Börsen im Juli: Unentschlossen

Mumm Briefing zum Wochenausklang

Die Weltwirtschaft befindet sich weiterhin in einem dynamischen Aufschwung mit voraussichtlich überdurchschnittlichen Wachstumsraten. Das ifo-Institut geht in seinen jüngsten Prognosen von einem globalen Wachstum in Höhe von 6,6 in diesem und 4,2 Prozent im kommenden Jahr aus.

 

Für Deutschland werden 3,3 bzw. 4,3 Prozent Wachstum veranschlagt – wobei der Wert zuletzt sogar leicht nach unten revidiert wurde. Hintergrund sind die immer stärker auftretenden Produktionsbeschränkungen durch lange Lieferzeiten, fehlende Zulieferungen und Rohstoffe sowie die zum Teil hohen Kostensteigerungen in weiten Teilen der Industrie. Die erhöhten Kosten können von den Unternehmen allerdings zu einem großen Teil an die Endverbraucher weitergereicht werden, wie Umfragen des ifo-Instituts bestätigen, und belasten daher nur teilweise die Gewinnmargen.

 

Viele Dienstleistungssektoren in Europa können angesichts zunehmender Lockerungen von Shutdown-Maßnahmen ihre Produktion gerade erst wieder hochfahren, wodurch wachstumsbremsende Kapazitätsengpässe in der Industrie gesamtwirtschaftlich teilweise kompensiert werden. Es ist davon auszugehen, dass in diesem Zuge der sich in den letzten Monaten aufgebaute Konsumstau entladen wird und in diesem Umfeld auch Dienstleister in der Lage sein werden, höhere Endverbraucherpreise zu veranschlagen.

 

Auch wegen der steigenden Kosten und dem genutzten Preiserhöhungsspielraum von Unternehmen sind die Inflationsraten im Mai deutlich angestiegen, in der Eurozone auf 2,0, in Deutschland auf 2,5 und in den USA sogar auf 5 Prozent. Zusätzlich angeschoben wurden die Preissteigerungsraten durch Basiseffekte aufgrund des Vergleichs der aktuellen Preise mit historischen Tiefstniveaus im Zuge der Coronakrise im vergangenen Jahr, bspw. bei Energie. Zudem gab es in Deutschland einige relevante Einmaleffekte wie die Wiedererhöhung der Mehrwertsteuer und die Einführung der CO2-Abgabe.

 

Da allerdings die Kapazitätsengpässe nicht kurzfristig abgebaut werden können, sondern teilweise noch bis zum Jahresende anhalten dürften, ist im laufenden Jahr weiterhin mit erhöhten Inflationsraten zu rechnen. Im Jahresdurchschnitt könnte eine Preissteigerungsrate in Höhe von 2,0 bis 2,5 Prozent oder auch darüber erreicht werden. Da allerdings die Kernrate der Inflation – ohne die schwankungsanfälligen Komponenten Energie und Nahrungsmittel –  in der Eurozone noch bei niedrigen 1 Prozent verharrt, und der derzeitige Inflationsanstieg als nur temporär angesehen wird, sieht sich die EZB noch nicht unter Zugzwang und hat entsprechend eine unverändert expansive geldpolitische Ausrichtung für die kommenden Monate angekündigt.

 

Die US-Notenbank Fed hingegen hat jüngst vermeldet, dass man über die Reduzierung von Wertpapierkaufvolumina (Tapering) zumindest schon einmal gesprochen habe. Zudem wird mittlerweile von ersten Leitzinserhöhungen für 2023 und damit früher als bisher erwartet ausgegangen. Hintergrund ist auch die in den USA mit 5 Prozent zuletzt deutlich höher vermeldete Inflationsrate bei gleichzeitig sehr dynamischen Wachstumserwartungen.

 

Als Reaktion legte der Kurs des US-Dollar im Vergleich zum Euro um 2 Cent von 1,21 auf 1,19 EUR/USD zu. Sowohl die Gold- als auch die Rohölnotierungen rutschten im Zuge des festeren US-Dollar und durch die veränderten Zinsperspektiven ab. Der zwischenzeitliche Renditeanstieg bei zehnjährigen US-Staatsanleihen relativierte sich allerdings mittlerweile mit einem erneuten Abrutschen unter die Marke von 1,50 Prozent p.a.

 

Da die Perspektive eines zunächst noch anhaltenden Niedrigzinsniveaus sowohl für den Euro- als auch den US-Dollarraum in den kommenden Monaten erhalten bleibt, und eine im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 verbesserte Wachstumsdynamik aufgrund der Öffnungen von Shutdown-Maßnahmen eher in der Eurozone zu erwarten sind, gehen wir von einem wieder festeren Euro in den kommenden Monaten aus. Auch die Edelmetall-Notierungen dürften aufgrund anhaltend negativer Realzinsen künftig wieder zulegen.

 

Das größte Risiko für die konjunkturelle Entwicklung in den kommenden Monaten bleiben mögliche Rückschläge beim Verlauf der Corona-Pandemie, insbesondere aufgrund von Virusvarianten. Ein Beispiel dafür ist die aktuelle Entwicklung in Großbritannien wo aufgrund erneut zunehmender Neufallzahlen trotz hoher Impfniveaus für Mitte Juni vorgesehene Lockerungen um 4 Wochen verschoben wurden.

 

 

Börsen im Mai: zumeist freundlich

Das Kapitalmarktumfeld: Hoffen auf Lockerungen – Angst vor Virusvarianten

Sowohl in Europa als auch in den USA sanken die Corona-Neufallzahlen zuletzt deutlich, während die Impfquoten weiter anstiegen. Entsprechend wurden bereits wesentliche Lockerungen bestehender Shutdown-Maßnahmen umgesetzt und weitere vielfach angekündigt. Damit rückt die Perspektive eines breiten, nahezu alle Segmente umfassenden Aufschwungs in Europa in greifbare Nähe. Vor allem die von den Shutdowns besonders betroffenen Branchen des sozialen Konsums dürften über das Sommerhalbjahr hinweg von der Rückkehr ihrer Kunden bzw. dem Abbau eines Teils des in der Coronakrise aufgestauten Konsums profitieren. Allerdings bleibt kurzfristig das Risiko, dass sich die positive Infektionsdynamik auch wieder umkehren kann. Anzeichen dafür gibt es derzeit in Großbritannien, wo die Anzahl der neuen positiven Fallzahlen zuletzt wieder leicht anzog – trotz einer vergleichsweise hohen Anzahl mindestens einmal geimpfter Personen an der Gesamtbevölkerung von etwa 60 Prozent. Verantwortlich dafür dürfte unter anderem das vermehrte Auftreten der indischen, ansteckenderen Virus-Variante sein. In Indien und einigen anderen Regionen Asiens inkl. Japan sind weiterhin deutlich erhöhte und überwiegend zunehmende Corona-Neufallzahlen zu verzeichnen.

Die jüngsten Veröffentlichungen von Einkaufsmanagerindizes zeigen weltweit eine anhaltend hohe Produktionsdynamik. Vor allem Umfragen unter Dienstleistungsunternehmen in Europa spiegeln die coronabedingt steigende Zuversicht wider. Anhaltend positiv blicken auch Industrieunternehmen in die Zukunft. Allerdings wurde erneut von verstärkten Zulieferverzögerungen bei vielen Rohstoffen und Vorprodukten berichtet, die teils zu extremen Kostensteigerungen und – bspw. in der Automobilindustrie – zu immer mehr Produktionskürzungen führen.

Unternehmen können steigende Produktionskosten zumindest teilweise auf die Endverbraucherpreise überwälzen, wodurch die aufgrund von Basiseffekten (im Frühjahr v.a. energiepreisbedingt durch den Vergleich mit den historischen Tiefstkursen des Vorjahres) ohnehin deutlich steigende Inflation weiter angetrieben wird. So zogen die Verbraucherpreise in Deutschland im Mai um voraussichtlich 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an. In den USA lag schon die April-Inflationsrate mit 4,2 Prozent deutlich höher. Trotzdem wird die US-Notenbank Fed an dem expansiven geldpolitischen Kurs vorerst festhalten, denn der Arbeitsmarktbericht für April überraschte mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 6,1% negativ.

Zinsen: überwiegend stabil

Trotz deutlich zunehmender Inflationsperspektiven rentierte eine zehnjährige Bundesanleihe Ende Mai kaum verändert bei -0,18 Prozent p.a. Bei längeren Laufzeiten zogen die Renditen leicht auf 0,12 (15 Jahre) und 0,38 Prozent p.a. (30 Jahre) an. Auch in den USA gab es keine nennenswerte Bewegung der Zinskurve mit einer Rendite in Höhe von 1,58 Prozent p.a. bei zehnjährigen Staatsanleihen. Einen leichten Renditeanstieg hatten Euro-Unternehmensanleihen zu verzeichnen.

Aktien: vielfach neue Allzeithochs

Nach zwei kleineren Rücksetzern unter die Marke von 15.000 Punkten Anfang und Mitte Mai notierte der deutsche Leitindex DAX überwiegend in der Nähe seines Allzeithochs bei knapp 15.600 Punkten und konnte damit per Saldo gegenüber dem Vormonat um gut 2 Prozent zulegen. Noch besser entwickelten sich im Angesicht der Lockerungen und im Zuge zumeist positiver Berichte über die Gewinne im ersten Quartal die Leitindizes aus Italien, Frankreich und Spanien. Der auch stark auf zyklische Aktien und damit Profiteure der konjunkturellen Erholung fokussierte US-Aktienindex Dow Jones Industrial Average notierte Ende Mai mit 34.500 Punkten ebenfalls nahe seines kurz zuvor erreichten Allzeithöchststands, während der Technologieindex NASDAQ 100 leicht nachgab.

Währungen: Euro erneut fester gegenüber dem US-Dollar

Der Euro wertete im Vergleich zum US-Dollar weiter auf und notierte Ende Mai bei 1,22 EUR/USD. Unterstützt wurde die Gemeinschaftswährung durch die Aussicht auf eine Dynamisierung der europäischen Wirtschaft im 2. Halbjahr sowie durch die noch nicht absehbare Zinswende in den USA.

Rohstoffe: deutliche Kursgewinne

Der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent stieg deutlich auf knapp 70 US-Dollar. Noch stärker zogen die Preise für Gold und Silber an und konnten die Marken von 1.900 bzw. 28 US-Dollar überschreiten.

Implikationen für Anleger

Die Perspektiven für die weltweiten Aktienbörsen bleiben grundsätzlich positiv, vor allem aufgrund der Aussicht auf weit überdurchschnittliche Wachstumsraten sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr. Allerdings dürfte es einigen Unternehmen zunehmend schwerer fallen, die hoch gesteckten Erwartungen in den kommenden Quartalen ähnlich deutlich wie im ersten Quartal zu erreichen oder sogar zu übertreffen. Zwar wird die Nachfrage weiterhin robust ausfallen, allerdings muss die Produktion aufgrund von Kapazitätsengpässen vielfach bereits deutlich gedrosselt werden – zunehmend auch in der Bauindustrie – und wird die Ergebnisse einiger Unternehmen belasten. Das Kernrisiko bleibt vorerst allerdings der weitere Verlauf der Corona-Pandemie. Trotz erfreulicher Impffortschritte in Europa, ist die Wahrscheinlichkeit, dass aufgrund des Auftretens von ansteckenderen Virusvarianten erneut Lockdowns implementiert werden müssen, durch die sich verschlechternde Situation in einigen Regionen Asiens zumindest gestiegen. Auf der Zinsseite hingegen richtet sich der Fokus der Anleger auf die jeweils neuesten Inflationsmeldungen, die vorerst anhaltend erhöhte Preissteigerungsraten nahelegen. Bisher bleiben sowohl die Europäische Zentralbank EZB als auch die US-Notenbank Fed bei ihrem ultra-expansiven Kurs und betonen den aus ihrer Sicht nur temporären Charakter des Inflationsanstiegs. Anders als im Mai stehen für beide Notenbanken im Juni Zinsentscheide auf der Agenda. Gut möglich, dass zumindest die Fed schon einmal sehr vorsichtig darauf vorbereitet, dass die Leitzinsen doch nicht erst im Jahr 2023 angehoben werden und manch Aktienanleger dies als Grund ansieht, sich über den Sommer hinweg vorsichtiger zu positionieren.

Im laufenden Jahr werden China und die USA die Wachstumslokomotiven der Weltwirtschaft bleiben. Besonders die US-Volkswirtschaft wird von enormen geld- und fiskalpolitischen Stimuli angeschoben. Bisher beläuft sich das Volumen der staatlichen Unterstützungsprogramme seit Anfang 2020 auf 5,3 Billionen USD. Zusammen mit der durch Wertpapierkäufe um etwa 3,5 Billionen USD ausgeweiteten Bilanzsumme der US-Notenbank Fed und dem derzeit in den Verhandlungen befindlichen Konjunkturpaketen der US-Regierung zum Ausbau der Infrastruktur, übersteigt der gemeinsame Stimulus die Marke von 10 Billionen USD und entspricht damit etwa der Hälfte des gesamten im Jahr 2020 erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukts der USA.

Bemerkenswert ist, dass die Fed trotz der gestiegenen Inflation (2,6 Prozent im März) und eines aufgrund stark steigender Produktionskosten durch Lieferengpässe für Vorprodukte, hohe Auslastungsgrade in der Industrie sowie Energiepreisbasiseffekte weiter zunehmenden Inflationsdrucks betont, noch nicht konkret über einen weniger expansiven geldpolitischen Kurs nachzudenken. Erst solle das Ziel eines hohen Beschäftigungsgrads am Arbeitsmarkt erreicht werden, um möglichst breite Bevölkerungsschichten am wirtschaftlichen Aufschwung partizipieren zu lassen. Ein zwischenzeitliches Überschießen der Inflationsraten wird bewusst in Kauf genommen, wie seit dem Strategieschwenk der US-Notenbank schön länger angekündigt.

Am US-Arbeitsmarkt zeichnet sich tatsächlich eine wieder stärkere Erholungstendenz ab. Sollten wie zuletzt monatlich knapp 800.000 Stellen neu geschaffen werden können, könnten die USA in Q1 2022 das Vorkrisen-Beschäftigungsniveau – mit einer Arbeitslosenquote von etwa 3,5 Prozent – wieder erreichen. Damit dürfte ab Herbst 2020 die Diskussion über die weitere Ausrichtung der US-Geldpolitik entflammen und die Kapitalmärkte zumindest zeitweise verunsichern.

Auch dann ist davon auszugehen, dass die Fed nicht auf einen restriktiven Kurs umschwenken würde, da die notwendigen staatlichen Investitionen in Infrastruktur, das Gesundheitswesen, die Digitalisierung und die Bildung noch jahrelang großer Investitionen bedürfen, die wohl auch mithilfe der Notenbank über niedrige Zinsen und/oder Wertpapierkäufe refinanziert werden müssen. Die Wahrscheinlichkeit für ein anhaltendes Umfeld höherer Inflationsraten und gleichzeitig relativ niedriger Zinsen, also strukturell negativer Realzinsen nimmt kontinuierlich zu. Ein weiterer Beitrag zur Finanzierung der Investitionen erfolgt voraussichtlich über die geplanten Steuerhöhungen für Unternehmen und Menschen mit höheren Einkommen. Damit nimmt in den USA der Schwenk zu einer eher nachfrageorientierten wirtschaftspolitischen Ausrichtung immer stärkere Konturen an.

Global wird die boomende Industrie durch teilweise zunehmende Lieferengpässe ausgebremst. So berichten 45 Prozent der jüngst vom ifo-Institut befragten Industrieunternehmen in Deutschland von Engpässen bei Vorprodukten. Trotzdem ist aufgrund des anstehenden globalen Aufschwungs weiterhin mit einer hohen Dynamik in der Industrie zu rechnen. Unsere Basisannahme bleibt, dass bis zum Ende des zweiten Quartals auch ein Großteil der bestehenden Shutdown-Regelungen in Deutschland gelockert werden können. Damit könnten betroffene Dienstleistungsunternehmen im Zuge eines Abbaus des Konsumstaus einen ähnlichen Aufschwung erleben wie in Q3 2020. Trotzdem wird gerade aus den Bereichen des sozialen Konsums (Reisen, Veranstaltungen, Beherbergung, Gaststätten u.a.) die Anzahl der Insolvenzen in den kommenden Monaten zunehmen, nachdem die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht per 30. April endgültig ausgelaufen ist. Allein die Anzahl der Unternehmen, die im Vorjahr ohne Coronakrise voraussichtlich Insolvenz angemeldet hätten (Insolvenzlücke), es aber aufgrund der besonderen Schutzmaßnahmen nicht mussten, liegt bei schätzungsweise 1.400 Unternehmen. Da andere staatliche Unterstützungsmaßnahmen weiterbestehen (v.a. die Kurzarbeiterregelung) ist jedoch nicht von einem überbordenden Anstieg der Insolvenzen auszugehen. Zudem wird es strukturell bedingt eher kleinere Unternehmen treffen, wodurch sich die Auswirkungen auf den Kapitalmarkt in Grenzen halten sollten.

Weltweit liegt der Fokus weiter auf der Bekämpfung der Corona-Pandemie, aktuell vor allem in Schwellenländern. Die jüngst von den USA vorgeschlagene Freigabe der Patente für Corona-Impfstoffe ist aus ordnungspolitischer Sicht kritisch zu betrachten, da sich negative Anreize für kommenden Forschungsbemühungen ergeben könnten. Andererseits ist es auch aus volkswirtschaftlicher Sicht dringend erforderlich, die Impfstoffproduktion kurzfristig zu erhöhen, um auch Schwellenländern möglichst umfassende Impfkampagnen zu ermöglichen. Die Weltgemeinschaft und die mit den Impfkampagnen weit fortgeschrittenen Staaten sollten alles daran setzen, die derzeit produzierenden Unternehmen bei der Erweiterung von Produktionskapazitäten und dem Einkauf notwendiger Rohstoffe zu unterstützen.

Die positiv getesteten Neufallzahlen im Zuge der Corona-Pandemie stiegen zuletzt in einigen europäischen Staaten, als auch in vielen Schwellenländern. So wurden in Brasilien und Indien hohe Niveaus vermeldet, wobei für die Region Mumbai – nach über 100.000 neuen Fällen pro Tag – erneut striktere Lockdowns implementiert wurden. Bedenklich ist dabei, dass von einer sehr hohen Dunkelziffer auszugehen ist und vor allem neue ansteckendere Virus-Mutationen den deutlichen Anstieg verantworten.

 

Der Vergleich der Impffortschritte zeigt auch, dass Indien – trotz sehr hoher aber überwiegend exportierter Impfstoffproduktion – und Brasilien mit 5-10 Prozent mindestens einmal Geimpfter an der Gesamtbevölkerung noch hinter den europäischen Staaten (10-15 Prozent) und deutlich hinter fortgeschrittenen Nationen, wie Großbritannien (47 Prozent) und den USA (33 Prozent), liegen. Letztere haben zudem kaum im Land produzierte Impfstoffe exportiert.

 

Wie der Internationale Währungsfonds IWF in seinem jüngsten „World Economic Outlook“ verdeutlicht, sind diese unterschiedlichen Dynamiken der Pandemie und der Impfkampagnen maßgebliche Faktoren für eine zunehmende Divergenz in der wirtschaftlichen Entwicklung. Vor allem die Schwellenländer verzeichnen – auch aufgrund geringerer fiskalischer Unterstützungen – stärkere Einbrüche und länger anhaltende Negativwirkungen, während andere Staaten, wie China und die USA, in der wirtschaftlichen Erholung schon sehr weit fortgeschritten sind.

 

Aufgrund der coronabedingt weiter hohen Unsicherheiten mahnt der IWF eine zunächst weiter hohe fiskalische Unterstützung der Wirtschaft an, auch um Folgekrisen etwa im Bankensektor oder über Turbulenzen an den Kapitalmärkten zu vermeiden. Gleichzeitig wird jedoch auf die in einigen Staaten mittelfristig notwendigen fiskalischen Konsolidierungsbemühungen aufgrund weltweit explodierter Staatsschulden hingewiesen. Die aggregierten weltweiten Staatschulden im Verhältnis zum BIP haben mittlerweile Niveaus wie zuletzt nach dem 2. Weltkrieg erreicht.

 

In Deutschland war sowohl im Januar (-2,0 Prozent) als auch im Februar (-1,8 Prozent) eine sinkende Industrieproduktion zu verzeichnen. Diese ist allerdings unter anderem auf saisonale Effekte (bspw. wetterbedingt geringerer Bauproduktion) und stockende Lieferketten (bspw. fehlende Chips in der Automobilindustrie) zurückzuführen. Generell bleiben die Aussichten für die deutsche Industrie aufgrund der weiterhin hohen Exportnachfrage sehr gut, wie der erneute Anstieg der Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe auf den höchsten Stand seit Mitte 2018 gemäß ifo-Geschäftsklimaindex für März verdeutlichte.

 

Auch in den USA bleibt die wirtschaftliche Dynamik – sowohl für die Industrie als auch die Dienstleistungen – außergewöhnlich hoch und wird durch die weiter massive fiskalische Unterstützung in den kommenden Monaten noch zusätzlich angetrieben. Entsprechend war am US-Arbeitsmarkt im März auch wieder eine positive Tendenz mit 780.000 neu geschaffenen Stellen und einer auf sechs Prozent gesunkenen Arbeitslosenquote festzustellen. Angesichts der auch in den kommenden Monaten anhaltend hohen wirtschaftlichen Dynamik könnte das Vorkrisenniveau mit etwa 3,5 Prozent Arbeitslosigkeit schon gegen Ende 2021 oder Anfang 2022 erreicht werden. Damit würden sich die Augen auf die US-Notenbank Fed richten, die ggf. doch früher als zuletzt angekündigt, über Leitzinsanhebungen nachdenken müsste.

 

Die Aussichten für die internationalen Aktienmärkte bleiben aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen und angesichts der anstehenden Konjunkturerholung grundsätzlich positiv, wenngleich viel der entsprechenden Erwartungen bereits eingepreist sein dürfte. Daher ist künftig mit höheren Schwankungen und branchen- sowie unternehmensspezifisch differenzierten Entwicklungen zu rechnen. Die Sektorrotation zugunsten konjunktursensitiver Aktien dürfte zunächst anhalten.

 

 

Börsen im März: (Vor-) Frühlingsgefühle

Das Kapitalmarktumfeld im März: boomende Industrie trotz Shutdowns

In den USA wurde das von Präsident Biden vorgesehene neue Konjunkturpaket mit einem Volumen in Höhe von 1,9 Billionen USD verabschiedet. Damit ergibt sich für die ohnehin und trotz erhöhter Corona-Neufallzahlen im Winterhalbjahr dynamische US-Konjunktur noch einmal ein erheblicher Stimulus, u.a. bestehend aus direkten Transfers an Konsumenten, Unterstützung von Impfkampagnen, Stützung von Unternehmen, Kommunen etc. Entsprechend wurden die Wachstumsprognosen für die USA im laufenden Jahr auf bis zu 6,5% deutlich angehoben. Die globale Erholung hat damit neben China ein zweites Zugpferd gewonnen, wodurch sich erneut positive Impulse für die exportorientierte Industrie in Deutschland ergeben dürften. Entsprechend stieg der ifo-Geschäftsklimaindex für das Verarbeitende Gewerbe im März weiter an und signalisiert mittlerweile einen Boom wie zuletzt Anfang 2018. Die Folge sind noch längere Lieferzeiten für einzelne Vorleistungsgüter, bspw. Chips für die Automobilindustrie, sowie erheblich steigende Produktionspreise – auch aufgrund weltweit knapper Transportkapazitäten.

Weiterhin leiden in vielen europäischen Staaten jedoch einige Dienstleistungssektoren unter den zuletzt sogar teilweise verlängerten und verschärften Lockdown-Maßnahmen mit überwiegend fehlender konkreter Aussicht auf Lockerungen. Insbesondere bei personennahen Dienstleistungen und Anbietern sozialen Konsums, wie bspw. Gaststätten, Beherbergungsbetrieben, Veranstaltern oder im Reisesektor sehen gemäß einer Umfrage des ifo-Instituts mittlerweile über 75% der befragten Unternehmer ihren Betrieb als akut existenzgefährdet an. Jede Woche weiterer Lockdown verschlechtert deren wirtschaftliche Perspektiven und belastet in der Folge auch den privaten Konsum. Viele Menschen befürchten künftig Einkommens- oder gar Jobverluste und sparen weiterhin mehr, anstatt zu konsumieren.
Trotz erneut angestiegener Inflation in Deutschland (1,7 Prozent) und in der Eurozone (1,3 Prozent) sowie ölpreisbedingt absehbarer weiterer Preisanstiege in den kommenden Monaten, bestätigte die Europäische Zentralbank EZB genau wie die US-Notenbank Fed ihren ultra-expansiven geldpolitischen Kurs. EZB-Präsidentin Lagarde kündigte zudem an, im 2. Quartal die Wertpapierkaufvolumina im Rahmen des PEPP-Programms deutlich zu erhöhen, vermutlich als Antwort auf die seit Jahresanfang relativ deutlich gestiegenen Zinsen.
Ein erstes Treffen zwischen dem chinesischen und dem US-Außenminister seit der Amtsübernahme Joe Bidens brachte keine nennenswerten Fortschritte bei diversen Konfliktthemen, u.a. bzgl. des weiter schwelenden Handelskonfliktes.

Zinsen: in Europa leicht, in den USA stärker steigend

Die Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe stieg im März erneut leicht auf -0,29 Prozent p.a. Bei 30 Jahren Restlaufzeit ist mit deutschen Bundesanleihen mittlerweile wieder eine positive Rendite in Höhe von 0,25 Prozent p.a. zu erzielen. Ein weiterer Zinsanstieg dürfte auch aufgrund der verbalen Intervention der EZB-Präsidentin mit der Ankündigung künftig erweiterter Wertpapierkäufe ausgeblieben sein. In den USA hingegen zog die Rendite von Staatsanleihen mit 10 Jahren Restlaufzeit angesichts der dynamischen Konjunkturentwicklung sowie zunehmender Preissteigerungstendenzen erneut stärker auf 1,74 Prozent p.a. an.

Aktien: auf Rekordkurs

Der deutsche Leitindex DAX erreichte Ende März einen neuen Rekordstand bei über 15.000 Punkten und konnte damit seit Jahresanfang um knapp 10 Prozent zulegen. Anders als noch im Vorjahr profitierten die im deutschen Leitindex besonders stark vertretenen konjunktursensitiven Aktien, etwa von Anlagen-, Fahrzeug- und Maschinenbauern sowie die Branchen Chemie und Logistik von der weltweit stark steigenden Exportnachfrage. Zu den Nachzüglern hingegen avancierten viele Gewinner des letzten Jahres, vor allem aus dem Technologiesektor. Einerseits werden einige der von der Coronakrise sogar profitierende Unternehmen in den kommenden Monaten einer Gewinnnormalisierung unterliegen, bspw. Versandhändler. Andererseits wirkten sich die vor allem in den USA zeitweise deutlich steigenden Zinsen für Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten negativ auf die Bewertungen stark wachsender Technologieunternehmen aus. Entsprechend stieg der US-Technologieindex NASDAQ 100 im ersten Quartal nur um 2 Prozent, während der breit gefasste US-Aktienindex S&P 500 ein Kursplus in Höhe von knapp 6 Prozent erreichte.

Währungen: Euro schwächer

Der Euro gab im Vergleich zum US-Dollar erneut deutlich nach und notierte Ende März bei 1,17 EUR/USD. Sowohl die kräftigere Konjunkturdynamik als auch die stärker steigenden Zinsen im US-Dollarraum nutzten offensichtlich einige Anleger für Umschichtungen zulasten des Euro.
Rohstoffe: Gold und Rohöl schwächer
Der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent gab leicht auf 63 US-Dollar nach. Ebenfalls leicht fiel der Goldkurs und notierte zum Monatsende nur noch knapp über der Marke von 1.700 US-Dollar. Ein festerer Dollar, steigende Zinsen sowie haussierende Aktien- und Bitcoinkurse ließen zunehmende Sorgen um weltweit explodierende Staatsschulden und anhaltend tief negative Realzinsen im bisherigen Jahresverlauf in den Hintergrund treten.

Implikationen für Anleger

Angesichts immer weiter steigender Aktienkurse und neuer Höchststände – mittlerweile sogar beim sehr zyklisch ausgerichteten DAX – nehmen die Risiken für zwischenzeitliche Rückschläge weiter zu. Nicht zuletzt der Zusammenbruch des 50 Mrd. US-Dollar schweren Hedgefonds Archegos Ende März verdeutlichte, dass es derzeit teilweise zu spekulativen Exzessen kommt. Trotzdem sind Befürchtungen einer dadurch auslösbaren systemischen Finanzkrise analog der Ereignisse von 2008 wohl nicht gerechtfertigt. Einerseits befindet sich die Weltwirtschaft zweifellos am Anfang eines Nach-Rezessions-Booms mit überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten in den kommenden Jahren. Zudem stabilisieren sowohl Geld- als auch Fiskalpolitik schon lange und wohl auch noch lange die wirtschaftliche Erholung und dadurch letztlich auch die Kurse an den Kapitalmärkten. Und auch die relative Schwäche der Highflyer des letzten Jahres aus dem Technologiesektor sowie der verpatzte Börsengang des britischen Essenlieferdienstes Deliveroo verdeutlichen, dass die Börsen sich trotz vielfacher Höchstkurse nicht in einem ekstatischen Zustand der überschäumenden Euphorie befinden, in der Anleger jeden Kontakt zur Realität verloren haben. Vielmehr sorgt derzeit jegliche Negativnachricht sofort für ungute Erinnerungen an vergangene Crashs und dürfte entsprechend steigende Vorsicht sowie die ein oder andere Gewinnmitnahme hervorrufen. Trotzdem werden die Unternehmen in den kommenden Monaten hoch gesteckte Gewinnerwartungen erfüllen müssen. Zudem birgt die weiter kritische Corona-Situation zumindest in Europa Rückschlagpotenziale. Es dürfte daher künftig auch wieder volatiler werden, wenngleich die Grundkonstellation anhaltend negativer Realzinsen die Kurse aller Realwertanlagen weiter unterstützen wird.

Die in dieser Woche veröffentlichten Schnellschätzungen der Markit-Einkaufsmanagerindizes für Deutschland haben positiv überrascht. Für den Industriesektor wurde zwar ein anhaltend positives Ergebnis erwartet, ein Anstieg auf 68,5 und damit auf ein Rekordniveau, übertraf dann aber die Vorstellung der meisten Beobachter. Rekorde gab es ebenso beim Anstieg der Exportaufträge, dem Hauptfaktor für die weiterhin sehr guten Geschäftsaussichten in der deutschen Industrie.

Wie in den letzten Monaten auch, berichteten die befragten Unternehmen von deutlich verlängerten Lieferzeiten für Vorleistungsgüter sowie knappen Produktionskapazitäten und demzufolge von stark steigenden Kosten für Vorleistungen und Transportdienstleistungen. Die Kostensteigerungen konnten zumindest teilweise auf die Endverbraucherpreise überwälzt werden, so dass Gewinnmargen größtenteils nicht negativ beeinflusst werden. 

Vor diesem Hintergrund sind in den kommenden Monaten kaum weitere Steigerungen der Umfrageergebnisse in der Industrie zu erwarten. Wenn Kapazitäten ausgereizt sind und teilweise erhebliche Lieferschwierigkeiten für Vorleistungen bestehen, kann die Produktion nicht weiter ausgeweitet werden. Trotzdem werden gerade exportorientierte Unternehmen auch weiterhin von der globalen Erholung nach der Corona-Rezession in den kommenden Wochen profitieren und wohl noch länger auf den derzeitigen Niveaus produzieren können.

Ebenfalls überraschend deutlich stieg der Index für Dienstleistungen in Deutschland über die Expansionsmarke von 50 Punkten. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Entscheidung über die verlängerte Shutdown-Regelung in Deutschland erst gegen Ende des Befragungszeitraums vorgenommen wurde. Daher ist anzunehmen, dass die zuvor geäußerte Zuversicht bei einigen Unternehmen vorerst wider revidiert werden muss.

Auch für Frankreich und die gesamte Eurozone konnte in beiden Sektoren eine steigende Zuversicht der Unternehmen vermeldet werden. Dennoch belasten die verlängerten und zum Teil verschärften Shutdown-Regelungen – wie in Deutschland und Frankreich – die Volkswirtschaften. Ein breiter, alle volkswirtschaftlichen Segmente umfassender Aufschwung wird daher nicht vor Ende April stattfinden können. Dies aber nur unter der Annahme, dass keine Verlängerung der Shutdown-Regelungen nötig sein wird. In den USA hielten sich die Umfrageergebnisse auf den hohen Niveaus der Vormonate. Auffallend war hier der Hinweis der Unternehmen auf – teilweise im historischen Vergleich beispiellose – stark steigende Produktionskosten.

Auch vor diesem Hintergrund wird die EZB ihren ultra-expansiven geldpolitischen Kurs fortsetzen. Die Perspektive anhaltend niedriger Zinsen, aber gelichzeitig steigender Inflationsraten wird für tief negative Realzinsen bei Staatsanleihen der Eurozone sorgen und dürfte reale Anlageklassen – wie Aktien, Edelmetalle oder Immobilien – weiter unterstützen.

Börsen im Februar: nicht rutschfest…

China bleibt vorerst die Wachstumslokomotive der Welt. Der Internationale Währungsfonds rechnet in diesem Jahr mit einem im historischen Vergleich überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum in Höhe von 8,1 Prozent. Im nächsten Jahr dürfte sich das Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft dann mit erwarteten 5,6 Prozent langsam wieder den Vorkrisenraten annähern. Kurzfristig profitiert China davon, dass seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im ersten Quartal 2020 keine weiteren größeren Infektionswellen entstanden und damit keine erneuten großflächigen Shutdowns notwendig waren.

Aber auch langfristig klar definierte, politisch mit allen Mitteln unterstützte und konsequent umgesetzte wirtschaftliche Zielsetzungen helfen, die Wirtschaft weiter in rasantem Tempo zu modernisieren und auf künftige Herausforderungen auszurichten. Beispiele sind der seit Jahren bestehende Plan „Made in China 2025“ mit der China in wesentlichen zukunftsrelevanten Technologien die weltweit führende Rolle einnehmen wird, die neue Seidenstraße, der Abschluss des Freihandelsabkommens RCEP oder jüngst die Formulierung der „Strategie der zwei Zirkel“, also der Fokussierung auf eine stärkere Unabhängigkeit von ausländischen Importen und auf den Außenhandel in der engeren Region Asiens.

In Deutschland und Europa hingegen leiden vor allem einige Dienstleistungssektoren unter den weiterhin bestehenden Shutdown-Maßnahmen. Zwar gingen in vielen europäischen Staaten die neu gemeldeten Corona-Fallzahlen zuletzt zurück, jedoch steigt der Anteil verschiedener besonders ansteckender Mutationen des Virus, weshalb Lockerungen der Shutdowns vielerorts fraglich sind oder aber gegebenenfalls wieder revidiert werden müssen. Für einzelne betroffene Unternehmen und Menschen sind die Auswirkungen mit anhaltender Dauer der Maßnahmen immer gravierender. Mit Sicherheit werden die Insolvenzen in diesen Bereichen in den kommenden Monaten deutlich zunehmen. Diese Aussicht und die resultierende Angst vor Einkommens- oder gar Jobverlusten verunsichert weiterhin viele Menschen, die ihre Konsumausgaben auf das Nötigste beschränken. Entsprechend konnte der GfK-Konsumklimaindex sich von seinem Einbruch im Januar auch nur leicht erholen.

Gesamtwirtschaftlich halten sich die Auswirkungen zumindest in Deutschland bisher in Grenzen, erkennbar an dem gerade auf 0,3 Prozent nach oben revidierten Wirtschaftswachstum im 4. Quartal. Das ifo-Institut schätzt den Ausfall an Wertschöpfung derzeit auf 1,5 Mrd. Euro wöchentlich, was etwa 2,5 Prozent der gesamten Wertschöpfung pro Woche entspricht. Aufrecht gehalten wird die Dynamik global und besonders in Deutschland vor allem von der Industrie. Der letzte ifo-Geschäftsklimaindex verdeutlichte, dass die Stimmung bei den Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes auf den höchsten Stand seit Ende 2018 angestiegen ist. Angetrieben wird die Industrieproduktion besonders von der hohen Exportnachfrage, u.a. aus China.

In den USA hat sich gemäß ISM-Einkaufsmanagerindizes zuletzt sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor die Stimmung der Unternehmen weiter auf hohen Niveaus gehalten. Dabei profitiert der in den USA für die gesamte Wirtschaftsleistung besonders wichtige private Konsum von den noch bestehenden fiskalischen Stützungsmaßnahmen, die allerdings teilweise im März auslaufen. Umso wichtiger wäre für die US-Volkswirtschaft eine zeitnahe Verabschiedung des von Präsident Joe Biden geplanten neuen Konjunkturpaketes mit einem Volumen von bis zu 1,9 Bio. US-Dollar, das u.a. direkte Zahlungen in Höhe von 1.400 US-Dollar an viele US-Bürger, die Unterstützung von Impfkampagnen und Testkapazitäten sowie Zahlungen an Städte und Bundesstaaten vorsieht. Die dafür notwendigen Abstimmungen finden heute im Repräsentantenhaus und in der kommenden Woche im Senat statt. Es ist davon auszugehen, dass zumindest große Teile des Paketes verabschiedet werden können. Die Notwendigkeit wurde auch vom Chef der US-Notenbank Fed Jerome Powell in dieser Woche erneut unterstrichen. Er verwies auf die nach wie vor bestehende Unterauslastung des US-Arbeitsmarktes, weshalb auch die Geldpolitik auf absehbare Zeit weiter expansiv ausgerichtet werden solle. Zwar fiel die Anzahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in dieser Woche relativ deutlich auf 730.000, doch verglichen mit dem Vorkrisenniveau fehlen noch immer etwa 10 Millionen Beschäftigungsverhältnisse.