Die positiv getesteten Neufallzahlen im Zuge der Corona-Pandemie stiegen zuletzt in einigen europäischen Staaten, als auch in vielen Schwellenländern. So wurden in Brasilien und Indien hohe Niveaus vermeldet, wobei für die Region Mumbai – nach über 100.000 neuen Fällen pro Tag – erneut striktere Lockdowns implementiert wurden. Bedenklich ist dabei, dass von einer sehr hohen Dunkelziffer auszugehen ist und vor allem neue ansteckendere Virus-Mutationen den deutlichen Anstieg verantworten.

 

Der Vergleich der Impffortschritte zeigt auch, dass Indien – trotz sehr hoher aber überwiegend exportierter Impfstoffproduktion – und Brasilien mit 5-10 Prozent mindestens einmal Geimpfter an der Gesamtbevölkerung noch hinter den europäischen Staaten (10-15 Prozent) und deutlich hinter fortgeschrittenen Nationen, wie Großbritannien (47 Prozent) und den USA (33 Prozent), liegen. Letztere haben zudem kaum im Land produzierte Impfstoffe exportiert.

 

Wie der Internationale Währungsfonds IWF in seinem jüngsten „World Economic Outlook“ verdeutlicht, sind diese unterschiedlichen Dynamiken der Pandemie und der Impfkampagnen maßgebliche Faktoren für eine zunehmende Divergenz in der wirtschaftlichen Entwicklung. Vor allem die Schwellenländer verzeichnen – auch aufgrund geringerer fiskalischer Unterstützungen – stärkere Einbrüche und länger anhaltende Negativwirkungen, während andere Staaten, wie China und die USA, in der wirtschaftlichen Erholung schon sehr weit fortgeschritten sind.

 

Aufgrund der coronabedingt weiter hohen Unsicherheiten mahnt der IWF eine zunächst weiter hohe fiskalische Unterstützung der Wirtschaft an, auch um Folgekrisen etwa im Bankensektor oder über Turbulenzen an den Kapitalmärkten zu vermeiden. Gleichzeitig wird jedoch auf die in einigen Staaten mittelfristig notwendigen fiskalischen Konsolidierungsbemühungen aufgrund weltweit explodierter Staatsschulden hingewiesen. Die aggregierten weltweiten Staatschulden im Verhältnis zum BIP haben mittlerweile Niveaus wie zuletzt nach dem 2. Weltkrieg erreicht.

 

In Deutschland war sowohl im Januar (-2,0 Prozent) als auch im Februar (-1,8 Prozent) eine sinkende Industrieproduktion zu verzeichnen. Diese ist allerdings unter anderem auf saisonale Effekte (bspw. wetterbedingt geringerer Bauproduktion) und stockende Lieferketten (bspw. fehlende Chips in der Automobilindustrie) zurückzuführen. Generell bleiben die Aussichten für die deutsche Industrie aufgrund der weiterhin hohen Exportnachfrage sehr gut, wie der erneute Anstieg der Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe auf den höchsten Stand seit Mitte 2018 gemäß ifo-Geschäftsklimaindex für März verdeutlichte.

 

Auch in den USA bleibt die wirtschaftliche Dynamik – sowohl für die Industrie als auch die Dienstleistungen – außergewöhnlich hoch und wird durch die weiter massive fiskalische Unterstützung in den kommenden Monaten noch zusätzlich angetrieben. Entsprechend war am US-Arbeitsmarkt im März auch wieder eine positive Tendenz mit 780.000 neu geschaffenen Stellen und einer auf sechs Prozent gesunkenen Arbeitslosenquote festzustellen. Angesichts der auch in den kommenden Monaten anhaltend hohen wirtschaftlichen Dynamik könnte das Vorkrisenniveau mit etwa 3,5 Prozent Arbeitslosigkeit schon gegen Ende 2021 oder Anfang 2022 erreicht werden. Damit würden sich die Augen auf die US-Notenbank Fed richten, die ggf. doch früher als zuletzt angekündigt, über Leitzinsanhebungen nachdenken müsste.

 

Die Aussichten für die internationalen Aktienmärkte bleiben aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen und angesichts der anstehenden Konjunkturerholung grundsätzlich positiv, wenngleich viel der entsprechenden Erwartungen bereits eingepreist sein dürfte. Daher ist künftig mit höheren Schwankungen und branchen- sowie unternehmensspezifisch differenzierten Entwicklungen zu rechnen. Die Sektorrotation zugunsten konjunktursensitiver Aktien dürfte zunächst anhalten.

 

 

Börsen im März: (Vor-) Frühlingsgefühle

Das Kapitalmarktumfeld im März: boomende Industrie trotz Shutdowns

In den USA wurde das von Präsident Biden vorgesehene neue Konjunkturpaket mit einem Volumen in Höhe von 1,9 Billionen USD verabschiedet. Damit ergibt sich für die ohnehin und trotz erhöhter Corona-Neufallzahlen im Winterhalbjahr dynamische US-Konjunktur noch einmal ein erheblicher Stimulus, u.a. bestehend aus direkten Transfers an Konsumenten, Unterstützung von Impfkampagnen, Stützung von Unternehmen, Kommunen etc. Entsprechend wurden die Wachstumsprognosen für die USA im laufenden Jahr auf bis zu 6,5% deutlich angehoben. Die globale Erholung hat damit neben China ein zweites Zugpferd gewonnen, wodurch sich erneut positive Impulse für die exportorientierte Industrie in Deutschland ergeben dürften. Entsprechend stieg der ifo-Geschäftsklimaindex für das Verarbeitende Gewerbe im März weiter an und signalisiert mittlerweile einen Boom wie zuletzt Anfang 2018. Die Folge sind noch längere Lieferzeiten für einzelne Vorleistungsgüter, bspw. Chips für die Automobilindustrie, sowie erheblich steigende Produktionspreise – auch aufgrund weltweit knapper Transportkapazitäten.

Weiterhin leiden in vielen europäischen Staaten jedoch einige Dienstleistungssektoren unter den zuletzt sogar teilweise verlängerten und verschärften Lockdown-Maßnahmen mit überwiegend fehlender konkreter Aussicht auf Lockerungen. Insbesondere bei personennahen Dienstleistungen und Anbietern sozialen Konsums, wie bspw. Gaststätten, Beherbergungsbetrieben, Veranstaltern oder im Reisesektor sehen gemäß einer Umfrage des ifo-Instituts mittlerweile über 75% der befragten Unternehmer ihren Betrieb als akut existenzgefährdet an. Jede Woche weiterer Lockdown verschlechtert deren wirtschaftliche Perspektiven und belastet in der Folge auch den privaten Konsum. Viele Menschen befürchten künftig Einkommens- oder gar Jobverluste und sparen weiterhin mehr, anstatt zu konsumieren.
Trotz erneut angestiegener Inflation in Deutschland (1,7 Prozent) und in der Eurozone (1,3 Prozent) sowie ölpreisbedingt absehbarer weiterer Preisanstiege in den kommenden Monaten, bestätigte die Europäische Zentralbank EZB genau wie die US-Notenbank Fed ihren ultra-expansiven geldpolitischen Kurs. EZB-Präsidentin Lagarde kündigte zudem an, im 2. Quartal die Wertpapierkaufvolumina im Rahmen des PEPP-Programms deutlich zu erhöhen, vermutlich als Antwort auf die seit Jahresanfang relativ deutlich gestiegenen Zinsen.
Ein erstes Treffen zwischen dem chinesischen und dem US-Außenminister seit der Amtsübernahme Joe Bidens brachte keine nennenswerten Fortschritte bei diversen Konfliktthemen, u.a. bzgl. des weiter schwelenden Handelskonfliktes.

Zinsen: in Europa leicht, in den USA stärker steigend

Die Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe stieg im März erneut leicht auf -0,29 Prozent p.a. Bei 30 Jahren Restlaufzeit ist mit deutschen Bundesanleihen mittlerweile wieder eine positive Rendite in Höhe von 0,25 Prozent p.a. zu erzielen. Ein weiterer Zinsanstieg dürfte auch aufgrund der verbalen Intervention der EZB-Präsidentin mit der Ankündigung künftig erweiterter Wertpapierkäufe ausgeblieben sein. In den USA hingegen zog die Rendite von Staatsanleihen mit 10 Jahren Restlaufzeit angesichts der dynamischen Konjunkturentwicklung sowie zunehmender Preissteigerungstendenzen erneut stärker auf 1,74 Prozent p.a. an.

Aktien: auf Rekordkurs

Der deutsche Leitindex DAX erreichte Ende März einen neuen Rekordstand bei über 15.000 Punkten und konnte damit seit Jahresanfang um knapp 10 Prozent zulegen. Anders als noch im Vorjahr profitierten die im deutschen Leitindex besonders stark vertretenen konjunktursensitiven Aktien, etwa von Anlagen-, Fahrzeug- und Maschinenbauern sowie die Branchen Chemie und Logistik von der weltweit stark steigenden Exportnachfrage. Zu den Nachzüglern hingegen avancierten viele Gewinner des letzten Jahres, vor allem aus dem Technologiesektor. Einerseits werden einige der von der Coronakrise sogar profitierende Unternehmen in den kommenden Monaten einer Gewinnnormalisierung unterliegen, bspw. Versandhändler. Andererseits wirkten sich die vor allem in den USA zeitweise deutlich steigenden Zinsen für Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten negativ auf die Bewertungen stark wachsender Technologieunternehmen aus. Entsprechend stieg der US-Technologieindex NASDAQ 100 im ersten Quartal nur um 2 Prozent, während der breit gefasste US-Aktienindex S&P 500 ein Kursplus in Höhe von knapp 6 Prozent erreichte.

Währungen: Euro schwächer

Der Euro gab im Vergleich zum US-Dollar erneut deutlich nach und notierte Ende März bei 1,17 EUR/USD. Sowohl die kräftigere Konjunkturdynamik als auch die stärker steigenden Zinsen im US-Dollarraum nutzten offensichtlich einige Anleger für Umschichtungen zulasten des Euro.
Rohstoffe: Gold und Rohöl schwächer
Der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent gab leicht auf 63 US-Dollar nach. Ebenfalls leicht fiel der Goldkurs und notierte zum Monatsende nur noch knapp über der Marke von 1.700 US-Dollar. Ein festerer Dollar, steigende Zinsen sowie haussierende Aktien- und Bitcoinkurse ließen zunehmende Sorgen um weltweit explodierende Staatsschulden und anhaltend tief negative Realzinsen im bisherigen Jahresverlauf in den Hintergrund treten.

Implikationen für Anleger

Angesichts immer weiter steigender Aktienkurse und neuer Höchststände – mittlerweile sogar beim sehr zyklisch ausgerichteten DAX – nehmen die Risiken für zwischenzeitliche Rückschläge weiter zu. Nicht zuletzt der Zusammenbruch des 50 Mrd. US-Dollar schweren Hedgefonds Archegos Ende März verdeutlichte, dass es derzeit teilweise zu spekulativen Exzessen kommt. Trotzdem sind Befürchtungen einer dadurch auslösbaren systemischen Finanzkrise analog der Ereignisse von 2008 wohl nicht gerechtfertigt. Einerseits befindet sich die Weltwirtschaft zweifellos am Anfang eines Nach-Rezessions-Booms mit überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten in den kommenden Jahren. Zudem stabilisieren sowohl Geld- als auch Fiskalpolitik schon lange und wohl auch noch lange die wirtschaftliche Erholung und dadurch letztlich auch die Kurse an den Kapitalmärkten. Und auch die relative Schwäche der Highflyer des letzten Jahres aus dem Technologiesektor sowie der verpatzte Börsengang des britischen Essenlieferdienstes Deliveroo verdeutlichen, dass die Börsen sich trotz vielfacher Höchstkurse nicht in einem ekstatischen Zustand der überschäumenden Euphorie befinden, in der Anleger jeden Kontakt zur Realität verloren haben. Vielmehr sorgt derzeit jegliche Negativnachricht sofort für ungute Erinnerungen an vergangene Crashs und dürfte entsprechend steigende Vorsicht sowie die ein oder andere Gewinnmitnahme hervorrufen. Trotzdem werden die Unternehmen in den kommenden Monaten hoch gesteckte Gewinnerwartungen erfüllen müssen. Zudem birgt die weiter kritische Corona-Situation zumindest in Europa Rückschlagpotenziale. Es dürfte daher künftig auch wieder volatiler werden, wenngleich die Grundkonstellation anhaltend negativer Realzinsen die Kurse aller Realwertanlagen weiter unterstützen wird.

Die in dieser Woche veröffentlichten Schnellschätzungen der Markit-Einkaufsmanagerindizes für Deutschland haben positiv überrascht. Für den Industriesektor wurde zwar ein anhaltend positives Ergebnis erwartet, ein Anstieg auf 68,5 und damit auf ein Rekordniveau, übertraf dann aber die Vorstellung der meisten Beobachter. Rekorde gab es ebenso beim Anstieg der Exportaufträge, dem Hauptfaktor für die weiterhin sehr guten Geschäftsaussichten in der deutschen Industrie.

Wie in den letzten Monaten auch, berichteten die befragten Unternehmen von deutlich verlängerten Lieferzeiten für Vorleistungsgüter sowie knappen Produktionskapazitäten und demzufolge von stark steigenden Kosten für Vorleistungen und Transportdienstleistungen. Die Kostensteigerungen konnten zumindest teilweise auf die Endverbraucherpreise überwälzt werden, so dass Gewinnmargen größtenteils nicht negativ beeinflusst werden. 

Vor diesem Hintergrund sind in den kommenden Monaten kaum weitere Steigerungen der Umfrageergebnisse in der Industrie zu erwarten. Wenn Kapazitäten ausgereizt sind und teilweise erhebliche Lieferschwierigkeiten für Vorleistungen bestehen, kann die Produktion nicht weiter ausgeweitet werden. Trotzdem werden gerade exportorientierte Unternehmen auch weiterhin von der globalen Erholung nach der Corona-Rezession in den kommenden Wochen profitieren und wohl noch länger auf den derzeitigen Niveaus produzieren können.

Ebenfalls überraschend deutlich stieg der Index für Dienstleistungen in Deutschland über die Expansionsmarke von 50 Punkten. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Entscheidung über die verlängerte Shutdown-Regelung in Deutschland erst gegen Ende des Befragungszeitraums vorgenommen wurde. Daher ist anzunehmen, dass die zuvor geäußerte Zuversicht bei einigen Unternehmen vorerst wider revidiert werden muss.

Auch für Frankreich und die gesamte Eurozone konnte in beiden Sektoren eine steigende Zuversicht der Unternehmen vermeldet werden. Dennoch belasten die verlängerten und zum Teil verschärften Shutdown-Regelungen – wie in Deutschland und Frankreich – die Volkswirtschaften. Ein breiter, alle volkswirtschaftlichen Segmente umfassender Aufschwung wird daher nicht vor Ende April stattfinden können. Dies aber nur unter der Annahme, dass keine Verlängerung der Shutdown-Regelungen nötig sein wird. In den USA hielten sich die Umfrageergebnisse auf den hohen Niveaus der Vormonate. Auffallend war hier der Hinweis der Unternehmen auf – teilweise im historischen Vergleich beispiellose – stark steigende Produktionskosten.

Auch vor diesem Hintergrund wird die EZB ihren ultra-expansiven geldpolitischen Kurs fortsetzen. Die Perspektive anhaltend niedriger Zinsen, aber gelichzeitig steigender Inflationsraten wird für tief negative Realzinsen bei Staatsanleihen der Eurozone sorgen und dürfte reale Anlageklassen – wie Aktien, Edelmetalle oder Immobilien – weiter unterstützen.

Börsen im Februar: nicht rutschfest…

China bleibt vorerst die Wachstumslokomotive der Welt. Der Internationale Währungsfonds rechnet in diesem Jahr mit einem im historischen Vergleich überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum in Höhe von 8,1 Prozent. Im nächsten Jahr dürfte sich das Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft dann mit erwarteten 5,6 Prozent langsam wieder den Vorkrisenraten annähern. Kurzfristig profitiert China davon, dass seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im ersten Quartal 2020 keine weiteren größeren Infektionswellen entstanden und damit keine erneuten großflächigen Shutdowns notwendig waren.

Aber auch langfristig klar definierte, politisch mit allen Mitteln unterstützte und konsequent umgesetzte wirtschaftliche Zielsetzungen helfen, die Wirtschaft weiter in rasantem Tempo zu modernisieren und auf künftige Herausforderungen auszurichten. Beispiele sind der seit Jahren bestehende Plan „Made in China 2025“ mit der China in wesentlichen zukunftsrelevanten Technologien die weltweit führende Rolle einnehmen wird, die neue Seidenstraße, der Abschluss des Freihandelsabkommens RCEP oder jüngst die Formulierung der „Strategie der zwei Zirkel“, also der Fokussierung auf eine stärkere Unabhängigkeit von ausländischen Importen und auf den Außenhandel in der engeren Region Asiens.

In Deutschland und Europa hingegen leiden vor allem einige Dienstleistungssektoren unter den weiterhin bestehenden Shutdown-Maßnahmen. Zwar gingen in vielen europäischen Staaten die neu gemeldeten Corona-Fallzahlen zuletzt zurück, jedoch steigt der Anteil verschiedener besonders ansteckender Mutationen des Virus, weshalb Lockerungen der Shutdowns vielerorts fraglich sind oder aber gegebenenfalls wieder revidiert werden müssen. Für einzelne betroffene Unternehmen und Menschen sind die Auswirkungen mit anhaltender Dauer der Maßnahmen immer gravierender. Mit Sicherheit werden die Insolvenzen in diesen Bereichen in den kommenden Monaten deutlich zunehmen. Diese Aussicht und die resultierende Angst vor Einkommens- oder gar Jobverlusten verunsichert weiterhin viele Menschen, die ihre Konsumausgaben auf das Nötigste beschränken. Entsprechend konnte der GfK-Konsumklimaindex sich von seinem Einbruch im Januar auch nur leicht erholen.

Gesamtwirtschaftlich halten sich die Auswirkungen zumindest in Deutschland bisher in Grenzen, erkennbar an dem gerade auf 0,3 Prozent nach oben revidierten Wirtschaftswachstum im 4. Quartal. Das ifo-Institut schätzt den Ausfall an Wertschöpfung derzeit auf 1,5 Mrd. Euro wöchentlich, was etwa 2,5 Prozent der gesamten Wertschöpfung pro Woche entspricht. Aufrecht gehalten wird die Dynamik global und besonders in Deutschland vor allem von der Industrie. Der letzte ifo-Geschäftsklimaindex verdeutlichte, dass die Stimmung bei den Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes auf den höchsten Stand seit Ende 2018 angestiegen ist. Angetrieben wird die Industrieproduktion besonders von der hohen Exportnachfrage, u.a. aus China.

In den USA hat sich gemäß ISM-Einkaufsmanagerindizes zuletzt sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor die Stimmung der Unternehmen weiter auf hohen Niveaus gehalten. Dabei profitiert der in den USA für die gesamte Wirtschaftsleistung besonders wichtige private Konsum von den noch bestehenden fiskalischen Stützungsmaßnahmen, die allerdings teilweise im März auslaufen. Umso wichtiger wäre für die US-Volkswirtschaft eine zeitnahe Verabschiedung des von Präsident Joe Biden geplanten neuen Konjunkturpaketes mit einem Volumen von bis zu 1,9 Bio. US-Dollar, das u.a. direkte Zahlungen in Höhe von 1.400 US-Dollar an viele US-Bürger, die Unterstützung von Impfkampagnen und Testkapazitäten sowie Zahlungen an Städte und Bundesstaaten vorsieht. Die dafür notwendigen Abstimmungen finden heute im Repräsentantenhaus und in der kommenden Woche im Senat statt. Es ist davon auszugehen, dass zumindest große Teile des Paketes verabschiedet werden können. Die Notwendigkeit wurde auch vom Chef der US-Notenbank Fed Jerome Powell in dieser Woche erneut unterstrichen. Er verwies auf die nach wie vor bestehende Unterauslastung des US-Arbeitsmarktes, weshalb auch die Geldpolitik auf absehbare Zeit weiter expansiv ausgerichtet werden solle. Zwar fiel die Anzahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in dieser Woche relativ deutlich auf 730.000, doch verglichen mit dem Vorkrisenniveau fehlen noch immer etwa 10 Millionen Beschäftigungsverhältnisse.

Trotz in vielen Staaten zuletzt fallender Corona-Neufallzahlen, wurden bestehende Shutdown-Maßnahmen teilweise erneut verlängert. Hintergrund ist die Befürchtung, dass eine Verbreitung deutlich ansteckenderer Mutationen den aktuellen Erfolg schnell wieder zunichtemachen könnte.

Dadurch wird die Anzahl der Insolvenzen in den besonders betroffenen Dienstleistungsbereichen, beispielsweise des sozialen Konsums, in den kommenden Monaten weiter steigen. Laut einer Studie des ifo-Instituts verliert die deutsche Volkswirtschaft derzeit 1,5 Milliarden Euro an Wertschöpfung pro Woche. Damit sind die realwirtschaftlichen Auswirkungen des langen Winter-Shutdowns allerdings noch immer deutlich geringer als im Frühjahr. Entscheidender Unterschied ist das weitgehende Offenhalten der Industrie, die weiterhin von einer hohen Exportnachfrage, insbesondere aus China, profitiert.

Der unerwartet deutliche Sprung der Inflation in Deutschland im Januar ist teilweise auf technische Veränderungen zurückzuführen, etwa die Wiedererhöhung der Mehrwertsteuer und die Einführung der CO2-Abgabe in Deutschland. Zudem kann die Preisentwicklung für viele Komponenten des für die Inflationsmessung maßgeblichen Warenkorbs derzeit nur geschätzt werden, beispielsweise für Kleidung im stationären Verkauf.

Es ist allerdings schon heute absehbar, dass spätestens ab März erneut deutlich steigende Inflationsraten zu verzeichnen sein werden. Grund dafür sind die energieabhängigen Anteile der Komponenten „Wohnen“ und „Verkehr“, die zusammen gut 10 Prozent des Warenkorbs ausmachen und stark von den Entwicklungen der Rohölpreise und anderer fossiler Energierohstoffe abhängen.

Dieser Ölpreis-Basiseffekt entsteht, da bei der Ermittlung der Inflation die aktuellen Ölpreise mit den Durchschnittswerten des jeweiligen Vorjahresmonats verglichen werden. Durch die Corona-Krise bedingt sind die relevanten Vergleichswerte aus den Monaten März, April und Mai 2020 besonders niedrig (für die Nordseesorte Brent 31, 25 bzw. 30 EUR/Barrel) und liegen deutlich unter den derzeitigen Notierungen (50 EUR/Barrel).

In den USA ist der Zusammenhang bezogen auf den dort maßgeblichen Rohölpreis der Sorte WTI ähnlich, aber das Ausmaß der ölpreisbedingten Preissteigerungen sogar noch deutlicher. So lag der Durchschnittspreis der Sorte WTI im April 2020 bei nur 17 US-Dollar/Barrel verglichen mit aktuellen Notierungen von 57 US-Dollar pro Barrel.

Zusätzlich preistreibend wirken die aufgrund der weltweit hohen Dynamik der Industrieproduktion zunehmend knapper werdenden Kapazitäten bei Logistik-Dienstleistungen und vielen Vorleistungsgütern. Beispielsweise musste die Produktion bei VW und Mercedes in Deutschland sowie bei General Motors in den USA zuletzt reduziert werden, weil wichtige Chips derzeit nicht rechtzeitig geliefert werden können. In den Umfragen des Institute for Supply Management (ISM) zur Unternehmensstimmung in den USA wird dieser starke Preisanstieg auf Vorleistungsebene besonders deutlich. Zudem geben die Unternehmen schon heute an, die erhöhten Inputkosten zum großen Teil auf die Preise der Endprodukte umzulegen.

Dieser Effekt wird unter der Annahme, dass die Verbreitung des Corona-Virus in den kommenden Monaten global weiter eingedämmt werden kann und dann aufgestaute Konsumnachfrage wirksam wird, noch verstärkt für anziehende Verbraucherpreise sorgen.

Entsprechend sind auch die durch die Break-even-Inflationsraten von inflationsgeschützten Anleihen an den Börsen eingepreisten Inflationserwartungen in den USA zuletzt auf 2,2 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Anfang 2014 gestiegen.

Die Frage ist, ob diese Entwicklungen ein vorübergehendes Inflations-Strohfeuer darstellen, oder ob der jahrzehntelang anhaltende Trend sinkender Inflationsraten dadurch beendet wird. Aufgrund der derzeit nicht nur monetär, sondern gleichzeitig auch fiskalisch extrem expansiven Politik ist die Wahrscheinlichkeit eines strukturell inflationäreren Umfelds in den kommenden Jahren zumindest deutlich gestiegen. Allerdings wirken gewichtige Faktoren grundsätzlich deflationär, unter anderem Globalisierung, Digitalisierung und eine zunehmend dematerialisierte globale Wertschöpfung.

Die kurzfristig steigenden Inflationserwartungen haben bereits zu leicht anziehenden Renditen bei Staatsanleihen sowohl im US-Dollar- als auch im Euroraum gesorgt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass zu stark steigende Zinsen für Staatsanleihen von den Notenbanken verhindert werden, um die Refinanzierbarkeit der vielfach explodierten Staatsschulden nicht zu gefährden.

Kaum negative Auswirkung an den Börsen hatte hingegen die zwischenzeitliche Regierungskrise in Italien. Dem voraussichtlich neuen Ministerpräsidenten Mario Draghi wird ein großer Vertrauensvorschuss gewährt, erkennbar an der zuletzt sogar auf Rekord-Tiefststände von 0,42 Prozent p.a. gefallenen Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen.

Am Anfang des Monats richtete sich die Aufmerksamkeit der Welt in Richtung USA.

Nachdem die im November in Kraft getretenen Regelungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Deutschland nicht den erhofften Erfolg brachten, wurden Mitte Dezember verschärfte Shutdown-Maßnahmen implementiert.

Am Anfang des Monats lag der Fokus der Welt zunächst auf den Präsidentschaftswahlen in den USA, bei der sich nach einigen Tagen der Unsicherheit der Herausforderer Joe Biden als Sieger herauskristallisierte. Noch ist zwar offen, ob die Demokraten auch im Senat eine Mehrheit erreichen können, allerdings wurde der zu erwartende Strategiewechsel, bspw. in der Außen- und Handelspolitik, an den internationalen Kapitalmärkten überwiegend positiv aufgenommen.

Die Eurozone, die USA und weltweit weitere Volkswirtschaften werden derzeit von wieder stark steigenden Corona-Infektionsraten getroffen. Weitgehend verschont von neuen größeren Infektionsherden blieb bisher hingegen China. Entsprechend konnte für die chinesische Wirtschaft im 3. Quartal eine Wachstumsrate in Höhe von 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und damit fast die Vorkrisen-Wachstumsdynamik erzielt werden.