In vielen Volkswirtschaften bereiten die zuletzt wieder steigenden Corona-Neufallzahlen Sorgen. So wurde bspw. für Russland – wo nur etwa 33 Prozent vollständig geimpft sind – die erste Novemberwoche als arbeitsfrei angeordnet, um die aktuelle Infektionswelle zu brechen. Obwohl die Situation aufgrund der sehr viel niedrigeren Impfquote nicht vergleichbar ist, wird trotzdem deutlich, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie ein Risikofaktor für die weltwirtschaftliche Entwicklung bleiben.

 

Trotzdem erwartet der Internationale Währungsfonds IWF gemäß seines jüngsten World Economic Outlook weiterhin ein dynamisches Wachstum der Weltwirtschaft um 5,9 Prozent in diesem und 4,9 Prozent im kommenden Jahr. Da jedoch sowohl für das dritte als auch das laufende vierte Quartal bereits deutliche Bremsspuren in vielen Volkswirtschaften erkennbar sind, könnten sich die Prognosen für 2021 als zu positiv erweisen. So konnte die Wirtschaft in China im dritten Quartal nur noch um 0,2 Prozent zulegen, stagnierte also nahezu. Die Wachstumsraten der Industrieproduktion und der Anlageinvestitionen gaben im Vergleich zum Vormonat erneut nach, während immerhin die Einzelhandelsumsätze leicht stärker zulegen konnten. In den USA sank die Industrieproduktion im September um 1,3 Prozent. Basisannahme bleibt aber, dass sich die bestehenden Lieferengpässe und Produktionskostenexplosionen im ersten Halbjahr 2022 sukzessive auflösen und die Wirtschaft dann wieder zu dem dynamischen Nach-Corona-Wachstumspfad zurückkehren wird.

 

Ebenfalls veröffentlichte der IWF seinen aktuellen Global Financial Stability Report. Neben wesentlichen Fortschritten für die weltwirtschaftlichen Perspektiven, wie bspw. stark erholten Unternehmensgewinnen, einem verbesserten Kreditumfeld und unterstützender Finanzierungsbedingungen für Staaten werden aber auch gewichtige Risikofaktoren benannt, vor allem die derzeit nachlassende Wachstumsdynamik, die Gefahr inflationsbedingt stärker steigender Zinsen und das Platzen möglicher Immobilienpreisblasen.

 

Vor diesem Hintergrund empfiehlt der IWF der Fiskalpolitik weiterhin zielgerichtete Unterstützungsmaßnahmen für die Stabilisierung der Volkswirtschaften, regulatorische Beschränkungen zur Vermeidung von Preisblasen und insbesondere für Schwellenländer Strukturreformen. Den Notenbanken wird nahegelegt, die Normalisierung der geldpolitischen Ausrichtung vorsichtig anzugehen, um die Finanzierungskonditionen weltweit nicht zu schnell und zu stark ansteigen zu lassen. Gleichzeitig soll aber auch ein zu starker Anstieg der Inflationserwartungen vermieden werden. Es wird die Quadratur des Kreises verlangt, mit der sich die Notenbanken nachvollziehbarerweise schwertun.

 

Erkennbar ist das besonders an der extrem vorsichtigen Kommunikation der US-Notenbank Fed nach deren letzter Zinssitzung, in der Jerome Powell, der Fed-Präsident, andeutete, dass im Falle weiterer Fortschritte bei der Erreichung des Inflationsziels und des Ziels der Vollbeschäftigung möglicherweise zeitnah der Zeitpunkt für eine Reduzierung der Wertpapierkaufvolumina erreicht sein könnte. Obwohl die Arbeitsmarktdaten zuletzt eher gemischt ausfielen, ist angesichts des erheblichen Inflationsdrucks davon auszugehen, dass in der nächsten Sitzung des Fed-Entscheidungskomitees (FOMC) Anfang November der Beginn des Tapering ab dem ersten Quartal 2022 beschlossen wird. An den Kapitalmärkten dürften daraus kaum nennenswerte Reaktionen entstehen, nachdem dieser Schritt schon lange erwartet wird.

 

Für ein Agieren der Fed spricht auch der zuletzt erkennbare Anstieg der Inflationserwartungen in den USA. Bei einem weiteren Zögern würde die Notenbank Gefahr laufen, sehenden Auges eine sich verselbständigende Inflationsspirale zuzulassen. Ohnehin dürften die massiven Lieferengpässe trotz sukzessiver Auflösung ab 2022 noch anhaltend für erhöhten Preisdruck sorgen. Auch die Energiepreise werden angesichts des anstehenden Winterhalbjahres auf der Nordhalbkugel der Erde und verschiedener bestehender Produktionsbeschränkungen vorerst erhöht bleiben.

 

Die Perspektiven für Kapitalmärkte bleiben damit kaum verändert: trotz leicht steigender Zinsen unterstützen grundsätzlich niedrige Zinsniveaus weiterhin reale Anlageklassen, wie Aktien, Edelmetalle und Immobilien. Neben der Corona-Pandemie und der kurzfristigen wirtschaftlichen Schwäche sind Fehler der Geld- oder Fiskalpolitik ein zunehmendes Kernrisiko, durch das die Gefahr vermehrter Kursrücksetzer zunimmt.

Derzeit zeigt sich, dass die Steuerung der Inflation kein so einfaches Unterfangen ist, schon gar nicht das Erreichen eines bestimmten Inflationsniveaus. Zwar betonen die Europäische Zentralbank EZB und andere bedeutenden Notenbanken, dass die aktuell höheren Preissteigerungsraten nur temporären Charakter haben. Die kürzlich erhöhten EZB-Projektionen liegen mit 1,7 Prozent für 2022 und 1,5 Prozent für 2023 sogar immer noch weit unter dem langfristigen Zielwert von 2 Prozent. Allerdings entwickelt sich gerade eine immer schwerer zu kontrollierende Eigendynamik, die aus vielen verschiedenen preistreibenden Komponenten besteht, die größtenteils von der Notenbank gar nicht beeinflusst werden können. Zuerst sind in den vergangenen Monaten die Preise für diverse Rohstoffe und Vorprodukte deutlich angestiegen, unter anderem aufgrund anhaltend gestörter Lieferketten. Dies hat für teils explodierende Produktionskosten in der Industrie gesorgt. Nun legten auch noch die Energiepreise unerwartet stark zu. Auch hier sind die Hintergründe vielfältig, dazu gehören Corona- und witterungsbedingte Produktionsunterbrechungen, erhöhte Nachfrage in der Erholung nach der Rezession, die nur langsame Anhebung der täglichen Rohölfördermenge durch die OPEC oder leere Gaslagerstätten in vielen Staaten. Der noch fehlende Schritt für eine länger anhaltende Phase erhöhter Inflationsraten wäre das Einsetzen einer Lohn-Preis-Spirale, die zumindest in den USA schon klar erkennbar ist. In dieser Woche werden die Stellenangebote laut offizieller Arbeitsmarktstatistik (Job Openings and Labor Turnover Survey des Bureau of Labour Statistics, JOLT) veröffentlicht, die mit knapp 11 Millionen offener Stellengesuche erneut auf Rekordniveau liegen dürften. Angesichts des zuletzt erneut nur geringen Anstiegs neuer Arbeitsverhältnisse in den USA eröffnet sich deutlicher Spielraum für Lohnerhöhungen für Arbeitnehmer. In Deutschland werden die derzeit höheren Inflationsraten schon zu einem Kernargument für höhere Lohnabschlüsse, schließlich treffen höhere Preise vor allem geringere und mittlere Einkommensempfänger. Die EZB-Projektionen dürften vor diesem Hintergrund – möglicherweise deutlich – zu niedrig liegen. Die Zinsen für Staatsanleihen werden weiter steigen, aber voraussichtlich noch lange unterhalb der Inflationsrate liegen.

Die Wachstumsdynamik der deutschen Industrie wird zunehmend durch anhaltende Lieferengpässe, knappe Transportkapazitäten und stark steigende Strom- und Energiepreise ausgebremst. Nach einem erneuten Rückgang des ifo-Geschäftsklimaindex im September zeichnen nun auch die jüngsten volkswirtschaftlichen Datenveröffentlichungen ein klares Bild des Industrieabschwungs. So gaben die Auftragseingänge im August um 7,7 Prozent nach. Vor allem die Aufträge für Investitionsgüter […]

Deutschland hat gewählt und die Ziele für eine wünschenswerte Zukunft sind klar umrissen: Es muss bis zum Ende der 2020er Jahre gelingen, eine wettbewerbsfähige Nachhaltigkeitsökonomie zu entwickeln, eine durch digitale Werkzeuge unterstützte, wandlungsfähige Gesellschaft, eine innovative Marktwirtschaft sowie eine Demokratie, die lebendig und stark ist. Ein solches Zukunftsbild wird von fast allen Parteien mehr oder weniger geteilt. Umso mehr verwunderte es, wie inhaltsarm der Bundestagswahlkampf verlief.

Es geht nicht ohne richtungsweisende Weichenstellungen

Die klaffende Lücke zwischen Zielen, Instrumenten und Konzepten muss geschlossen werden, um den Weg in eine gute Zukunft zu finden. „Gerade jetzt ist die Mobilisierung breiter
Gesellschaftsmehrheiten enorm wichtig für die Zielerreichung. Angesichts der zunehmenden Fokussierung auf Nebensächlichkeiten und einer verstärkten inhaltlichen Lagerbildung ohne
Möglichkeit zum Diskurs war das zuletzt immer schwieriger“, so Carsten Mumm, Chefvolkwirt bei DONNER & REUSCHEL und Autor der DONNER & REUSCHEL Standpunkte. „Es fehlt
fast überall an Agilität und Konzepten. Das Regierungshandeln der letzten Jahre war häufig kurzfristig und symptomatisch, selten nachhaltig und kurativ, wodurch man von Krise zu Krise geschlittert ist“, ergänzt Prof. Dr. Vöpel, Co-Autor der Studie.

Antworten auf die entscheidenden Fragestellungen der Zukunft

Die zukunftssichere Ausrichtung Deutschlands funktioniert nur im europäischen Kontext. Doch der Verlauf des Abzugs internationaler Truppen aus Afghanistan im August 2021 hat
unterstrichen, was seit längerer Zeit offenkundig ist, nämlich, dass Europa im geopolitischen Systemwettbewerb mit China einerseits und den USA andererseits an Boden verliert. Dieser
Befund ist auch ökonomisch bedenklich, da es in den kommenden Jahren um die Neugestaltung der Globalisierung und der internationalen Handelspolitik geht. Der geopolitische Systemwettbewerb wird auch und insbesondere über neue Technologien geführt. Europa muss daher den Anspruch formulieren, diese Technologien mit einem eigenen europäischen Ansatz zu entwickeln und zu nutzen. Gelingt das nicht, wird man sich langfristig nur extern vorgegebenen Standards anpassen können.

Der erste Teil der siebenteiligen Reihe „DONNER & REUSCHEL Standpunkte: Deutschland nach der Wahl“ bezieht sich auf die Frage der Souveränität. Es wird untersucht, wie
Deutschland und Europa in einer Zeit der geopolitischen Verschiebungen an strategischer Souveränität gewinnen sowie Demokratie, offene Märkte und den Multilateralismus stärken
können.

Konkret ist die Aufgabe der nächsten Bundesregierung:

  • Europas Souveränität zu unterstreichen, indem das transatlantische Bündnis wieder gestärkt, Wertegemeinschaften und Kooperationen gefördert und das Verhalten
    gegenüber China und Russland geklärt werden.
  • Europas Stabilität zu stärken, indem ein ordnungspolitisch und institutionell glaubwürdiger Rahmen geschaffen wird, der zentrale Aufgaben zentralisiert (Stärkung der
    europäischen Souveränität) und dezentrale Aufgaben in die Länder und Regionen zurückgibt (Stärkung des Föderalismus und der Subsidiarität).
  • Konkrete Umsetzungsschritte zur Stärkung der europäischen Zentralinstanz zu forcieren, bspw. den Aufbau einer gemeinsamen, und die Abhängigkeit von Externen reduzierenden europäischen Verteidigungs-, Pandemie- und Katastrophenbekämpfungsstrategie.
  • Die besondere Bedeutung der fiskal- und geldpolitischen Regeln sowie der finanzpolitischen Ausgleichsmechanismen zu unterstreichen. Um der zunehmenden Verquickung von Geld- und Fiskalpolitik zu begegnen, sollte die Unabhängigkeit der Notenbank von politischen Entwicklungen zweifelsfrei wiederhergestellt werden.
  • Die Weiterentwicklung der „Fiskalunion“ anzugehen, die jedoch nicht in einer allgemeinen Gemeinschaftshaftung enden darf, sondern in einer Stärkung der Reformanreize.
  • Europa als Wertegemeinschaft zu profilieren, vor allem mit einem eigenen Ansatz des Unternehmertums, der gemeinschaftlichen Nutzung und Entwicklung neuer
    Technologien sowie des Schutzes der menschlichen Würde und der natürlichen Lebensgrundlagen.

Die DONNER & REUSCHEL Standpunkte „Deutschland nach der Wahl“ bilden den vierten Teil der Studienreihe „Mensch, Gesellschaft, Ökonomie – gemeinsam für eine bessere Zukunft“, und leiten aus einem Zukunftsbild Deutschlands und Europas im Jahr 2030 die wichtigsten Fragen der Zukunft sowie konkrete Handlungsrichtungen für die Politik ab.

Die ausführlichen Ergebnisse der Studienreihe finden Sie hier.

Börsen im September: Licht und Schatten

Corona, Digitalisierung, Klimawandel: Vor welchen Herausforderungen steht die neue Regierung? Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei DONNER & REUSCHEL, erklärt, warum wir mehr zukunftsgerichtete Weichenstellungen von Seiten der Politik brauchen, welche konkreten Themen aktiv angepackt werden müssen und welche Regierungskonstellation besser für die Börsen wäre. Reinhören lohnt sich! Zur elften Folge des Markt kompakt-Podcasts bitte hier entlang.

Die zuletzt sinkenden Corona-Neufallzahlen, u.a. in vielen europäischen Staaten und den USA, nähren die Hoffnung, dass der Einfluss der Pandemie auf Konjunktur und Kapitalmärkte in den kommenden Wochen nachlässt. Allerdings bleibt das Problem zum Teil sehr niedriger Impfquoten in vielen Schwellenländern. Neben humanitären Härtefällen drohen bei steigenden Fallzahlen auch wirtschaftlich negative Rückwirkungen. Zudem besteht die Gefahr, dass bei hoher Infektionsdynamik neue Virusvarianten entstehen, durch die die steigende Immunität der Weltbevölkerung übersprungen werden könnte.

 

Die jüngsten Schnellschätzungen der Markit-Einkaufsmanagerindizes verdeutlichten allerdings noch eine Belastung der Geschäftsaussichten der Unternehmen, v.a. im Dienstleistungsbereich, aufgrund der Befürchtung künftig erneut notwendiger Shutdown-Maßnahmen. In China ist der Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors sogar unter die Expansionsmarke von 50 Punkten gerutscht, da neben Corona-Restriktionen auch die insgesamt nachlassende Wachstumsdynamik sowie die Verunsicherungen rund um den Ausfall des Immobilienentwicklers Evergrande die Stimmung belasteten. Entsprechend fiel auch das Wachstum der Einzelhandelsumsätze im August mit einem Plus von 2,5 Prozent sehr schwach aus.

 

Auch im Verarbeitenden Gewerbe sank die Zuversicht der Unternehmen gemäß Umfrage von Markit weltweit deutlich, zeichnet aber weiterhin das Bild einer steigenden Produktion in den kommenden Monaten. Gründe sind hier vor allem die anhaltenden Lieferengpässe bei vielen Vorprodukten und Rohstoffen, knappe Transportkapazitäten sowie Schwierigkeiten, genügend ausreichend qualifiziertes Personal zu akquirieren und daraus resultierende erhebliche Produktionskostensteigerungen.

 

Da diese noch immer weitgehend an die Endverbraucher durchgereicht werden können, bleibt auch die Inflationsdynamik in den kommenden Monaten hoch. Zwar laufen am Anfang des kommenden Jahres einige preistreibende Einmal- und Basiseffekte aus, trotzdem dürfte die historisch beispiellose Lücke zwischen rekordhohen Auftragseingängen und kapazitätsbedingt ausgebremster Produktion, bspw. in der deutschen Industrie, nicht kurzfristig abgebaut werden und entsprechend den Preisdruck hochhalten.

 

Vor diesem Hintergrund hatte sowohl die EZB als auch die US-Notenbank Fed zuletzt ihre Inflationsprojektionen angehoben und erwarten nunmehr für die Eurozone 1,7 Prozent in 2022 sowie 1,5 Prozent in 2023 bzw. in den USA jeweils 2,2 Prozent in den kommenden beiden Jahren. Allerdings ist davon auszugehen, dass diese Erwartungen aufgrund der Fülle an preistreibenden Faktoren noch zu gering bemessen sind. Untermauert wird das Bild anhaltend höherer Inflationsraten durch die Annahme eines auch im kommenden Jahr überdurchschnittlichen Wachstums in vielen Regionen weltweit. So rechnet die OECD gemäß ihres aktuellen Economic Outlook nach 6 Prozent globalem Wachstums in diesem mit 5,7 Prozent Wachstum im kommenden Jahr.

 

Die Fed hat trotzdem in ihrer letzten Zinssitzung die Reduzierung der monatlichen Wertpapierkaufvolumina (Tapering) noch nicht konkret angekündigt. Es ist davon auszugehen, dass die Notenbanker zunächst den September-Arbeitsmarktbericht abwarten wollen, um den weiteren Kurs festzulegen. Da Anfang September erhebliche Unterstützungszahlungen für nicht arbeitende Menschen in den USA eingestellt wurden, ist davon auszugehen, dass die Anzahl an neu geschaffenen Stellen deutlicher steigt als in den letzten Monaten. Dann wäre der Weg frei für eine Konkretisierung der Taperingpläne in der nächsten Zinssitzung Anfang November und einen Start des Taperings Anfang 2022.

 

Die Situation rund um die Pleite des Immobilienentwicklers Evergrande in China ist nicht ganz klar. Offensichtlich wurde die gestern fällige Zinszahlung auf eine in US-Dollar-Anleihe des Unternehmens zumindest nicht vollständig vorgenommen. Eindeutig ist, dass die Regierung in Peking nicht gewillt ist, das Unternehmen als Ganzes zu retten. Es sollen aber die schlimmsten Nebenwirkungen für Anleger, Kunden, finanzierende Banken, andere Immobilienentwickler und die Kapitalmärkte begrenzt werden. Entsprechende Anweisungen wurden an die chinesischen Regionalregierungen ausgegeben. Grundsätzlich ist positiv, dass man das Problem erkannt hat und die Auswirkungen eingrenzen möchte. Die vagen Handlungsanweisungen dazu erhöhen jedoch das Risiko, dass es zu Fehlern in der politischen Umsetzung kommt und daraus doch noch größere Turbulenzen entstehen könnten. Evergrande dürfte die Märkte daher in den kommenden Wochen weiterbewegen.

 

Die Bundestagswahl am Wochenende dürfte kurzfristig kaum Auswirkungen für die internationalen Börsen haben. Da zwischen Union und SPD ein Kopf-an Kopf-Rennen möglich ist und voraussichtlich bis zu sechs verschiedene Regierungskonstellationen infrage kommen, wird sich erst eine neue Koalition herauskristallisieren müssen, bevor Rückschlüsse auf den mittel- bis langfristigen Kurs der Bundesregierung möglich sind. Grundsätzlich steht die neue Regierung vor enormen Herausforderungen, bspw. die Bewältigung der Corona-Pandemie und wichtige Weichenstellungen bzgl. der Digitalisierung, des Klimawandels und demografischer sowie geopolitischer Entwicklungen, die ein zeitnahes Anpacken erfordern. Dazu werden wir kurzfristig eine zusammen mit Prof. Dr. Henning Vöpel, künftiger Direktor des Centrum für Europäische Politik, erstellte Publikation veröffentlichen.

 

 

 

Hamburg – Am morgigen Donnerstag, den 23. September 2021, feiert DONNER & REUSCHEL die offizielle Eröffnung ihres neuen Standorts an der Düsseldorfer Königsallee. Neben DONNER & REUSCHEL-Vorstandssprecher Marcus Vitt und dem ehemaligen Hamburger Bürgermeister Ole von Beust wird Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller beim Empfang in der Königsallee 27 ein Grußwort sprechen.

Nach Hamburg, München, Kiel und Bremen haben die DONNER & REUSCHEL-Kunden nun auch in Düsseldorf feste Ansprechpartner. Vor Ort werden dann, neben Private Banking-Kunden, auch institutionelle Kunden und Kunden mit dem Schwerpunkt Heilberufe betreut. 

„Die Eröffnung dieses Standortes in Düsseldorf ist ein konsequenter Schritt, mit dem wir die Nähe zu unseren Kunden auch im Westen Deutschlands ausbauen“, sagt Vorstandssprecher Marcus Vitt. Ebenfalls in Düsseldorf ansässig ist die zu DONNER & REUSCHEL gehörende PMP Vermögensverwaltung, die bereits seit vielen Jahren langjährige Kundenbeziehungen pflegt. „Schnelle Entscheidungswege und der persönliche Kontakt sind Teil unserer Unternehmensphilosophie, deshalb freue ich mich, dass wir jetzt auch im Herzen der Rheinmetropole für unsere Kunden und Partner da sein können“, so Vitt.

Die Privatbank DONNER & REUSCHEL befindet sich auf Wachstumskurs. Erst im Februar des Jahres startete ein mittlerweile fünfköpfiges DONNER & REUSCHEL Team am neuen Standort in der Hansestadt Bremen.

Weitere Informationen über das Bankhaus finden Sie unter: www.donner-reuschel.de

Der weitere Verlauf der Corona-Pandemie ist nur schwer prognostizierbar. Zwar haben mittlerweile 3,2 Mrd. Menschen, also etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung zumindest eine Impfdosis erhalten und die Immunität steigt zusätzlich durch eine steigende Anzahl an Genesenen. Allerdings wird dadurch auch der Virus unter Druck gesetzt, Varianten zu entwickeln, die Immunitäten überwinden können. Aufgrund der nach wie vor dynamischen Verbreitungsgeschwindigkeit der Pandemie bleibt diese ein Kernrisiko für die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Monaten.

Die weltweit weiter steigenden Corona-Fallzahlen verunsichern sowohl Unternehmen als auch Konsumenten. Der GfK-Konsumklimaindex für Deutschland gab entsprechend und zusätzlich aufgrund deutlich steigender Preise nach, obwohl die Anzahl der Kurzarbeitenden gemäß einer aktuellen Studie des ifo-Instituts im August auf nur noch 688.000 gesunken ist.

Der ifo-Geschäftsklimaindex wurde auch durch die zunehmenden Zulieferengpässe gedrückt. Das ifo-Institut spricht mittlerweile sogar von einer Beschaffungskrise und einer resultierenden realen Gefahr für den Aufschwung. Knapp 70 Prozent aller Unternehmen in Deutschland berichten von maßgeblichen Engpässen. Vom Mangel an Chips und Halbleitern bspw. sind besonders die Automobil-Industrie und die Hersteller von elektronischen Ausrüstungen betroffen. Bisher waren die meisten Unternehmen in der Lage, die gestiegenen Produktionskosten an die Endverbraucher weiterzureichen. Diese Möglichkeit besteht jedoch nicht unbegrenzt und dürfte künftig verstärkt die Margen belasten, wie bei vielen Autobauern schon jetzt erkennbar ist.

Die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde betonte auf der gestrigen Pressekonferenz nochmal, dass man den aktuellen Inflationsanstieg nur als temporär betrachtet. Entsprechend wurden die Projektionen der EZB nur leicht angehoben. Erwartet werden nun 2,2 Prozent Preissteigerungsrate für 2021 sowie 1,7 bzw. 1,5 Prozent für 2022 und 2023. Zudem kündigte Lagarde an, ab dem vierten Quartal das Volumen der monatlichen Wertpapierkäufe leicht zu reduzieren, was aber keine generelle Abkehr vom ultra-expansiven geldpolitischen Kurs bedeutet.

In den USA wurde jüngst erneut mit 10,9 Millionen eine neue Rekordanzahl an offenen Stellen vermeldet. Gleichzeitig entfallen ab dem 6. September für viele US-Bürger die zusätzlichen, von der Zentralregierung in Washington finanzierten Unterstützungszahlungen. Damit müsste die Arbeitslosigkeit im Laufe des Monats deutlich sinken. Falls nicht, wäre der zuletzt stockende Jobaufbau auf andere Gründe zurückzuführen, bspw. fehlende Qualifikationen der Bewerber oder unzureichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten angesichts coronabedingt geschlossener Schulen und Kitas.

Die US-Notenbank Fed wird daher voraussichtlich die kurzfristige Entwicklung am Arbeitsmarkt abwarten und in der kommenden Sitzung ihres Entscheidungsgremiums am 21. und 22. September noch keine konkrete Ankündigung einer Reduktion der monatlichen Wertpapierkaufvolumina (Tapering) vornehmen. Das Marktumfeld bleibt damit von tief negativen Realzinsen und steigenden Risiken aufgrund der Corona-Pandemie, hoher Inflationsraten und anhaltender Lieferengpässe geprägt. Aktien bleiben grundsätzlich durch expansive Geld- und Fiskalpolitik sowie den dynamischen weltweiten Aufschwung unterstützt. Es ist aber mit verstärkten Gewinnrevisionen und daher auch zwischenzeitlichen Rückschlägen in den kommenden Monaten zu rechnen.