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MÄRKTE MIT MUMM

Carsten Mumm, Leiter Kapitalmarktanalyse bei DONNER & REUSCHEL, fasst regelmäßig die Markt- und Meinungslage für Sie zusammen.

09.01.2017

KONJUNKTUR- UND KAPITALMARKTAUSBLICK 2017 – TRUMP ODER NOCH MEHR?

Konjunktur und Kapitalmarktumfeld
Auch 2017 wird wieder ein anspruchsvolles Jahr für Kapitalanleger werden. Fundamental sind die Aussichten grundsätzlich günstig. Die globale Konjunktur wird voraussichtlich etwas stärker als noch in 2016 wachsen. Außerdem werden zumindest die europäische und die japanische Notenbank ihre Geldpolitik weiterhin sehr expansiv ausrichten, wodurch die Zinsen auf niedrigen Niveaus verharren werden. Von der US-Notenbank werden zwar mindestens zwei weitere Leitzinserhöhungen erwartet, allerdings dürfte das nicht zu einem nachhaltigen Abbremsen der volkswirtschaftlichen Entwicklung führen. In vielen Industrienationen stehen zudem fiskalische Impulse durch staatlich finanzierte Ausgabenprogramme auf der Agenda. Insbesondere in den USA wurden höhere Staatsausgaben für Infrastrukturinvestitionen und gleichzeitig niedrigere Einkommen- und Unternehmenssteuern angekündigt. Beide Effekte fördern Investitionen, Beschäftigung und damit auch den Konsum. Da der US-Arbeitsmarkt allerdings schon heute nahezu ein Vollbeschäftigungsniveau erreicht hat, dürften auch die Löhne steigen. Die ohnehin aufgrund des steigenden Ölpreises anziehende Inflation bekommt dadurch weiteren Anschub, weshalb die Zinsen steigen. Davon wiederum profitieren insbesondere US-Banken. Die Maßnahmen könnten somit zu einem sich selbst tragenden Aufschwung der amerikanischen Volkswirtschaft führen und damit auch die globale Dynamik stützen.

Die zukünftige politische Ausrichtung der US-Regierung wird für die Kapitalmärkte generell eine entscheidende Rolle spielen. Durch veränderte geopolitische Konstellationen, wie z.B. eine Annäherung der USA an Russland oder eine Konfrontation zwischen den USA und China könnten sich völlig neue Chancen aber auch Risiken für die globalen Börsen ergeben. Immerhin gibt es auch noch einige politische Unwägbarkeiten, die im Wahlkampf angekündigt wurden: den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko, die Ausweisung von Millionen illegaler Einwanderer, die Neuverhandlung bestehender Freihandelsabkommen usw. Alle Aktionen würden sich mehr oder weniger negativ auf die US-Ökonomie und weitere besonders exportorientierte Volkswirtschaften auswirken, u.a. durch einen nachlassenden Freihandel. Zudem besteht die Gefahr, dass die Inflation deutlicher als gewünscht anzieht und die US-Notenbank sich zu klaren Leitzinsanhebungen veranlasst sieht. Nicht zuletzt führen Ausgabenerhöhungen in Kombination mit Steuersenkungen unweigerlich zu steigenden Schulden des ohnehin mit knapp 20 Billionen US-Dollar oder über 100 Prozent des BIP bereits hoch verschuldeten Staates, wodurch Zinsen weiter steigen könnten.

Doch es bestehen noch weitere Risiken, insbesondere durch die politische Situation in Europa. Einerseits könnten die Verhandlungen zur Art und Weise des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union für Turbulenzen sorgen. Vor allem aber stehen mit den Parlamentswahlen in den Niederlanden, den Präsidentschaftswahlen in Frankreich und den Bundestagswahlen in Deutschland drei für die politische Ausrichtung und den Zusammenhalt Europas richtungs­weisende Entscheide auf der Agenda. Möglicherweise wird noch eine vorgezogene Neuwahl in Italien hinzukommen. In allen Staaten finden eurokritische Parteien zunehmend Gehör. Somit könnte jede einzelne Wahl zu einem Belastungs­test für die nach wie vor angeschlagene Eurozone werden.


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Aktien
Die Aussichten für die Aktienmärkte sind vor diesem Hintergrund moderat positiv, dürften aber durch zwischen­zeitliche heftige Schwankungen geprägt sein. Natürlich können die Kurse auch deutlicher steigen, etwa durch eine von den USA ausgehende Belebung des globalen BIP-Wachstums. Aufgrund der politischen Unwägbarkeiten ist heute allerdings kaum prognostizierbar, in welche Richtung sich die Aktien­kurse tatsächlich entwickeln werden.

Renten
Die Zinsen werden zumindest in Europa selbst bei einem leichten Anstieg im Segment längerer Laufzeiten niedrig bleiben. Angesichts der steigenden Inflation wird die Erzielung einer positiven Realrendite nach Abzug der Inflation somit kaum möglich sein. Tagesgelder werden weiterhin mit maximal null Prozent verzinst, da die EZB die Leitzinsen voraussichtlich nicht anheben wird. Banken zahlen somit negative Einlagenzinsen bei der Notenbank und geben diese zumindest an institutionelle Anleger weiter. Folglich überwiegen auf der Zinsseite die Risiken deutlich gegenüber den Chancen.

Rohstoffe

Die erwartete konjunkturelle Entwicklung spricht für weiter steigende oder zumindest stabile Rohölpreise. Auch der jüngste OPEC-Beschluss sollte die Notierungen unterstützen. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob dieser tatsächlich umgesetzt wird.

Auf den Goldnotierungen lasteten in den letzten Wochen der erwartete Zinsanstieg in den USA und der feste US-Dollar. Allerdings dürften diese Effekte schon weitgehend im Goldpreis enthalten sein. Nach dem rasanten Kursverfall ist eine Gegenbewegung in den kommenden Monaten daher nicht auszuschließen. Vor allem aber ist Gold als eine Art Versicherung zu verstehen und in dieser Funktion ein sinnvoller Bestandteil eines breit diversifizierten Anlageportfolios. Auch wenn die Funktion als sicherer Hafen in den letzten Jahren kaum zum Tragen kam, ist doch davon auszugehen, dass Gold in zukünftigen Krisenphasen wieder als Zuflucht sicherheitssuchender Anleger dient.

Währungen
Die konjunkturelle Dynamik und höhere Zinsniveau in den USA im Vergleich zur Eurozone lassen einen zunächst weiter anziehenden Kurs des US-Dollar vs. Euro erwarten. Auch die bestehenden politischen Unsicherheiten in Europa und die hohen Erwartungen an den neuen US-Präsidenten dürften den Dollar unterstützen bzw. die Gemeinschaftswährung belasten. Daher ist das zeitweilige Unterschreiten der Parität von einem US-Dollar zu einem Euro realistisch. Unter der Annahme, dass die Vorschusslorbeeren für Donald Trump im Laufe des Jahres aber auch einmal in Frage gestellt werden, ist ein Wiedererstarken des Euro gegen Ende des Jahres anzunehmen. Zudem wird im zweiten Halbjahr 2017 der Blick der Marktteilnehmer auch wieder auf die EZB gerichtet werden, die sich zum weiteren Vorgehen bzgl. des Wertpapierkaufprogrammes ab 2018 äußern muss. Eine weitere Reduzierung des Kaufvolumens ist aus heutiger Sicht wahrscheinlich und dürfte den Euro dann stützen.

Der längerfristige Blick: was bedeuten die dauerhaft politischen Börsen für Kapitalanleger?
Die Europäische Zentralbank kann durch die niedrigen Zinsen und die Liquiditätsflut nur Zeit erkaufen, die von den nationalen Regierungen zur Umsetzung dringend notwendiger Strukturreformen genutzt werden müsste. Aufgrund der steigenden Inflationsraten wird die EZB ihre ultra-expansive Geldpolitik jedoch nicht mehr allzu lange weiterführen können.

Bisher erfolgten jedoch keine ausreichenden Reformen. Im Gegenteil besteht derzeit in kaum einem Punkt Einigkeit. Dies gibt eurokritischen Strömungen immer wieder neuen Anschub. Vor allem die drängenden Probleme, wie die Bewältigung der Flüchtlingsströme, die Staatsschuldenkrise oder der zunehmende politische Populismus bedürfen aber einer gemeinsamen Linie.

Für Anleger ist es in den kommenden Jahren daher besonders wichtig, die latenten großen Risiken zu vermeiden. Eine deutliche Kursbewegung in den kommenden 3 bis 5 Jahren ist wahrscheinlich. Dabei sind grundsätzlich drei Szenarien denkbar:

a)    „Der Sturm“:
In mehreren Eurostaaten nehmen eurokritische Parteien und Meinungsmacher Überhand. Es folgt eine Kette von Austritten aus der Währungsunion und schließlich das Ende der Eurozone in ihren heutigen Grenzen. Zudem verschärft sich der globale Trend zum Protektionismus. Der Freihandel wird durch Zölle und andere Handelshemmnisse erheblich eingeschränkt. Bestehende Handelsbeziehungen werden gekappt. Die Folgen wären erhebliche Turbulenzen an den Kapitalmärkten mit kollabierenden Kursen von Aktien und Euro, sinkenden Zinsen für Bundesanleihen und einem stark steigenden Goldpreis.
 
b)    „Das Grau-in-Grau“:
Dieses Szenario entspricht der Situation der letzten Jahre. Der große Wurf mit einer klaren politischen Agenda fehlt sowohl in den USA als auch in der Eurozone. Dadurch ergeben sich immer wieder einzelne Rückschläge für die Kapitalmärkte. Die Notenbanken sorgen mit einer dauerhaft expansiven Geldpolitik dafür, dass der Zusammenbruch vorerst verhindert wird. Zinsen bleiben nahe dem Nullniveau. An den Aktienmärkten ergibt sich kein eindeutiger Trend.

c)    „Der Sonnenschein“:
In der Eurozone erfolgt ein politischer Schulterschluss mit einer Fokussierung auf notwendige Strukturreformen. Die eurokritischen Parteien verlieren an Einfluss. Die Schuldensituation relativiert sich durch ein überdurchschnittliches Wachstum, das u.a. durch die Digitalisierung angeschoben werden könnte. Die Folge sind haussierende Aktienmärkte, steigende Zinsen und Rohstoffkurse sowie ein Wiedererstarken des Euro.

Konkrete Wahrscheinlichkeiten sind bei dieser Betrachtung unerheblich. Denn in jedem potenziellen Szenario muss das Portfolio eines Anlegers jeweils anders aufgestellt sein – vor allem um katastrophale Entwicklungen zu vermeiden. Auch ein Szenario mit einer geringen Wahrscheinlichkeit kann eintreten! Daher sollten Anleger schon heute ihre Anlagestrategie überprüfen und die folgenden drei Grundregeln der Kapitalanlage beachten:

1.    Eine breite Risikostreuung:
Diese fängt bei Liquidität, Anleihen und Aktien an. Darüber hinaus sollten aber auch andere Anlagen, wie Rohstoffe, Edelmetalle, oder Immobilien berücksichtigt werden. Jede Anlageklasse kann in einem der möglichen Szenarien zur Stabilisierung des Portfolios beitragen.

2.    Eine dynamisches Management:
Es bringt nichts, sich z.B. eine feste Aktienquote statisch ins Depot zu legen. Im Falle eines Sturms an den Börsen könnten die Verluste daraus schnell zu groß werden. Investitionsquoten und Einzelinvestments müssen daher laufend beobachtet und bei Bedarf an die aktuelle Marktsituation angepasst werden.

3.    Eine stringente Risikoreduzierung:
Wie schon 2016 gezeigt hat, können jederzeit unerwartete Risikofaktoren auftreten, die zu erheblichen Verlusten führen können. Das kann die stringente Umsetzung einer vorab definierten Verlustbegrenzungsstrategie bewirken.

Stand: 09.01.2017

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