücksichtigung etwaiger Kosten, die - je nach Haltedauer - zu einer geringeren Nettorendite führen, abgestellt. Angaben zur bisherigen Wertentwicklung erlauben keine (verlässliche) Prognose für die Zukunft; dies gilt insbesondere, wenn das Wertpapier/der Index erst vor kurzer Zeit - z.B. vor weniger als 12 Monaten - emittiert/gebildet wurde. Die Wertentwicklung kann auch durch Währungsschwankungen beeinflusst werden, wenn die Basiswährung des Wertpapiers/Index von EURO abweicht.