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MÄRKTE MIT MUMM

Carsten Mumm, Leiter Kapitalmarktanalyse bei DONNER & REUSCHEL, fasst regelmäßig die Markt- und Meinungslage für Sie zusammen.

24.07.2017

Konsolidierung an den europäischen Börsen – drohen weitere Rückschläge?

Wer die konjunkturelle Situation global und besonders in der Eurozone analysiert, findet kaum ein Haar in der Suppe. Die außergewöhnlich positive Einschätzung der aktuellen Lage wird bei­spiels­weise anhand des immer weiter gestiegenen und im Juni auf Rekordniveau notierenden ifo-Geschäftsklimaindex deutlich. Auch in anderen Staaten und Regionen der Welt spiegeln Umfragen sowohl unter Unternehmen als auch Konsumenten die robuste Entwicklung wieder. Entsprechend stabil zeigen sich global die Aktienindizes. Nur deutsche und europäische Aktien hatten vor kurzem Kursverluste zu verzeichnen. Wurden potenzielle Risiken bisher unterschätzt? Eine Bestandsaufnahme:

  • USA – Politik: Präsident Donald Trump hat seine Versprechungen aus dem Wahlkampf bisher kaum umsetzen können. Besonders die Steuerreform und die staatlichen Infra­struk­tur­pro­gramme wurden von den Börsen schon vorab mit steigenden Kursen quittiert. Zwar ist davon auszugehen, dass Teile der vorgesehenen Maßnahmen noch umgesetzt werden, möglicherweise aber in einem kleineren Umfang als ursprünglich erwartet. Die US-Ökonomie würde das nicht gänzlich abwürgen, dafür sind viele Unter­nehmen aus den USA zu stark aufgestellt. Trotzdem wären geringere Wachs­tums­raten zu erwarten, wodurch das Potenzial weiterer Kurs­stei­gerungen bei US-Aktien begrenzt wird.
  • USA – Kreditblase: Ein weiterer potenzieller Risikofaktor sind US-Auto-Kredite, deren Volumen in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist. Jüngst nahmen die Ausfallraten zu. Außerdem sinken die Verkaufszahlen für Neuwagen und die Preise für Gebraucht­wagen. Einiges deutet also darauf hin, dass am US-Automarkt eine Konsolidierung einsetzt. Allerdings liegt das gesamte Volumen der Autokredite mit knapp über 1 Billion US-Dollar deutlich niedriger als das Volumen der US-Immobilienkredite im Vorwege der Finanzkrise 2008 mit damals ca. 9 Billionen US-Dollar. Ein Dämpfer für die US-Wirtschaft ließe sich daraus möglicherweise ableiten. Ein Krisenszenario ist jedoch unwahrscheinlich.
  • Europa – Italien: In Italien steht spätestens im Frühjahr 2018 die Neuwahl des Parlaments auf der Agenda. Es besteht nach wie vor die Gefahr, dass die eurokritische 5-Sterne-Bewegung mit Beppe Grillo an der Spitze die Wahl gewinnt. In diesem Fall wären zumindest zwischenzeitliche Turbulenzen an den Börsen zu erwarten. Allerdings hat die Zustimmung für die Protestpartei abgenommen. In den Kommunalwahlen Mitte Juni hat die Partei Grillos schlechter abgeschnitten als erwartet. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist der italienische Bankensektor, der unter einem hohen Volumen an faulen Krediten leidet. Nach der staatlichen Kapitalspritze für die Traditionsbank Monte die Pasci wurden nun auch zwei weitere Institute (Veneto Banca und Banca Populare di Vicenca) mit Unterstützung des Staates in Höhe von bis zu 17 Mrd. Euro gerettet. Obwohl die europäischen Regeln es nicht vorsehen, werden Banken derzeit offensichtlich lieber gerettet, als das man durch eine Bankenpleite eine neue Finanzkrise riskiert. Für die Börsen ist dies kurzfristig positiv.
  • Geldpolitik – global: Die weltweit bedeutendsten Notenbanken fahren unisono einen extrem expansiven Kurs. Sollte dieser zu früh und / oder zu kräftig abgebremst werden, könnte den Kapitalmärkten ein kalter Entzug des dauerhaft verabreichten Beruhi­gungs­mittels „Liquidität“ drohen. Jüngste Äußerungen sowohl der US-Notenbank Fed als auch der Europäischen Notenbank EZB deuten darauf allerdings nicht hin. Im Gegenteil bekräftigte EZB-Präsident Mario Draghi gerade, dass das laufende Wert­papier­kauf­programm bei Bedarf sogar noch ausgeweitet werden könnte. Leitzins­erhöhungen sind damit noch bis mindestens Mitte 2018 tabu. In den USA ist nach einem weiteren Zinsschritt in diesem Jahr eine längere Zins­erhöhungs­pause wahrscheinlich.
  • Inflation – Europa: Seit Jahren warten viele aufgrund der überbordenden Liqui­ditäts­aus­stattung durch die Notenbanken auf ein deutliches Anspringen der Inflation. Die etwas höheren Preissteigerungsraten vom Jahresanfang haben sich jedoch als Strohfeuer erwiesen. Nach dem energiepreisbedingten Teuerungseffekt folgten keine sogenannten Zweitrundeneffekte, z.B. über eine Lohn-/Preisspirale. Unüblicherweise sorgen noch nicht einmal die in Deutschland vergleichsweise niedrigen Arbeitslosenzahlen für steigende Löhne. Zudem ziehen sowohl Kreditvergabe als auch Investitionen trotz enormer Zinsanreize bisher nicht deutlich an. Solange diese Faktoren sich weiterhin moderat entwickeln, ist kein Inflationsschub zu erwarten – und damit auch kein Gegensteuern der Notenbanken.
  • China – Kreditblase und Wachstumsschwäche: Seit Jahren werden diese beiden Argumente immer wieder von Auguren eines anstehenden Börsencrashes genannt. Bisher sind sie aber nicht zum Tragen gekommen. Gerade erst wurden die Erwartungen an das Wirtschaftswachstum sogar übertroffen. Im Vergleich zum Vorjahr konnte die chinesische Ökonomie sogar um 6,9% zulegen und belegt damit weiterhin einen globalen Spitzenplatz. Solange die weltweite Konjunktur sich weiter dynamisch entwickelt, steht kein Abbruch des Wachstums zu befürchten. Bzgl. etwaiger Kreditblasen fehlt oftmals die klare Datenlage. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Regierung angesichts einer moderaten Staatsverschuldung stabilisierend eingreifen würde und kann.
  • Großbritannien – Brexit-Chaos: Bisher verlaufen die Verhandlungen zum EU-Austritt Großbritanniens im Sinne der europäischen Delegationen. Auf britischer Seite kann man sich hingegen des Eindrucks nicht erwehren, dass viele den Brexit doch gar nicht wollen. Entsprechend unmotiviert und planlos wird bisher agiert. Auf wenn ein Europa inklusive Großbritannien – allerdings möglichst ohne große Sonderbehandlungen – im aktuellen Machtspiel der weltweit größten Wirtschaftsräume tatkräftiger wäre, liegen die Unsicherheiten doch vor allem auf Seiten der Briten. Negative Auswirkungen auf die Börsen Rest-Europas sind damit unwahrscheinlich.
  • Geopolitik – Nordkorea, Syrien, Ukraine & Co.: Aufgrund ihrer Unberechenbarkeit können diese Aspekte jederzeit für zumindest kurzfristig deutliche Verunsicherung sorgen.

Zuletzt bleibt noch die Befürchtung, dass die aktuelle, durch die florierenden Frühindikatoren angezeigte Konjunkturdynamik in Deutschland möglicherweise überschätzt wird. Die laufenden Verteilungsdiskussionen zeigen, dass der Aufschwung offensichtlich nicht bei allen ankommt. Die fehlende Inflationsdynamik ist ein Beleg dafür. Hinzu kommen weitere Aspekte: "Fast jeder zehnte Ausbildungsbetrieb hat noch nicht einmal eine einzige Bewerbung erhalten. Uns geht der Nachwuchs aus." sagte jüngst der DIHK-Präsident Eric Schweitzer und bezeichnete den Fachkräftemangel als Konjunkturrisiko Nummer eins. Damit wären wir bei der Betrachtung des aus deutscher Sicht wichtigsten politischen Ereignisses der kommenden Monate, der Bundestagswahl im September. Auch wenn ein erheblicher kurzfristiger Einfluss auf die Börsen kaum anzunehmen ist, stehen doch wichtige langfristig wirkende Themen auf der Agenda.

Es gibt derzeit außergewöhnlich viele potenzielle Risikofaktoren, die negativ auf die Börsen wirken könnten. Jeder dieser Aspekte könnte für zwischenzeitlich erhöhte Unsicherheiten und damit auch negative Entwicklungen sorgen. Auf der anderen Seite hat sich die politische Situation in Europa in den letzten Monaten deutlich stabilisiert. Zusammen mit der robusten Konjunktur und den anhaltenden Niedrigzinsen ist damit ein guter Risikopuffer gegen größere Verlustphasen gegeben.

Aktuell werden die Aktienkurse vor allem durch den im Vergleich zum US-Dollar erstarkten Euro belastet – ein Ergebnis der positiven Entwicklung in Europa. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass gerade exportorientierte deutsche Unternehmen auch zu deutlich höheren Notierungen von über 1,30 EUR/USD international konkurrenzfähig produzieren konnten. Für eine Trendwende an den Aktienbörsen wäre auch dieser Aspekt allein kein ausreichender Grund.

Stand: 24.07.2017

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